Gibt Dortmund in Bremen noch richtig Gas? / Baumanns Erinnerung an 2004

Wenn der Meister mitten im Feier-Marathon steckt . . .

Mit Pumuckl-Frisur und der Meister-Party in den Knochen lief Frank Baumann (rechts/hier gegen Franca) 2004 mit Werder gegen Leverkusen auf – und unterlag 2:6. ·

Bremen - Es wird eng, sehr eng sogar. Zwei Spieltage vor Saisonende befindet sich Werder Bremen weiterhin in akuter Abstiegsgefahr. Und ausgerechnet jetzt kommt der frischgebackene Deutsche Meister Borussia Dortmund ins Weserstadion. Eine schier unlösbare Aufgabe? Oder doch mehr Segen als Fluch?

Denn keiner weiß, ob die Dortmunder nach dem Titelgewinn weiter richtig Gas geben oder ob sie sich – auch angesichts der vielen Feierlichkeiten in diesen Tagen – eher zurücknehmen werden, die Saison fröhlich ausklingen lassen. Erst heute steigt der BVB wieder ins Training ein.

Trotzdem rechnet Werder-Stürmer Sandro Wagner mit energischem Widerstand: „Die werden uns keinen Meter schenken und jetzt sogar noch gefährlicher sein. Sie sind gut drauf, haben nun keinen Druck mehr – da ist es leicht, Fußball zu spielen.“

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Dem Bremer Trainer Thomas Schaaf ist es „wurscht, was Dortmund macht. Wir konzentrieren uns auf unsere Aufgaben.“ Der Coach kennt die Situation – allerdings stand er 2004 auf der anderen Seite. Drei Spieltage vor Schluss machten die Bremer mit dem 3:1 bei Bayern München die Meisterschaft perfekt – eine Woche später gab’s gegen Bayer Leverkusen eine 2:6-Heimpleite. Frank Baumann, damals Kapitän, erinnert sich: „Wir wollten das Spiel schon gewinnen, doch wir haben vielleicht gedacht, dass es einfach so geht.“

Werder-Sportchef Klaus Allofs bezeichnet den Bremer Auftritt von damals noch heute als „unprofessionell“. Mit grün-orange gefärbten Haaren waren die Bremer aufgelaufen. Es herrschte Party-Stimmung im Stadion, am Spielfeldrand funkelte die Schale. „Die Erleichterung und die Freude nach dem Sieg in München waren natürlich groß, und wir haben auch zwei, drei Tage ziemlich heftig gefeiert. Das ist doch klar“, sagte Baumann: „Doch dann war die Konzentration schon wieder da, schließlich hatten wir ja noch das Pokalfinale zwei Wochen später vor der Brust.“ Gegen Leverkusen sei dann allerdings so ziemlich alles schief gelaufen.

Dass es den Dortmundern am Samstag (15.30 Uhr) im Weserstadion ähnlich gehen könnte, „darauf dürfen wir uns nicht verlassen“, warnte der 35-Jährige: „Ich glaube schon, dass sie richtig Gas geben werden. Dortmund wird nicht mit halber Kraft auflaufen und die restlichen beiden Spiele nicht herschenken.“

Eine Einschätzung, die Tim Borowski, 2004 ebenfalls mit Werder Meister, teilt. „Dortmund wird sicher mit dem Gedanken ins Spiel gehen, das Ding zu gewinnen“, glaubt der Mittelfeldspieler. Er hofft aber auch: „Es bleibt abzuwarten, wie lange sie in dieser Woche Party machen. Ich hoffe, so lange wie möglich . . .“

Doch darauf kann und will sich Werder nicht verlassen. Das macht Allofs sehr deutlich. „Wenn wir so spielen wie gegen Wolfsburg, kann Dortmund eine ganze Woche lang feiern, und wir werden trotzdem nicht gegen sie gewinnen“, hatte der 53-Jährige bereits kurz nach der 0:1-Pleite gegen Wolfsburg orakelt und die Mannschaft damit sofort in die Pflicht genommen.

Die hatte jetzt einige Tage lang Zeit, die Wunden zu lecken. „Wir haben eine große Möglichkeit verschenkt“, sagte Rechtsverteidiger Clemens Fritz: „Jetzt müssen wir’s besser machen, Gas geben und die nötigen Punkte holen.“ Dass es schwer wird, weiß Fritz, „aber wir haben keine Angst“. · flü

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