Weil Schmitz fliegt, schafft Wolfsburg ein 1:1

Werder fühlt sich betrogen, nicht von Allofs – vom Schiri

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DEN BALL wird Wolfsburgs Kämpfer Josue in dieser Szene nicht mehr treffen – und Werders Torschütze Marko Arnautovic setzt vorsorglich auch schon zum Schmerzensschrei an.

Wolfsburg - von Björn Knips. Einige Werder-Fans hatten sich schon vor der Partie festgelegt, von wem sie sich betrogen fühlen. „Allofs du Verräter“ stand auf einem Spruchband, das auf den Sitzplätzen neben dem Werder-Block hochgehalten wurde.

Nach dem Wechsel intonierte die grün-weiße Anhängerschar dann noch einen Anti-Allofs-Song – wenn auch längst nicht aus allen Kehlen. Ab der 62. Minute interessierte der Allofs-Wechsel von der Weser zum VfL Wolfsburg ohnehin nur noch am Rande, denn Schiedsrichter Markus Schmidt pfiff sich zum Sündenbock. Den Stuttgarter machten die Bremer dafür verantwortlich, dass sie sich in der VW-Arena mit einem 1:1 (1:0) begnügen mussten.

„Mit dieser Entscheidung wurde uns das Spiel zerstört“, schimpfte Thomas Schaaf. Der Trainer bezeichnete die Gelb-Rote Karte nach Studium der Fernseh-Bilder als „Fehlentscheidung. Lukas hat klar den Ball gespielt. Er putzt den Mann nicht weg. Das ist keine Attacke.“ Der Unparteiische hatte es in der 62. Minute anders gesehen, den Einsatz von Schmitz gegen Vieirinha nicht nur als Foul, sondern auch als gelbwürdig bewertet. Und weil der vermeintliche Übeltäter seit der 40. Minute nach einem (harmlosen) Foul an Makoto Hasebe bereits verwarnt war, gab es Gelb-Rot. „Ein Witz“, zischte Aaron Hunt, und Schmitz stellte entsetzt fest: „Der Schiri hat mich heute vom Platz gestellt, obwohl ich kein Foul gemacht habe. Klarer kann man den Ball nicht spielen.“

Das Fehlen von Schmitz machte sich sofort bemerkbar. Außenstürmer Eljero Elia rückte auf die linke Abwehrseite und pennte, als kurz darauf Diego den eingewechselten Vieirinha auf die Reise schickte. Der Portugiese servierte Bast Dost das 1:1 dann auf dem Silbertablett (64.). Am Spielfeldrand hatte Schaaf vergeblich versucht, einen anderen als Elia verteidigen zu lassen, während Co-Trainer Wolfgang Rolff hastig die zwingend notwendige Einwechslung von Außenverteidiger Aleksandar Ignjovski vorbereitete.

Auch mit dem Serben benötigte Werder noch eine Viertelstunde, um in der Abwehr wieder die alte Ordnung herzustellen. In dieser Phase verhinderte Sokratis auf der Linie die Führung durch den etwas übermotiviert wirkenden Diego (65.). Sebastian Mielitz reagierte glänzend gegen Dost (73.). Und Sokratis hatte Glück, dass der Schiri ein Handspiel des Griechen im Strafraum nicht ahndete (76.).

Doch dann war Werder wieder voll da, schnupperte in Unterzahl sogar noch einmal am Sieg, als Hunt einen Freistoß an den Pfosten zirkelte (82.) und Kevin De Bruyne den Kasten nur knapp verfehlte (86.). Aber die Bremer mussten sich vor 29 723 Zuschauern in der nicht ausverkauften Arena mit dem einen Tor von Marko Arnautovic aus der 35. Minute begnügen. Es war allerdings ein Treffer, der beeindruckt hatte – allen voran VfL-Coach Lorenz-Günther Köstner: „Das war klasse gemacht.“ Hunt hatte auf Elia gepasst, und der ließ in seiner einzigen guten Aktion an diesem Nachmittag Fagner stehen und legte von der Grundlinie perfekt auf Arnautovic zurück. Der Österreicher musste nur noch vollstrecken, Keeper Diego Benaglio war schon geschlagen. Nicht nur das war bitter für Wolfsburg, im Angriff davor hatte Dost den Ball an den Pfosten geköpft. Trotzdem stellte Köstner ganz richtig fest: „Das war eine sehr, sehr gute erste Hälfte von Werder. Kompliment, mit welcher Ruhe und Spielstärke die Bremer hier aufgetreten sind.“

Die Bilder vom Spiel

Unentschieden - Wolfsburg und Bremen trennen sich 1:1

Von Beginn an hatten die Gäste die Partie dominiert. Daran änderte sich auch nach der Pause nichts. „Daraus müssen wir mehr machen“, haderte Schaaf. Wohl wissend, dass der Platzverweis dann vielleicht gar nicht mehr entscheidend geworden wäre. Aber so ärgerten sich die Bremer vor allem über Herrn Schmidt – und fanden dabei einen prominenten Verbündeten. „Wenn ich bei Werder wäre, würde ich mich aufregen“, sagte ausgerechnet Allofs. Noch auf dem Platz tröstete der Neu-Wolfsburger den Unglücksraben Schmitz, plauderte kurz mit Hunt, herzte Sokratis und klatschte fast alle seine Ex-Spieler ab. Anschließend war fast jeder irgendwie froh, dass sich diese Thema nun erledigt hat. „Wir sehen ihn ja erst einmal nicht weder“, meinte Hunt – und Allofs wünschte sich, „dass jetzt Normalität einkehrt“.

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