1:4-Pleite in Stuttgart – und jetzt kann es runtergehen bis auf Platz zehn

Au weia, Werder! Europa rückt immer weiter weg

Stuttgart · Der Zug nach Europa hat Einfahrt, aber in dieser Verfassung wird ihn Werder verpassen. Gestern Abend verloren die schwachen Bremer das erste von vier „Endspielen“ um die internationalen Plätze beim direkten Konkurrenten VfB Stuttgart mit 1:4 (1:2).

Die Schwaben, für die Martin Harnik doppelt traf, haben als Fünfter nun sieben Punkte Vorsprung und sind außer Reichweite. Jetzt muss Bremen als Achter hoffen, sich in den drei verbleibenden Partien noch irgendwie Rang sieben zu krallen. Aber das wird richtig schwer, zumal an diesem Wochenende sogar der Sturz bis auf Platz zehn droht. Au weia, Werder!

Dabei hatte es gestern Abend vor 59 000 Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena anfangs gar nicht so schlecht ausgesehen. Um gegen die offensivstarken Stuttgarter mehr Stabilität ins Team zu bekommen, war Trainer Thomas Schaaf von der Mittelfeld-Raute abgerückt und hatte eine 4-2-3-1-Formation aufs Feld geschickt. Als zweiter defensiver Mittelfeldmann neben Aleksandar Ignjovski lief erneut Naldo auf, obwohl der Brasilianer bei seiner „Sechser“-Premiere am Dienstag gegen Gladbach (2:2) nicht gerade überzeugt hatte – und es auch gestern nicht tat. Davor bildeten Zlatko Junuzovic, Marko Marin und Torjäger Claudio Pizarro die Dreierreihe, einzige echte Spitze war Markus Rosenberg.

Werder verliert in Stuttgart 4:1

Mit diesem System hatte Werder zuletzt vor einem Monat in Dortmund (0:1) gespielt – aber nicht gut, weshalb Schaaf gegen den BVB in der Halbzeit wieder umgestellt hatte. Gestern klappte es zunächst besser. Es gab zwar einige Momente, in denen vor dem Werder-Tor Gefahr in der Luft lag, mehr aber eben lange Zeit nicht. Das gefährliche VfB-Trio mit Vedad Ibisevic, Martin Harnik und Julian Schieber war (noch) in guten Händen.

Nach vorne brachten die Bremer allerdings fast gar nichts zustande. Ein Distanzschuss von Marin (14.) – das war’s. Umso überraschender, dass die ideenlosen Gäste plötzlich in Führung gingen. Pizarro passte rechts raus auf Marin, dessen mit dem feinen Füßchen gezirkelte Flanke verwertete Rosenberg aus vier Metern (25.). 1:0 für Werder – und wieder war es Rosenberg! Der Schwede traf im dritten Spiel in Folge, zum dritten Mal zum 1:0.

Mehr solche Spielzüge hatten die Bremer allerdings nicht anzubieten. Sie ließen den VfB danach gewähren – was Geschäftsführer Klaus Allofs schwer deprimierte: „Wir führen 1:0, dann muss man das natürlich anders verteidigen. Das war zu leicht für Stuttgart, weil wir in den entscheidenden Situationen nicht so nah dran waren, wie es sein muss.“ Das Paradebeispiel: Der Ausgleich durch Christian Gentner. Der Stuttgarter Mittelfeldmann durfte, von Naldo und Affolter unbehelligt, in aller Ruhe Maß nehmen und jagte den Ball aus 18 Metern zum 1:1 in den rechten Winkel (37.).

Und es kam noch dicker für Werder. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit parierte Bremens Torwart Tim Wiese nach eine Ecke von Tamas Hajnal vorzüglich einen wuchtigen Kopfball von Georg Niedermeier, aber dann setzte niemand nach. Außer Harnik, der per Kopf zum 2:1 abstaubte.

Der Österreicher spuckte seinem Ex-Club auch nach der Pause kräftig in die Suppe. Wieder Ecke Hajnal, wieder Harnik aus kurzer Distanz – 3:1 (53.). Allerdings war ihm der Ball vorher klar an die Hand gesprungen, das Tor hätte nicht zählen dürfen.

Wie antwortete Werder? Gar nicht! Erst in der 74. Minute gab Junuzovic den ersten Bremer Torschuss in Halbzeit zwei ab – bezeichnend für eine erschreckende Angriffsleistung, mit der Werder unter den Top 7 nichts zu suchen hat. In der vorletzten Minute köpfte der eingewechselte Cacau sogar noch das 4:1 für Stuttgart. · mr

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