Warum Werder trotz Niederlage Selbstvertrauen getankt hat

Aus Enttäuschung stark?

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Werder will den die guten Phasen aus dem Pokal-Spiel mit in die Liga nehmen.

Leverkusen - Immer wenn die schwere, dick verglaste Tür zum Innenraum aufging, war er für einen kurzen Moment da – dieser merkwürdige Widerspruch zwischen Akustik und Optik, der sich immer dann einstellt, wenn Gesehenes und Gehörtes so gar nicht zueinander passen wollen.

Während von draußen wuchtig laut das von den Leverkusen-Fans gesungene „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ tief in den Bauch der BayArena drang, musste sich Maximilian Eggestein an seinem Eiweiß-Shake festhalten, um nicht vor Erschöpfung und Enttäuschung umzufallen. „Es ist extrem bitter“, sagte der 21-Jährige, hängende Schultern, dreckiges Trikot, Rasen im Gesicht. Mit Werder Bremen war er gerade durch ein 2:4 (2:1, 2:2) nach Verlängerung gegen Bayer Leverkusen im Viertelfinale des DFB-Pokals ausgeschieden.

Ein Abend, der im Abstiegskampf noch helfen könnte

Und so rang Eggestein mit den Worten, um zu erklären, was er so kurz nach dem Abpfiff gar nicht erklären konnte. Werder hatte dem Tabellenzweiten alles abverlangt, ein großes Fußballspiel geliefert – und es verloren. Für den Abstiegskampf in der Bundesliga dürfte der Abend von Leverkusen dennoch hilfreich sein.

Florian Kohfeldt machte es dieses Mal anders als sonst. In der Kabine hielt der Werder-Trainer nach dem Spiel keine Ansprache an die ganze Mannschaft. Stattdessen ging er rum, nahm jeden einzelnen Spieler kurz in den Arm. „Ich habe jeweils einen kurzen Satz gesagt“, berichtete er hinterher. „Es bringt ja nichts, wenn ich mich hinstelle und sage: Jungs, es geht weiter.“ Geht es für Werder nämlich nicht. Das Thema DFB-Pokal hat sich am Dienstagabend in Leverkusen für diese Saison erledigt. „Und diese Enttäuschung, die würde ich heute gerne bei mir selber, aber auch bei den Jungs zulassen“, sagte Kohfeldt.

Vor 25 653 Zuschauern hatte Werder ein starkes Spiel geliefert. Womöglich war es in punkto Intensität und Spannung eines der besten der ganzen Saison. Eine schnelle 2:0-Führung durch Max Kruse (4./Elfmeter) und Aron Johannsson (7.), später vier Leverkusener Tore von Julian Brandt (31./55.), Karim Bellarabi (111.) und Kai Havertz (118.), die das Spiel drehten. Dazwischen strittige Schiedsrichterentscheidungen, Großchancen, krachende Zweikämpfe, glänzende Torwart-Paraden – spätestens ab der Verlängerung wirkte die Partie wie ein Schwergewichtskampf im Boxen. Den Werder zwar verlor, allerdings ohne K.o. zu gehen. Und genau das war der positive Aspekt, auf den Kohfeldt in seiner ersten Analyse ziemlich schnell zu sprechen kam: „Es war ein Spiel auf Messers Schneide, in dem wir richtig guten Fußball gespielt haben. Riesenkompliment an die Jungs.“

„Das sind die Tage, die am meisten wehtun“

Während der Trainer das aussprach, schlichen einige dieser Jungs hinter ihm vorbei in Richtung Mannschaftsbus. Da war es schon weit nach Mitternacht. Die meisten mit dicken Kopfhörern, einige mit Mützen, tief ins Gesicht gezogen. Kohfeldt konnte das nicht sehen, beschrieb das Bild aber trotzdem perfekt: „Das sind die Tage, die am meisten wehtun.“ Sportchef Frank Baumann hatte kurz zuvor schon erklärt, dass Werder das Aus noch ein, zwei Tage beschäftigen werde. „Danach gehen wir aber unseren Weg weiter. Wenn uns das gelingt, wird er uns zum Klassenerhalt führen“, sagte der 42-Jährige.

Wie eine Mannschaft, die in der Bundesliga in Existenznöten steckt, hatten sich die Bremer gegen starke Leverkusener zu keiner Zeit präsentiert. „Das werden wir mitnehmen“, betonte Kohfeldt, der in Florian Kainz, Johannsson und Zlatko Junuzovic drei neue Akteure im Vergleich zum Schalke-Spiel in die Startelf beordert hatte. Das Trio machte ein gutes Spiel, bewies, dass Werder plötzlich Optionen hinter der Stammbesetzung hat. Noch so ein Lichtblick, der wichtig werden könnte. „Die Frische, die wir auf diesen Positionen wollten, haben wir bekommen“, freute sich Kohfeldt, ehe er den Blick schon vorsichtig in Richtung Sonntag, in Richtung Bundesliga-Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg richtete.

Gegen Wolfsburg Dinge in die richtigen Bahnen lenken

„Das Ergebnis im Pokal, das steht jetzt, das können wir nicht löschen“, sagte der 35-Jährige. Gefühlt sei es „morgen oder übermorgen“ aber weg. Was hingegen bleibe, das sei das Gefühl, die Erinnerung daran, „wie wir hier gespielt haben“. Es sind Erinnerungen, die Werders Selbstvertrauen nicht kleiner machen dürften – im Gegenteil. Kohfeldt sagte: „Gegen Wolfsburg wollen wir die Dinge jetzt in die richtigen Bahnen lenken.“ Aus Enttäuschung stark – das wird die Formel für diese Partie sein.

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Quelle: DeichStube

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