Warum sich Werder Bremen blamiert

Die Blender von der Weser

LEERE Gesichter: Kapitän Clemens Fritz (vorn) und Torwart Sebastian Mielitz, beide kräftig beteiligt am kläglichen 1:3 in Augsburg, bedanken sich bei den Werder-Fans für deren Leidensfähigkeit.

AUGSBURG/BREMEN - von Björn Knips. Irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit haute der Kollege auf der Pressetribüne der SGL Arena auf den Tisch und schimpfte: „Die spielen ja wie Argentinien bei der WM in Südafrika. Fünf Mann vorne, fünf Mann hinten, das ist Harakiri, das kann nicht gutgehen!“ Ging es auch nicht.

Der SV Werder verlor am Freitagabend in Augsburg hochverdient mit 1:3 (1:2). Beim Tabellenletzten wohlgemerkt. Eine Blamage! Und eine Offenbarung.

Mit einigen ganz guten Leistungen in den ersten sechs Ligaspielen hatten die Bremer die Öffentlichkeit geblendet, die Fans wieder von besseren Zeiten träumen lassen. Aber Werder ist nicht so stark wie erhofft.

Die Bilder vom Spiel Augsburg - Werder Bremen

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Die Bremer Probleme in Augsburg – sie waren massiv. Keeper Sebastian Mielitz gab der Mannschaft keinen Rückhalt, patzte zweimal. Die Außenverteidiger Clemens Fritz und Lukas Schmitz besaßen kein Bundesliga-Niveau. Zlatko Junuzovic war als Sechser zu offensiv und überfordert, weil ihn die noch offensiveren Aaron Hunt und Kevin De Bruyne kaum unterstützten. Die Außenstürmer Eljero Elia und Marko Arnautovic kochten ihr eigenes Süppchen mit Hacke, Spitze eins, zwei drei als Zutaten und ohne eine Prise Lust auf Defensivarbeit. Frei nach dem Motto: Augsburg ist so schlecht, die hauen wir eh weg. Dumm nur, dass Elia und Arnautovic selbst gegen einen solchen Gegner vergeblich auf ihren ersten Saisontreffer warteten. In Tornähe gingen bei Werder – abgesehen vom Freistoßtor von Kevin De Bruyne zum zwischenzeitlichen 1:1 – regelmäßig die Lichter aus. Auch, weil Sturmspitze Joseph Akpala gerade einmal 23 Ballkontakte hatte und davon gefühlte 22 beim Gegner endeten. Warum der Nigerianer den Vorzug vor Nils Petersen erhalten hatte und durchspielen durfte, bleibt das Geheimnis von Trainer Thomas Schaaf.

„Heute hätte sich niemand beschweren können, wenn er ausgewechselt worden wäre“, sagte Sportchef Klaus Allofs und beschrieb damit ein weiteres Bremer Dilemma an diesem Abend: Es darf eben nur dreimal gewechselt werden. Das Trio, das hereinkam (Gebre Selassie, Füllkrug und Petersen) passte sich sofort dem schlechten Niveau der meisten Kollegen an – oder wie es Allofs ausdrückte: „Wir waren nicht bereit, so viel einzusetzen wie der Gegner.“

„Nicht zu entschuldigen“

Warum? Weil einige Werder-Profis – allen voran die Sportskameraden Elia und Arnautovic – wohl glauben, sie könnten alles mit ihrem Talent erledigen. Und weil sich einige andere Fehler erlaubten, die eines ambitionierten Bundesligisten unwürdig sind. Da hilft auch kein Welpenschutz, den die junge Truppe bislang genoss. „Unerfahrenheit entschuldigt nicht alles. Die Fehler heute sind nicht zu entschuldigen“, stellte Allofs klar. Der Clubchef war allerdings weit davon entfernt, nun auf diese Mannschaft einzudreschen. Überraschend unaufgeregt analysierte der 54-Jährige die durchaus prekäre Situation nach sieben Spieltagen mit nur sieben Punkten. „Natürlich gehen jetzt die Diskussionen los, ob wir alles richtig eingeschätzt haben“, sagte Allofs. Mit Worten sei dem jetzt nicht beizukommen. „Wir müssen schnell zeigen, dass das nur ein Ausrutscher war“, forderte der Ex-Profi.

Die Noten der Spieler

Die Noten: Werder Bremen - Augsburg

Die Sache hat nur einen Haken. Das nächste Bundesliga-Spiel findet erst in zwei Wochen gegen Borussia Mönchengladbach statt (20. Oktober/18.30 Uhr). Deshalb seufzte Allofs mit Blick auf die Länderspielpause und 14 fehlende Nationalspieler: „Das ist nun ein Schockzustand, den ich am liebsten sofort mit der Mannschaft aufgearbeitet hätte.“ Der erste Teil fand gestern Morgen statt. Schaaf konfrontierte das Team vor dem Auslaufen mit einer ersten Spielananalyse. Bis auf die Österreicher sowie dem Griechen Sokratis und dem Serben Aleksandar Ignjovski waren noch alle vor Ort.

In den nächsten Tagen müssen die Nicht-Internationalen dann allein in Bremen daran arbeiten, wie aus Argentinien wieder Werder wird. Wie Offensive und Defensive zu einer Einheit wachsen. Und wie jeder Spieler zum Teamplayer wird. Nur wenn das gelingt, kommt Schaafs Team wieder nach oben. Ansonsten droht eine weitere ganz unangenehme Saison mit Abstiegskampf pur – die Partie in Augsburg war ein erster Vorgeschmack.

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