Angst war gestern: Skripnik gibt sich vor dem DFB-Pokal-Halbfinale aufmüpfig

Warum kein Wunder? Werder mit Mut nach München

Werder-Trainer Viktor Skripnik (links) kann und wird heute in München wieder auf Innenverteidiger Papy Djilobodji (rechts) zurückgreifen. Auch Sambou Yatabare (Mitte) wird wohl spielen. - Foto: nph

Bremen - Ein Wunder in München? Ausgeschlossen, sagen die meisten. Warum nicht, sagt dagegen Viktor Skripnik und versprüht vor dem DFB-Pokal-Halbfinale des SV Werder bei Bayern München (heute, 20.30 Uhr) ungewohnt viel Optimismus. „Warum sollen wir nicht glauben, dass das Wunder passiert und Werder in München gewinnt?

Alles ist möglich im Fußball“, meint der Bremer Trainer, der sich vor der Herkulesaufgabe offenbar ein bisschen neu erfunden hat. Der Viktor Skripnik, den man bislang kannte, hat vor Spielen mit scheinbar übermächtigen Gegnern mutlos, mithin fatalistisch gewirkt – und hat dann auch prompt deutlich verloren. Wie vor fünf Wochen bei der 0:5-Punktspielpleite in der AllianzArena. Damals durften die Stammkräfte Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic Gelbsperren absitzen, Torjäger Claudio Pizarro nahm sich gegen seine Ex-Kollegen eine Auszeit. Doch diesmal gibt sich der Coach trotz der krassen Außenseiterrolle aufmüpfig. „Wir sind im Halbfinale eines sehr attraktiven Wettbewerbs. Wir werden mit starken Kräften angreifen.“

Das sollte wohl so etwas wie ein Versprechen sein, niemanden für das wichtige Nordderby am Freitag beim Hamburger SV zu schonen. Pizarro soll spielen, Fritz und Junuzovic auch. Zudem kehrt der in der Liga wegen seiner Kopf-ab-Geste zuletzt gesperrte Innenverteidiger Papy Djilobodji ins Team zurück. Skripnik: „Wir haben ihn geholt, damit er uns hilft. Nicht, damit er auf der Bank sitzt.“

Mit Bestbesetzung gegen die Bayern – Skripnik will es offenbar probieren. Es wäre auch unverständlich, wenn nicht. Denn in einem Halbfinale gibt es nur eine Chance – und dass das Finale in Berlin lockt, kann der zweifache Pokalgewinner Skripnik (1999, 2004) nicht leugnen: „Wir müssen einfach alles versuchen, um dorthin zu kommen.“

Werder-Kapitän Clemens Fritz war schon zwei Mal in Berlin dabei. Er gehörte zu jener Werder-Truppe, die den bis dato letzten Pokalsieg der Club-Historie errungen hatte. 2009 war das, 2010 folgte noch ein Finale, doch das ging mit 0:4 verloren. Gegen die Bayern. Nun von der Chance zur Revanche zu reden, geht Fritz zwar etwas weit, aber chancenlos sieht auch er die eigene Mannschaft nicht. „In nur einem Spiel kann man alles schaffen. Das Wichtige ist, dass der Glaube da ist“, sagt der 35-Jährige.

Dass eben dieser Glaube speziell gegen die Bayern zuletzt oft gefehlt hat – geschenkt. Aktuell zählt das nicht mehr. Aktuell zählt nur, eine Begeisterung für die Aufgabe zu entwickeln. Und möge sie noch so groß erscheinen. Fritz: „So ein Finale in Berlin ist ein tolles Erlebnis. Es lohnt sich, hart dafür zu kämpfen.“

Abschlusstraining von Werder vor dem Pokal-Halbfinale

Auf die Unterstützung der eigenen Fans kann Werder in jedem Fall wieder bauen. Knapp 8.000 Supporter begleiten die Mannschaft nach München – „das ist an einem Dienstag nicht selbstverständlich“, sagt Fritz anerkennend: „Ich hoffe, dass es für uns alle ein Genuss wird.“ Vielleicht mit dem ersten „Wunder von der Isar“ als Ergebnis – das wäre dann so etwas wie die kleine Schwester der „Wunder von der Weser“, von denen der SV Werder ja schon einige zur Welt gebracht hat. - csa/mr

Lesen Sie auch: - DFB-Pokal: Pizarro möchte alte Kollegen ärgern

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