Klaus-Dieter Fischer – Erinnerungen an viele schöne und schwere Momente / Als Willy Brandt ins Bett wollte . . .

Warum Günter Netzer kurzfristig absprang . . .

Eigentlich braucht Klaus-Dieter Fischer die Werder-Chronik nicht als Gedächtnisstütze. Mit seinen Erinnerungen aus 40 Werder-Jahren könnte er selbst Bücher füllen.

Werder-Bremen - BREMEN (flü) · Keine Frage, Klaus-Dieter Fische hat in seiner 40-jährigen Tätigkeit in leitender Position bei Werder Bremen viel erlebt. Höhen, Tiefen, Glück und Leid. An dieser Stelle berichtet der 69-Jährige über . . .

emotionale Momente

 „Der emotionalste Moment war im Mai 1999 – das erste Spiel unter Thomas Schaaf als Trainer. Wir haben gegen Schalke mit 1:0 gewonnen und damit den Abstieg verhindert. Es war eine Zeit, in der wir nach dem Weggang von Otto Rehhagel über Jahre verzweifelt von Trainer zu Trainer gesprungen sind. Zusammen mit der Mannschaft und Kapitän Dieter Eilts haben wir uns dann für Schaaf entschieden. Ich war immer dafür, dass Thomas es machen sollte. Und dann dieser Sieg. Nach dem Abpfiff hat Dieter Eilts uns von der Tribüne auf den Rasen geholt, damit wir zusammen feiern. Es war das einzige Mal, dass ich beim Fußball geweint habe.“

den besonderen Moment

„1988 haben wir im kleinen Kreis die Meisterschaft im Parkhotel gefeiert: Otto Rehhagel, Willi Lemke, Franz Böhmert, Ex-Bundeskanzler Willy Brandt und ich. Irgenwann erhob sich Brandt und sagte zu Rehhagel: ,Trainer, Sie erlauben doch, dass ich mich zurückziehe, ich bin müde‘. Das muss man sich mal vorstellen: Ein Nobelpreisträger fragt Otto Rehhagel, ob er ins Bett gehen darf . . .“

den schlimmsten Moment

 „Das war der Abstieg 1980. Ich hatte mir nie vorstellen können, dass Werder Bremen mal in die zweite Liga muss. Wir haben das aber schnell aufgefangen, weil wir unheimlich viel Rückendeckung aus dem Verein bekommen haben. ,Mensch, macht keinen Scheiß, macht weiter‘, wurde uns damals gesagt. Und das haben wir dann mit Erfolg getan.

Persönlich war für mich der schlimmste Moment der Tod von Franz Böhmert. Zwischen uns passte kein Blatt Papier. Er war als Präsident immer sehr ausgleichend. Ich dagegen bin immer vorgeprescht und musste auch mal eingefangen werden. Franz Böhmert war ein Mensch – viel zu gut für diese Welt.“

den schönsten Moment

„Das Double 2004, obwohl ich damals in einer schwierigen Situation war. Werder spielte in München, ich hatte in Grevenbroich an diesem Tag die Vorrunde zur deutschen Prellball-Meisterschaft zu spielen. Zum Glück war das vormittags. So bin ich dann um 12.00 Uhr nach München geflogen, habe dort den Titel gefeiert, bin dann zurück – und am nächsten Tag mit Werder auch noch Deutscher Prellball-Meister geworden.“

die schwerste Entscheidung

 „Das war die Entlassung von Trainer Wolfgang Weber in der Abstiegssaison 1979/80. Es hat menschlich unheimlich weh getan, denn wir hatten ein unglaublich positives Verhältnis. Wenn ich in Köln bin, treffe ich ,Bulle’ Weber heute noch ab und zu. Er ist Werder aber nicht mehr gram . . .“

die Glücksgriffe

 „Da gibt es zwei besondere. Es war ein Glücksgriff, dass ich Thomas Schaaf Mitte der 80er Jahre dazu bewogen habe, Jugendtrainer zu werden. Er wollte als Spieler eine Gehaltserhöhung. Und ich habe gesagt: Okay, kriegst du. Aber nur, wenn du nebenbei noch eine Jugendmannschaft trainierst. Das war Thomas’ Einstieg ins Trainergeschäft.

Ein weiterer Glücksgriff war die Verpflichtung von Manfred Müller als Schatzmeister. Er hat unheimlich viel für den Verein bewegt.“

den größten Fehlgriff

„Das war die Zusammenstellung der sogenannten Millionen-Elf 1971, obwohl die nur 700 000 Mark gekostet hat . . . Von der Grundidee her war es richtig, Topspieler zu kaufen, weil wir wussten, dass im Jahr darauf die Ablösesummen explodieren würden. Also haben wir alles zusammengekauft. Allerdings die falschen Spieler von den falschen Leuten. Wenn ich daran denke, dass wir einen Paul Breitner und einen Uli Hoeneß hätten bekommen können, unser damaliger Geschäftsführer Hans Wolff die aber nicht wollte . . . Auf der anderen Seite waren wir uns mit einem Spieler namens Günter Netzer schon einig. Er spielte in Gladbach und betreute nebenbei die Stadionzeitung ,Fohlenecho‘. Netzer wollte für uns spielen, allerdings dann auch für unser Werder-Magazin verantwortlich sein. Doch die Leitung des Magazins hatten wir gerade unserem ehemaligen Spieler Klaus Matischak übertragen. Und diese Entscheidung wollte ich nicht rückgängig machen. Also ist Netzer nicht zu uns gekommen – sondern ein Jahr später für eine Riesenablöse nach Spanien zu Real Madrid gegangen.“

den härtesten Kompromiss

„Als Dixie Dörner damals einen Co-Trainer haben wollte, war ich für Thomas Schaaf. Doch Dörner wollte ihn nicht, weil Thomas angeblich noch zu dicht an der Mannschaft gewesen sei. Dörner wollte Wolfgang Sidka. Ich war damit nicht einverstanden, habe die Lösung schließlich aber doch toleriert.“

die schwierigste Situation

„Als Rehhagel 1995 plötzlich gekündigt hatte. Wir waren schwankend: Was machen wir? Sind wir mutig, machen einen Neuanfang und holen einen jungen Trainer? Oder holen wir einen erfahrenen? Leider haben wir uns für Aad de Mos entschieden. Fraglos ein guter Trainer, aber menschlich sind die Mannschaft und später auch wir mit ihm nicht klargekommen.“

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