Mannschaft lässt Trainer wieder im Stich / Allofs: „Noch keine Signale“

Wann tritt Schaaf zurück?

Langes Gespräch gestern auf dem Trainingsplatz: Sportchef Klaus Allofs (re.) und Trainer Thomas Schaaf.

Werder-Bremen - Von Arne Flügge · Wenn Klaus Allofs nach einer Niederlage von Werder Bremen am nächsten Morgen am Weserstadion vorfährt, droht den Spielern meist eine deftige Kopfwäsche. Doch gestern ließ der Bremer Sportchef die Versager von Köln zunächst in Ruhe.

„Ich habe auf einen Anschiss verzichtet. Manchmal muss man das Unerwartete tun, um eine größere Wirkung zu erzielen“, sagte der 54-Jährige. Das war die offizielle Lesart. Denn hinter verschlossenen Türen, so erfuhr diese Zeitung, wurde später doch noch Tacheles geredet. Sportchef und Trainer Thomas Schaaf knöpften sich die Spieler bis in die frühen Nachmittagsstunden vor. Es war bereits die siebte Krisensitzung in dieser Saison – und nach der erbärmlichen Leistung beim 0:3 in Köln wird es wohl nicht die letzte gewesen sein.

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Dabei hatten der Last-Minute-Sieg gegen Hoffenheim und die gute Trainingswoche allen Anlass zu Zuversicht gegeben. Doch wieder einmal musste Allofs später konstatieren: „Das war grausam. Das war ein riesiger Rückschlag. Wir waren von der ersten Minute an nicht im Bilde.“

Eine Tatsache, die vor allem Thomas Schaaf bis ins Mark traf. Was hatte der Bremer Trainer in den letzten Wochen nicht alles versucht, um seiner ertrinkenden Mannschaft den Rettungsring zuzuwerfen. Doch wieder einmal ließen die Profis ihren Übungsleiter im Stich. Der 49-Jährige wirkte nach dem Abpfiff angeschlagen wie ein schwer getroffener Boxer. Er sei nicht nur enttäuscht, sondern „auch deprimiert. Da war kein Widerstand, kein Wehren, kein Aufbäumen. Das war ernüchternd. Das ist für mich nicht nachvollziehbar“, klagte Schaaf. Und Allofs ergänzte: „Diese Mannschaft ist mir ein Rätsel.“

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Und so langsam stellt sich die Frage: Wie lange tut sich Schaaf das noch an? Wann hat er die Nase voll und tritt zurück? „Wenn diese Signale kommen, werden wir uns in letzter Konsequenz damit beschäftigen“, sagte Allofs. Doch diese Signale vom Trainer seien noch nicht gekommen, „und ich erwarte sie auch nicht“. Und seitens der Geschäftsführung gibt es ebenfalls keine Überlegungen, sich trotz der weiter anhaltenden Krise von Schaaf zu trennen. „Wir entlassen keinen Trainer, um dadurch vielleicht für ein, zwei Wochen einen psychologischen Aspekt zu haben“, stellte Allofs klar: „Diesen Fehler haben andere Vereine schon gemacht, wir werden ihn nicht machen.“ Bei Schaaf sieht Allofs weiterhin „den absoluten Willen“, die Mannschaft aus der Krise herauszuführen, „und daher gibt es für mich weiterhin keinen besseren Trainer für Werder Bremen“.

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Öffentlich hat Schaaf bislang noch nicht eingeräumt, die Faxen dicke zu haben. Doch der 49-Jährige scheint sich langsam gedanklich damit zu beschäftigen, ob ihm die Spieler überhaupt noch folgen wollen und ob es – zum Wohle Werder Bremens – nicht irgendwann sinnvoller ist, den Weg frei zu machen; für eine neue Mannschaft und einen neuen Trainer. Immerhin sind Schaafs Worte, gesprochen während der Pressekonferenz in Köln, in diese Richtung zu deuten. „Es geht nicht um meine Person“, erklärte Schaaf: „Wir haben Fans und Freunde, die wir über Jahre gewonnen haben, enttäuscht. Es geht darum, dass Werder Bremen wieder das darstellt, wofür es steht. Ob ich das bin, der die Mannschaft dort wieder hinführt, oder ein anderer, das ist nicht wichtig. Hauptsache, wir kommen wieder dahin.“

Von einem Rücktritt Schaafs will Allofs freilich nichts wissen. Er sieht das Problem ohnehin „nicht beim Trainer, sondern bei der Mannschaft. Sie ist einfach nicht in der Lage, die Forderungen Woche für Woche umzusetzen.“

Das, so Kapitän Torsten Frings, „ist und bleibt ein Einstellungsproblem“. Und Rechtsverteidiger Clemens Fritz räumte ein: „Es liegt nicht am Trainer, es liegt an uns allein, und wir haben uns unter aller Sau präsentiert.“

Es ist nicht das erste Mal, dass die Spieler nach einem Debakel Einsicht zeigen, um die dann auf dem Platz gleich wieder zu vergessen. Und ob es noch in der Winterpause verpflichtete Neuzugänge richten können, scheint fraglich. Denn echte Hilfen sind zu teuer für Werder. „Vielleicht noch eine Ergänzung“, sagte Allofs und ließ knallharte Sätze folgen: „Wir tun neuen Spielern im Moment vermutlich auch keinen Gefallen damit, sie in diese Mannschaft zu stecken. Der Schlüssel zum Erfolg sind die Spieler, die da sind. Und die müssen begreifen, dass es nur noch über den Kampf geht. Für guten Fußball sind wir im Moment ohnehin nicht reif genug.“

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