Nur DFB guckt in die Röhre

Wanderer zwischen Welten: „Koby“ hat nichts dagegen

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Nichts läge Martin Kobylanski (rechts) ferner, als die Großen wie hier Sebastian Prödl aus der Startelf zu verdrängen. Der Jung-Profi stellt keine Ansprüche, sondern genießt erstmal das „Lernen bei den Besten der Besten“ – und freut sich über jeden Einsatz.

Bremen - Martin Kobylanski ist Werders Wanderer zwischen den Welten. Doch steten Wandel ist der 19-Jährige längst gewohnt. In der U 15 spielte er für Polens Nationalelf, in der U 16 und U 18 für Deutschland, nun, in der U 19, wieder mit dem polnischen Adler auf der Brust.

Auch bei Werder pendelt der Jung-Profi gern mal hin und her, zwischen Profikader und U 23. Als Schritt zurück sieht er dies nicht. „Es ist wichtig für mich, 90 Minuten Spielpraxis zu bekommen“, sagt der Stürmer über seinen großen Vorteil in der Regionalliga. Doch auch mit seiner bisherigen Rückrunde in der Bundesliga „bin ich echt zufrieden: Zuletzt durfte ich drei Mal in Folge rein – das ist gut für mich!“

Chefcoach Robin Dutt dürfte diese positive Einstellung gefallen. „Vielleicht“, schätzt „Koby“, „ist es auch das, was der Trainer von mir will: Ich gehe unbekümmert an die Sache heran.“ Eben diese Unbekümmertheit verleitete ihn jedoch auch mal zu falschen Entscheidungen, gibt der Offensivmann zu: „Ich suche die Abschlüsse, will aufs Tor schießen – denn wenn man‘s nicht versucht, weiß man nicht, was sonst rausgekommen wäre. Aber manchmal hätte ich vielleicht besser nicht so früh abschließen sollen…“

Umso erleichterter ist er im Nachhinein, dass er am Samstag kurz vor Schluss des Heimspiels gegen Mönchengladbach nicht den Freistoß treten durfte – immerhin ging es mit dem Super-Tor von Ludovic Obraniak zum 1:1 gut aus. „In der Nationalmannschaft und der U 23 bin ich für solche Bälle vorgesehen. Also habe ich ,Ludo‘ gefragt, ob er sich sicher fühlt – aber schnell gemerkt, dass er den reinhaut“, grinst Kobylanski: „Das hat mich riesig gefreut für ihn, für uns und das Publikum. Vielleicht hätte ich den ja nicht reingemacht“ – näher will sich das der Angreifer gar nicht ausmalen.

Denn der gebürtige Berliner, seit Sommer 2012 an der Weser und vor knapp sechs Wochen mit seinem ersten Profi-Vertrag ausgestattet, will die Krise gar nicht beschönigen. In den Telefonaten mit seinem Vater Andrzej Kobylanski drehen sich die Gespräche oft um dieses Thema: „Papa ist ja auch zwischen erster und zweiter Liga gependelt und kennt Abstiegskampf. Wir haben viel drüber geredet – aber er hat gesagt, dass wir ruhig bleiben und an die zweite Halbzeit gegen Gladbach anknüpfen sollen“, erzählt „Koby“: „Dann hoffe ich, dass wir Sonntag was aus Frankfurt mitnehmen – am besten drei Punkte.“

Und am allerbesten mit Kobylanski im Team! Doch der 19-Jährige, seit seinem Startelf-Debüt im September gegen den HSV fünf Mal von Robin Dutt eingewechselt, stellt keine großen Ansprüche: „Ich freue mich über jeden Einsatz – ob für zehn oder 20 Minuten. Man lernt immer dazu. Und es hilft, Woche für Woche mit den Profis zu trainieren und sich bei den Besten der Besten was abzugucken.“

Prödl und Junuzovic wieder im Training

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Nach diesen Einheiten schiebt der Stürmer meistens Sonderschichten mit Freistößen und Abschlüssen. Schließlich will er es bald wieder klingeln lassen – ob in der Regionalliga, wo er in acht Einsätzen schon neun Mal traf, oder mit seinem Debüt-Tor in der Bundesliga. Diesbezüglich könne er sich von seinem Vater allerdings keinen Rat einholen, frotzelt Kobylanski Junior: „So viele Tore hat der nicht geschossen!“

Immerhin erhörte ihn der Sohn, als es um seine internationale Zukunft ging: Wenn überhaupt, „gibt es einen Kobylanski jetzt nur noch im polnischen Trikot. Diese Entscheidung habe ich gefällt, dazu stehe ich – und darüber hat Papa sich wohl mehr gefreut, als wenn ich mich für Deutschland entschieden hätte.“ Also kennt das Wandeln und Pendeln auch für Martin Kobylanski mal Grenzen. · ck

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