Aus für Werder: 4:4 gegen FC Valencia  in einem total verrückten Spiel / Villas Abseitstor entscheidet

Ein Wahnsinn ohne Wunder

Was Naldo und Co. auch versuchten, dieser David Villa traf trotzdem drei Mal ins Schwarze.

Von Carsten Sander und Arne Flügge · Dieses Spiel war elektrisierend. Dieses Spiel war dramatisch. Dieses Spiel war der pure Fußball-Wahnsinn. Aber: Dieses Spiel war für Werder Bremen am Ende überhaupt nichts wert.

Mit einem 4:4 (1:3) gegen den FC Valencia schied der Bundesligist gestern Abend im Achtelfinale der Europa League aus. Der Traum vom erneuten Einzug ins Finale scheiterte nach dem 1:1 im Hinspiel an der Auswärtstorregel. Das Bitterste daran und die tragische Ungerechtigkeit: Der letztlich entscheidende Treffer von David Villa (65.) fiel aus Abseitsposition.

Die Bilder vom Spiel

Werder Bremen - FC Valencia

Aber das dritte Tor des Stürmerstars war es nicht allein, das die Partie zu einer denkwürdigen Begegnung machte. Beide Teams boten den nur 24  200 Zuschauern begeisternden Offensivfußball – und haarsträubende Abwehrleistungen. Das führte zu einem ständigen Auf und Ab, zu einem Durchleben von Enttäuschung und Hoffnung. Quasi im Minutentakt schnellte der Adrenalinspiegel eines jeden im Stadion in Rekordhöhen. Auch bei Valencia-Coach Unai Emery. „Ich wusste, dass es ein verrücktes Spiel werden würde. Aber so verrückt – nein, das konnte niemand erwarten“, schnaufte er später.

Der fußballerische Ausnahmezustand nahm schon nach einer Minute und 58 Sekunden seinen Anfang. Villa vollendete den ersten Angriff Valencias mit dem 1:0. Schon in diesem Moment war das Resultat des Hinspiels nicht mehr viel wert. Und als Juan Mata nach einer Viertelstunde das 2:0 nachlegte, war eigentlich schon alles gelaufen für die Bremer, die nun drei Tore schießen mussten, um die nächste Runde zu erreichen.

Drei Tore – das erschien jedoch keineswegs unmöglich. Denn zwischen den Treffern des Gegners hatte sich Werder drei Großchancen erspielt. Und als Werder-Coach Thomas Schaaf mit der frühen Einwechslung von Stürmer Hugo Almeida das Signal zur totalen Offensive gab, ging’s richtig los.

Nur fünf Minuten war Almeida auf dem Platz, als er eine Vorlage von Claudio Pizarro zum Anschlusstreffer ins Tor lenkte (26.). Werder drückte, Werder drängte, Werder riss Lücken in die wenig stabile Abwehrreihe

nSchaaf: „Müssen

nsauer auf uns sein“

des Gegners – aber das nächste Tor gelang erneut Villa. Am Elfmeterpunkt sträflich allein gelassen und vom nur zuguckenden Özil nicht gestört, stellte er die Weichen für sein Team auf Viertelfinaleinzug (45.). Die Vorlage hatte – wie bei den ersten beiden Treffern – David Silva gegeben.

Villa, Silva, Mata – dieses Trio hatte die Bremer Defensive dermaßen durcheinandergewirbelt, dass zur Pause schon alles verloren schien. Während Valencia-Coach Unai Emery später seine Offensive lobte („Wir waren vorne sehr wirkungsvoll, und Villa ist ein einzigartiger Stürmer“), schnaubte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs bereits in der Halbzeit angesichts der Defensivleistung seiner Mannschaft vor Wut. „Das war naiv, so kann man nicht verteidigen“, schimpfte er über die Freiräume, die den Spaniern gewährt worden waren.

Doch schon mit der Rückkehr aus der Kabine demonstrierten die Bremer den Willen, es in den zweiten 45 Minuten nicht nur besser machen zu wollen, sondern das im Grunde verlorene Spiel zu drehen. Minuten vor dem FC Valencia standen elf Grün-Weiße auf dem Platz, bereit dem Mythos von den Wundern an der Weser ein neues Kapitel zuzufügen. So spielte und stürmte Werder dann auch. Chancen, Chancen, Chancen – bis ein Elfmeter von Torsten Frings (Marko Marin war von Jordi Alba umgerissen worden) das 2:3 brachte (57.). Als dann fünf Minuten später Marin mit einem leicht abgefälschten Schuss aufs kurze Eck zum 3:3 traf, war alles wieder offen. Das Stadion kochte, und Werder hatte den gewünschten Hexenkessel. Ein Tor noch . . .

Doch es fiel auf der falschen Seite. Ein Konter, das Abseitstor von Villa – 25 Minuten vor dem Ende waren es wieder zwei Treffer, die zum Viertelfinale fehlten. Der finale Sturmlauf brachte ausreichend Chancen, das Unmögliche möglich zu machen. Aber nur der Flugkopfball von Claudio Pizarro (84.) landete noch im Netz. Der Rest waren nervenraubende Verzögerungsaktionen des FC Valencia und ein Schlusspfiff, der enttäuschte Bremer wie ein Faustschlag zu Boden streckte.

Die Zuschauer klatschten trotzdem, Thomas Schaaf nicht. Raus mit Applaus – das gibt’s bei ihm nicht. Sein zerknirscht vorgebrachtes Fazit: „Zum Fußball gehört es, Tore zu verhindern und Chancen zu nutzen. Beidem sind wir nicht gerecht geworden. Wir sind raus, darüber bin ich sehr unglücklich, das war unnötig. Wir müssen sauer auf uns sein.“

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