3:1 - Werder kann Abstiegskampf

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Vier Tore in drei Spielen: Sandro Wagner trifft momentan wie er will.

Nürnberg - Von Björn Knips - Das Abstiegsgespenst muss sich ein anderes Zuhause suchen: Werder Bremen hat gestern mit dem 3:1 (1:1)-Erfolg beim 1. FC Nürnberg bewiesen, dass die in den vergangenen Jahren so erfolgsverwöhnten Hanseaten auch Abstiegskampf können.

Der Sieg bei der bis dato besten Rückrundenmannschaft war hochverdient, weil Werder leidenschaftlich kämpfte, taktisch diszipliniert agierte und phasenweise auch spielerisch überzeugte. Quasi als Belohnung sprang Werder auf Platz zwölf der Tabelle und hat nun vier Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Die Bilder vom Spiel

Zweiter Auswärtssieg in Serie

Mann des Tages war Sandro Wagner, der zweimal vom Elfmeterpunkt eiskalt vollstreckte (27. und 89.). Der ebenfalls starke Claudio Pizarro steuerte den dritten Bremer Treffer bei (50.). Für die enttäuschenden Nürnberger war nur Ilkay Gündogan zum zwischenzeitlichen 1:1 (30.) erfolgreich. „Das ist heute Freude pur“, jubelte Tim Borowski nach der Partie, und Teamkollege Torsten Frings schwärmte: „So richtig Angst hatte ich heute nie, weil wir super verteidigt und bombenfest gestanden haben.“

Ganz leise hatte es im mit 48 548 Zuschauern ausverkauften Easycredit-Stadion begonnen: Bemerkenswert still war’s bei der Schweigeminute für die Opfer der Naturkatastrophe in Japan. Und das schien die Akteure ein wenig zu hemmen. Erst Claudio Pizarro löste mit einem Fernschuss die Beklemmung und gab das Signal zur Attacke (12.). Aber Club-Keeper Raphael Schäfer war dabei genauso auf dem Posten wie anschließend bei einer Freistoß-Hereingabe von Torsten Frings (14.) und einem Kopfball von Sandro Wagner (15.).

Werder jubelt über den Dreier

So schön jubelt Werder über den Sieg

Werder spielte gut. Vergessen war der nervöse Beginn speziell von Clemens Fritz und Petri Pasanen, der den verletzten Sebastian Prödl in der Innenverteidigung vertrat. Und in der 27. Minute wurde dann auch gejubelt: Nachdem Philipp Wollscheid bei Pizarro Hand angelegt hatte, entschied Schiedsrichter Michael Weiner nach einem Hinweis seines Assistenten zurecht auf Strafstoß, den Wagner sicher verwandelte. Warum eigentlich Wagner? Der hatte noch nie in der Bundesliga einen Strafstoß geschossen. „Ich habe mich gut gefühlt und Claudio Pizarro gefragt, ob ich schießen darf“, berichtete Wagner, der zum dritten Mal in Folge Werders 1:0 erzielte. Und Pizarro erklärte: „Ich habe in Sandros Augen geschaut und das Selbstvertrauen gesehen. Da habe ich ihm den Ball gegeben.“ Was für eine schöne Elfer-Geschichte – allerdings nur aus Bremer Sicht. Die Gastgeber fühlten sich verschaukelt. Die Stimmung auf den Rängen wurde noch aggressiver, nachdem bereits Frings nach nur wenigen Minuten wegen eines Foulspiels zum Buhmann avanciert war. „Die können mich ruhig auspfeifen. Für uns geht’s hier um alles, da nehme ich das gerne in Kauf“, frotzelte der Kapitän.

Werder behielt im Hexenkessel von Nürnberg kühlen Kopf – selbst nach dem schnellen und äußerst unglücklichen Ausgleich. Tim Borowski und Per Mertesacker fälschten quasi wie in einem Flipper-Automaten gleich doppelt einen Gündogan-Schuss unhaltbar für Tim Wiese ab (30.). Doch diesem Pech folgte in der 50. Minute ein ähnliches Glück: Pizarro schoss sich erst selbst an – und dann prallte die Kugel von Wolfs linker Hand ins Netz. Werder führte wieder, und verteidigte diesen Vorsprung so geschickt wie selten zuvor. Nürnberg kam lediglich noch zu einer Chance durch Rubin Rafael Okotie, dessen Versuch Wiese ans Außennetz lenkte (69.). Kurz darauf sah Timothy Chandler nach einer Attacke gegen Borowski Gelb-Rot, eine harte Entscheidung (72.), die den Gastgebern den letzten Nerv raubte.

Der Ärger der Nürnberger, die so sehr von einem Platz im internationalen Geschäft träumen, sollte noch größer werden. Nach einem schlitzohrigen Faller von Pizarro im Zweikampf mit Schäfer, gab’s erneut Strafstoß. Der FCN-Keeper tobte, beschimpfte den Bremer. „Der Schäfer war ein bisschen durcheinander“, lächelte der Peruaner: „Er hat mich aufgefordert, dem Schiri zu sagen, dass da nichts war. Aber der Schiri hat mich nicht gefragt . . .“ Ja, ja dieser Pizarro, der ist schon ziemlich abgebrüht – und leider für das nächste Spiel in zwei Wochen wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Zum Glück ist Wagner in toller Form. Genauso wie den ersten Strafstoß verwandelte der Stürmer auch den zweiten sicher. Doch zu sehr wollte er sich dafür nicht feiern lassen, dachte lieber ans Team. „Wir haben spätestens heute erlebt, dass wir den Abstiegskampf voll annehmen“, verkündete Wagner, mahnte aber auch, wie übrigens alle Bremer: „Das waren nur drei Punkte, wir müssen weiter punkten. Noch sind wir da unten nicht raus.“

1. FC Nürnberg - Werder Bremen 1:3 (1:1)

1. FC Nürnberg: Schäfer - Chandler, Wollscheid, Wolf, Pinola - Simons - Hegeler (54. Mak), Gündogan, Cohen (65. Okotie), Ekici (87. Nilsson) - Eigler

Werder Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Pasanen, Silvestre - Frings - Borowski, Wesley (62. Schmidt) - Marin - Pizarro (90.+2 Avdic), Wagner (90. Hunt)

Schiedsrichter: Weiner (Giesen)

Zuschauer: 48 548 (ausverkauft)

Tore: 0:1 Wagner (27./Foulelfmeter), 1:1 Gündogan (30.), 1:2 Pizarro (50.), 1:3 Wagner (89./Foulelfmeter)

Gelbe Karten: Eigler (1), Pinola (5), Schäfer (4) / Frings (6), Pasanen (4), Pizarro (5)

Gelb-Rote Karten: Chandler (72./wiederholtes Foulspiel) / -

Beste Spieler: Schäfer / Frings, Pizarro

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