Schaaf macht seinem Stürmer Mut / „Ich habe gelernt, die Kritik anzunehmen“

Wagner kraxelt langsam aus dem tiefen Loch

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Bremen - Von Arne Flügge · Es ist vier Wochen her, als Sandro Wagner nach lustlosen Trainingsauftritten regelrecht zusammengestaucht wurde. Auf dem Trainingsplatz lautstark von Coach Thomas Schaaf, abseits des Grüns von Co-Trainer Wolfgang Rolff. „Gas geben oder Verein wechseln“, hatte der Ex-Nationalspieler dem jungen Bremer Stürmer ins Poesiealbum geschrieben.

Wagner würde sich nicht genug einbringen, sich nicht mit seiner schwierigen Situation als Stürmer Nummer drei oder vier auseinandersetzen. Er würde sich hängen lassen, nicht fighten, lauteten die Vorwürfe. Kurzum: Ihm fehle die Bundesligatauglichkeit.

Diese heftige Kritik scheint gefruchtet zu haben. Wagner ist mittlerweile im Training wesentlich präsenter, einsatzfreudiger. Seine Leistungen haben sich verbessert, was am vergangenen Sonntag mit einem Platz in der Startelf belohnt wurde. „Ich denke schon, dass sich Sandro so seine Gedanken gemacht hat. Er ist aktiver geworden“, sagt Schaaf heute.

Das Training am Donnerstag

Training ohne Hunt und Schmidt

Das Lob des Trainers freut den 23-Jährigen natürlich – und er gibt es gleich zurück. „Ich hatte ein super Gespräch mit Thomas Schaaf. Das hat mir sehr viel neues Selbstvertrauen gegeben. Er hat mir gesagt, was ich verändern muss. Es waren viele Kleinigkeiten, und ich bin dabei, das zu beherzigen“, erklärt Wagner: „Ich bin froh, dass er mir gegen Leverkusen die Chance gegeben hat.“

▪ Image als

▪ „Chancentod“

Wagner war vor seiner sportlichen Krise sehr selbstbewusst gewesen. Was aber mehr als Selbstüberschätzung interpretiert werden durfte. „Es gibt in der Bundesliga nicht viele Stürmer wie mich“, hat er einmal gesagt, doch den großen Worten nie Taten folgen lassen. Das nervte die sportliche Leitung gewaltig, sie sah sich gezwungen, ihren Stürmer zu erden.

Und der Erfolg scheint sich langsam einzustellen. Nach seinem totalen Absturz ins Leistungsloch ist Wagner nun dabei, die wiedergewonnene Motivation in die richtigen Bahnen zu lenken: weg vom Ich-bin-der-Größte-Gehabe – hin zum Teamplayer. „Ich bin nur noch auf Fußball fokussiert, auf meine Arbeit, meine Aufgabe für die Mannschaft“, beteuert der U 21-Europameister.

Nun ist es freilich nicht so, dass Sandro Wagner plötzlich in Galaform wäre und alles an die Wand spielt, der große Retter im Abstiegskampf ist. Technisch ist und bleibt der Angreifer durchaus limitiert. Er deutet seine Qualitäten zwar an, oftmals aber bleibt es noch bei einem gut gemeinten Versuch. Aber zumindest wirft er jetzt seinen Einsatz in die Waagschale, hat sich wieder auf die Selbstverständlichkeiten des Fußballs besonnen. „Ich muss rackern, rackern, rackern“, hat der Stürmer erkannt: „Ich muss versuchen, Räume zu schaffen, für die Mannschaft zu arbeiten.“

Sicher, und das ist auch wichtig. Aber ein Stürmer wird auch oder vor allem an Toren gemessen. Und da kann Sandro Wagner in dieser Saison noch gar nichts aufweisen. 15 Bundesligaeinsätze – null Tore. Wagner haftet mittlerweile sogar das Etikett „Chancentod“ an. Auch gegen Leverkusen vergab er wieder eine Riesenmöglichkeit per Kopf. „Ich hoffe sehr, dass ich jetzt endlich auch mal das Tor mache. Und ich bin mir sicher: Wenn ich treffe, dann läuft es auch noch besser für mich.“

Die Kritik der vergangenen Wochen hatte sich Wagner sehr zu Herzen genommen. „Es ist natürlich nicht schön, so etwas zu hören. Doch ich habe gelernt, die Kritik anzunehmen, mich damit auseinanderzusetzen. Dann geht man noch gestärkter daraus hervor“, hat der Angreifer erkannt, dass der Rückzug ins Schneckenhaus oder in den Schmollwinkel keine Lösung ist: „Ich hatte eine schwierige Phase, habe mich nicht gut gefühlt, und meine Leistung stimmte auch nicht. Dann ist es doch normal, wenn man in ein Loch fällt.“ Und da kraxelt Sandro Wagner gerade Stück für Stück heraus.

In dieser Woche trainierte der Stürmer wieder an der Seite von Claudio Pizarro. Ein Indiz dafür, dass Wagner auch am Sonntag (15.30 Uhr) im Auswärtsspiel beim SC Freiburg wieder in der Startelf stehen wird. „Das würde mich freuen. Und ich werde versuchen, das Vertrauen zurückzuzahlen“, verspricht er.

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