Mittelfeldspieler bei Werder vor ungewisser Zukunft / „Kaum Chancen bekommen“

Vranjes: „Berlin, das war für mich ein Stich ins Herz“

Werder-Bremen - BREMEN (Eig. Ber.) n Klaus Allofs ist unzufrieden mit Jurica Vranjes. Der Mittelfeldspieler habe keine gute und am Ende sogar eine schlechte Saison gespielt, sagte der Werder-Sportchef unlängst. Und: Es werde für Vranjes in der nächsten Spielzeit sicher nicht leichter. Die Kritik der sportlichen Leitung ist freilich bis in Vranjes’ Urlaubsort nach Kroatien vorgedrungen. Doch eine Retourkutsche gibt’s vom 28-Jährigen nicht. „Ich habe keinen Bock, so etwas über Zeitungen auszutragen“, sagt Vranjes: „Probleme löst man Auge in Auge.“

Nur sei das noch immer nicht geschehen. Und daher macht der Kroate aus seinem Frust, den er seit Monaten schiebt, auch keinen Hehl. „Ich bin enttäuscht darüber, wie das zuletzt abgelaufen ist. Das war nicht korrekt“, behauptet Vranjes.

Konkurrenten wie Peter Niemeyer oder auch Alexandros Tziolis sind an ihm vorbeigezogen. Vranjes (Vertrag bis 2011) spielte in den Planungen von Trainer Thomas Schaaf keine oder nur noch eine untergeordnete Rolle. „Ich bin seit vier Jahren in Bremen, habe immer gezeigt, dass man auf mich zählen kann.“ Und obwohl die Bremer in den letzten Monaten fast alle drei Tage ein Spiel hatten, wurde der Kroate nicht berücksichtigt. „Bei allem Respekt: Da habe ich den Fußball nicht mehr verstanden“, klagt Vranjes.

Während andere Spieler, wie Tziolis, trotz schwacher Leistungen immer wieder aufgestellt wurden, ging der Kelch an Vranjes stets vorüber. Auf seine Konkurrenten ist er deswegen nicht böse. „Ich hätte mir nur von oben ein wenig mehr die Rückendeckung gewünscht, die ich brauche. Wie soll ich mich zeigen, wenn ich keine Chance bekomme?“, fragt sich der Mittelfeldspieler.

Vranjes räumt ein, zu Beginn der Saison einen Durchhänger gehabt zu haben. „Da habe ich nicht gut trainiert. Das weiß ich. Doch in letzter Zeit lief es wesentlich besser.“ Umso unverständlicher für ihn, dass er keine Berücksichtigung fand.

Wochenlang hat er den Frust in sich hineingefressen. „Ich bin ein unkomplizierter Typ, keiner, der Probleme macht. Andere an meiner Stelle wären doch schon längst explodiert“, vermutet Vranjes. Das habe ihm, dem Musterprofi, seine Loyalität zum Club verboten. Zur Attacke will er auch jetzt nicht blasen, „Doch irgendwann kommt ein Punkt, an dem du dir einfach ein bisschen Luft verschaffen musst, damit du nicht kaputt gehst.“

nAnfragen von Clubs

nliegen bereits vor

Denn die vergangenen Wochen und Monate seien nicht leicht für ihn gewesen. Eine Zeit zwischen Enttäuschung und Resignation. Manchmal sei er überrascht gewesen, „manchmal hat mich auch schon gar nichts mehr gewundert.“

Doch eines hat Vranjes tief getroffen: dass er im DFB-Pokalfinale gegen Leverkusen nicht einmal im Kader war. „Berlin, das war für mich ein Stich ins Herz“, sagt Vranjes, „wenn du so lange in dem Verein und dann nicht bei so einem Highlight dabei bist, tut das schon verdammt weh. Ich war sehr traurig. Ich wäre in diesem Moment so gern ein Teil der Mannschaft gewesen.“

War er aber nicht – und wird es auch künftig vermutlich kaum sein. Denn die Chancen, dass Jurica Vranjes bei Werder noch wieder Fuß fassen wird, dürften gering sein. Allofs’ Kritik war unmissverständlich.

Und noch einmal dürfte sich Vranjes nicht klaglos in die Rolle des Tribünengastes fügen. „Ich werde pünktlich zum Trainingsauftakt am 2. Juli da sein und Gas geben. Wenn es aber in der Vorbereitung einen Punkt gibt, an dem es nicht mehr weitergeht, muss ich mir natürlich Gedanken machen, ob es nicht für alle das Beste ist, wenn ich mich nach einem anderen Club umschaue“, kündigt der ehemalige kroatische Nationalspieler an.

Schließlich sei er Profi, „und als solcher will ich spielen. Ich gebe mich nicht nur damit zufrieden, dass monatlich mein Gehalt überwiesen wird“, erklärt Vranjes. Anfragen anderer Clubs hat er bereits. „Aber nichts Konkretes“, sagt er. Das könnte sich bald ändern . . .

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