Bremens Offensive ist klar besser drauf als Hamburgs

Vorteil Werder im „Keller-Knüller“

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Freitagabend geht's zur Sache im Nordderby zwischen dem HSV und Werder. Das Hinspiel gewannen die Hamburger mit Nicolai Müller (rechts) gegen Jannik Vestergaard (links) und seine Bremer mit 3:1.

Bremen/Hamburg - Von Björn Knips und Malte Rehnert. Freitagabend 20.30 Uhr, Volksparkstadion, Flutlicht – und auf dem Rasen zwei Mannschaften, die um ihren Verbleib in der 1. Bundesliga kämpfen. Es wird krachen im 104. Nordderby!

Der Hamburger SV (Platz zwölf) ist wieder in gefährliche Regionen gerutscht – dort hält sich Werder Bremen (16.) schon seit Monaten auf. Vom „Keller-Knüller“ ist geschrieben worden. Oder vom „Notderby“. Wer mehr zittert und wer wo Vorteile hat, zeigt der Vergleich der Erzrivalen.

Torwart

Durch die Sperre von HSV-Stammkeeper Rene Adler (Rote Karte in Dortmund) scheint Werder im Vorteil – doch Vorsicht: Ersatzmann Jaroslav Drobny ist nicht nur extrem erfahren, sondern hat auch beste Statistiken. Sechs Mal stand der 36-jährige Tscheche in dieser Saison in der HSV-Startelf, drei Mal dabei die Null. Davon kann Felix Wiedwald nur träumen. Einen Ball musste er bislang mindestens pro Spiel aus dem Netz holen. Dafür ist der 26-Jährige im Rhythmus, Drobnys letzter Einsatz von Beginn an liegt dagegen fünf Monate zurück. Trotzdem findet HSV-Coach Bruno Labbadia: „Drobo passt zum Derby, er ist ein abgewichster Hund.“ HSV - Werder: 0,5:0,5 

Abwehr

Die Hamburger haben fast 20 Gegentore weniger als Werder (43:61) – auch ein Verdienst des routinierten Innenverteidiger-Duos Johan Djourou (29) und Emir Spahic (35). Kapitän Djourou kehrt nach überstandener Viruserkrankung und mehrwöchiger Pause in die Startelf zurück. Matthias Ostrzolek (links) und Gotoku Sakai (rechts/ vermutlich statt Dennis Diekmeier) sind solide, aber ungefährliche Arbeiter – beide kein Tor und eine Vorlage.

Werder ist in der Zentrale deutlich jünger: Papy Djilobodji (27) gibt nach Sperre sein Bundesliga-Comeback und rückt an die Seite von Jannik Vestergaard (23). Rechts verteidigt Theodor Gebre Selassie, links könnte erneut Janek Sternberg statt des zuletzt schwachen Santiago Garcia beginnen. Insgesamt wirkte die Bremer Abwehr selten sattelfest – die Fehlerzahl ist zu hoch. HSV - Werder 1:0 

Mittelfeld

Mit seinem mittleren Mannschaftsteil ist Skripnik aktuell extrem zufrieden. Zlatko Junuzovic(„wieder der Alte“), Fin Bartels („sehr gute Phase“), Florian Grillitsch („konstant gute Leistungen, toll für einen jungen Mann im ersten Bundesliga-Jahr“) und Sambou Yatabare („gelandet in Bremen, brennt ohne Ende“) bekamen gestern ein verdientes Extra-Lob. Auch Kapitän Clemens Fritz war zuletzt, von seinem Ausrutscher beim Pokalaus in München abgesehen, in starker Verfassung. Herausragend ist Vizekapitän Junuzovic, mit sechs Vorlagen bester Bundesliga-Vorbereiter der Rückrunde. „Ich habe ein paar mehr Freiheiten – wie in der Nationalmannschaft“, erklärt der Österreicher den Aufschwung.

Beim HSV ist das Mittelfeld eine Großbaustelle. Der Schwede Albin Ekdal (Oberschenkelzerrung) fällt aus, der Ex-Bremer Aaron Hunt und Nicolai Müller (mit acht Toren bester HSV-Schütze) waren angeschlagen. Wie fit sie Freitagabend sind, muss sich zeigen. Zudem schwächelt Antreiber Lewis Holtby (erst ein Tor und ein Assist in der Rückrunde) seit Wochen erheblich. HSV - Werder 0:1

Angriff

Eine glasklare Angelegenheit für Werder – da reicht ein schneller Blick in die Statistik. Claudio Pizarro (13 Tore/davon elf in der Rückrunde) und Anthony Ujah (9) sind deutlich treffsicherer als die Hamburger Stürmer Pierre-Michel Lasogga (6), Artjoms Rudnevs (2) und Sven Schipplock (0). HSV - Werder 0:1 

Trainer

Der „schöne Bruno“ empfängt den „Skripnicker“ – unterschiedlicher können Trainer kaum sein. Hier der gut gekleidete, eloquente Labbadia mit italienischen Wurzeln, dort der Sportanzug tragende, durch die fremde Sprache stolpernde Skripnik aus der Ukraine. Entscheidend ist jedoch – so simpel es klingt – auf dem Platz: Labbadia hat zwar mit dem Hamburger SV aktuell drei Punkte mehr auf dem Konto, dafür Skripnik als Werder-Coach in seinen 55 Bundesliga-Spielen einen besseren Punkteschnitt. Der 50-jährige Labbadia kommt bei seinem aktuellen HSV-Engagement (seit April 2015) auf 1,22 Punkte pro Spiel, der vier Jahre jüngere Bremer Skripnik auf 1,27. HSV - Werder 0,5:0,5

Abschlusstraining vor dem Nordderby

Umfeld

In Bremen ist das Pendel von blanker Angst (nach dem 1:2 gegen Augsburg) in Hoffnung umgeschlagen. Dank des Heimsiegs gegen Wolfsburg, der von tollen Fanaktionen begleitet wurde, verlor Werder nicht den Anschluss und sorgte für Erleichterung bei der zuvor wütenden Anhängerschaft – und ein bisschen Euphorie. Mit dem Spiel am Freitag können die Bremer (31) nach Punkten mit dem HSV (34) gleichziehen. Die Unterstützung wird mit 6500 Fans groß sein.

Beim HSV versucht man alles, damit die ohnehin nicht gute Stimmung bei den Anhängern nicht völlig den Bach runtergeht – unter anderem gibt es einen Fanmarsch zum Stadion. Viele zittern nach vier Niederlagen in den vergangenen fünf Spielen vor einem weiteren Absturz und dem Abstiegs-Relegations-Hattrick. Hamburg ist ein

Pulverfass, das bei einer Pleite im Nordderby explodieren könnte. HSV - Werder 0:1

Endstand

HSV - Werder 2:4

 

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