Viktor Skripnik soll Werder vor dem Abstieg retten / Eichin: „Er hat es drauf“

„Ich weiß, wie es geht“

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Lässig lehnt sich Viktor Skripnik auf eine Trainingsstange. Der bisherige U23-Coach soll bei Werder das „Modell Schaaf“ kopieren und die Bremer vor dem Abstieg retten.

Bremen - Ohne zu übertreiben: Der Empfang für Viktor Skripnik und Torsten Frings war einfach überwältigend. Rund 1000 Fans waren gestern gekommen, um das erste Training unter der Leitung des neuen Trainergespanns von Werder Bremen zu verfolgen. Die Massen standen am Rand des gepflasterten Weges, der vom Stadion zum Trainingsplatz führt, und applaudierten den neuen Hoffnungsträgern.

Gerade so, als ob Skripnik und Co. schon Wunder vollbracht hätten. Dabei sind sie noch ganz am Anfang dieser Aufgabe.

Viktor Skripnik und sein Stab sollen Werder Bremen vor dem Abstieg in die Zweite Liga retten. Manch einer hätte vielleicht vor dieser Herausforderung gekniffen. Schließlich ist der Zustand des Teams aktuell alles andere als ein guter. Neun sieglose Spiele in Folge, Schlusslicht in der Bundesliga – das sind die Fakten, die Robin Dutt am Samstag den Job kosteten. Die Skripnik aber nicht abschrecken. Nicht einen Moment habe er gezögert, als die Geschäftsführung ihm, den bisherigen Coach der U23, den Posten des Cheftrainers anbot. Er hat einfach zugesagt. Sofort. Ohne Verhandlungen. Ohne Bedingungen. „Ich gehöre mit ganzem Herzen zu Werder Bremen“, sagt Skripnik zur Erklärung.

Skripnik-Einstand: Training und Pressekonferenz

Der Verein, der ihn 1996 aus seiner Heimat Ukraine in die Bundesliga holte, ist längst sein Leben geworden, meint der 44-Jährige. Und weil das keine Show ist, sondern pure Realität, standen die Menschen gestern Spalier für Skripnik. Es wird viel in ihm gesehen, was Thomas Schaaf früher war. Ein purer Werderaner, ein Mann, der sich im Club hochgearbeitet hat. Einer, der für ehrliche Arbeit steht. „Wenn du 18 Jahre lang im Verein bist, dann gibst du alles für diesen Verein“, meint Skripnik.

Es ist viel authentischer, wenn er so etwas sagt, als wenn sich Robin Dutt einen Werder-Schal umbindet. Bei dem einen blieb immer das Gefühl, er würde Sympathien erhaschen wollen. Dem anderen fliegen sie einfach so zu. Weil er ein Grün-Weißer ist.

Allerdings einer ohne Erstliga-Erfahrung als Trainer. Und im Abstiegskampf hat Viktor Skripnik als Coach auch noch nie gesteckt. Als Spieler schon. 1999 war das – damals, als der Novize Schaaf den Sturz in die Zweitklassigkeit verhinderte. „Ich weiß, wie Abstiegskampf geht“, sagt Skripnik also.

Durch das Fan-Spalier schritt er gestern ziemlich gelassen. Das Training leitete er mit wenigen Anweisungen. „Die Spieler“, sagte er hinterher, „waren wie Kaninchen. Keiner wollte einen Fehler machen. Deshalb war ich ruhig.“ Aber er könne auch anders, meinte er noch.

Nach dem Training stand für den neuen Coach die erste Pressekonferenz als Chefcoach an – seine vielleicht schwerste Prüfung des Tages. Trotz vieler Jahre in Deutschland ist die Sprache noch ein kleines Problem für den ehemaligen Nationalspieler der Ukraine. Aber der Mann mit den stahlblauen Augen bekommt es trotz aller Nervosität hin, zu vermitteln, wie er sich den SV Werder der Zukunft vorstellt: „Aggressiv nach vorne“ – das sei seine Spielphilosophie.

Aber erstmal gelte es, in einer Mannschaft „mit angeknackster Psyche einen neuen Geist“ zu entwickeln, fordert Sportchef Thomas Eichin. Am besten schon bis morgen. Dann steht das Zweitrundenspiel im DFB-Pokal bei Drittligist Chemnitzer FC (19.00 Uhr) an. Skripnik jammert nicht, dass ihm kaum Zeit bleibt. Im Gegenteil: „Es ist sogar gut. So setzt sich nichts in den Köpfen fest.“

Raus aus den Köpfen – speziell aus denen mancher Fans – müsse dagegen die Vermutung, dass Skripnik nur aus Kostengründen befördert wurde. Mit seinem Viertliga-Gehalt (Vertrag bis 2017) ist er zweifellos günstiger, als es ein gestählter Retter wie Huub Stevens gewesen wäre. Aber die Entscheidungsträger bei Werder beteuern: Am Geld lag es nicht. „Eine solche Entscheidung machen wir nicht an Zahlen fest“, erklärte Aufsichtsratschef Marco Bode. Skripnik zu wählen sei eine Entscheidung aus voller Überzeugung gewesen – sagte neben Bode („Viktor hat das Potenzial zur Nachhaltigkeit“) auch Eichin: „Wir haben ihn aufgebaut, damit wir ihn für diesen Fall X in der Hinterhand haben. Wir alle glauben, dass er es drauf hat.“

csa

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