Viktor Skripnik entschuldigt sich und weist Rücktrittsgedanken zurück

Immer dieser böse Oktober

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„Ich sage nicht, ich habe die Schnauze voll.“ Viktor Skripnik hat Rücktrittsgedanken deutlich zurückgewiesen.

Bremen - Wenn die Tage kürzer werden und die Blätter von den Bäumen fallen, weiß Thomas Eichin schon, was passiert. Werder-Krise, Herbst-Depression, Trainer-Diskussion. „Jedes Jahr im Oktober“, stöhnt der Geschäftsführer des SV Werder, passiert es. Dann muss er Trainer stürzen – wie vor einem Jahr Robin Dutt. Oder stützen – wie aktuell Viktor Skripnik.

Der sagte gestern Sorry für seinen seltsamen Auftritt nach dem 0:1 gegen die Bayern und bekräftigte, dass er nie an einen Rücktritt gedacht habe. „Voller Kraft und Energie“ sei er, den Bremer Karren in den kommenden Spielen aus dem Sumpf zu ziehen. Und Eichin sagte, dass er kräftig mitziehen werde.

Erstmal haute der 49-Jährige gestern aber nur kräftig auf den Tisch. Das nicht zuletzt durch Skripnik ausgelöste Trennungsgeflüster nervt, das Oktober-Deja-vu ist bei ihm absolut unwillkommen. Deshalb behauptete Eichin vor dem Auswärtsspiel bei Mainz 05 (morgen, 15.30 Uhr) einfach mal, dass mit dem Trainer alles in bester Ordnung ist: „Es gibt keine Diskussion. Feierabend.“

So einfach? Naja, nicht ganz. Da gibt es ja auch noch Skripnik selbst, der einiges geradezurücken hatte. „Ich kann mich nur entschuldigen für meine Sache“, sagte der Ukrainer, mit dem am Samstag die Emotionen Achterbahn gefahren waren. Niemals, so Skripnik, habe er aber über einen Rücktritt gesprochen. „Das hat von mir niemand gehört. Ich habe nicht gesagt, ich bin ratlos, ich habe die Schnauze voll, ich will nicht mehr.“ Er und seine Assistenten haben „Lust auf diesen Verein und auf diese Situation“. Und dennoch skizzierte er selbst erneut das Szenario einer Trennung: „Es wäre legitim, wenn wir nach so vielen verlorenen Spielen irgendwann ohne Skripnik zusammensitzen.“

Der Punkt sei aber noch nicht erreicht. Das beteuerten Trainer und Geschäftsführer unisono. Trotz der fünf Niederlagen in Folge und einer bemerkenswerten Torflaute (drei Spiele in Folge ohne eigenen Treffer, nur ein Tor in den vergangenen fünf Partien) gibt es eine Jobgarantie – ausgestellt für die anstehende englische Woche mit den Partien in Mainz, daheim im DFB-Pokal gegen den 1. FC Köln und in der Liga gegen Borussia Dortmund. Skripniks Blick voraus: „Gewinnen wir nicht in Mainz, haben wir Mittwoch schon wieder ein Spiel. Gewinnen wir da nicht, haben wir Samstag das nächste“. Mit ihm? „Mit mir“, bestätigte er. „Natürlich mit ihm“, sagte auch Eichin und würgte das Thema schließlich ab: „Heute ist es das letzte Mal, dass ich etwas zum Trainer sage. Ich beantworte Fragen, die in diese Richtung gehen, ab sofort nicht mehr.“ Es war die pure Oktober-Genervtheit, die aus dem Sportchef sprach.

Im vergangenen Jahr endete die Krise in der Liga erst, als der November gekommen war. Am 1.11. gelang der erste Saisonsieg – gleichzeitig Viktor Skripniks erster Auftritt als Bundesliga-Trainer. Es war – und das erscheint bei allem Oktober-Aberglauben dann doch als gutes Omen – ein 2:1 in Mainz. Dort, wo Viktor Skripniks Stern aufging, soll er knapp ein Jahr später nicht untergehen. Stattdessen ist das Ende der Krise angepeilt. „Die Mannschaft quält sich im Training, sie hat die Kraft, in Mainz zu gewinnen“, meinte der 45-Jährige, der sein Selbstvertrauen trotz der aktuellen Niederlagenserie nicht komplett verloren hat: „Diese Aufgabe ist für uns machbar.“

An sein Debüt damals kann er sich noch bestens erinnern. Nicht nur wegen des befreienden Sieges, sondern auch wegen eines Fauxpas’ vor Spielbeginn. „Wir waren so nervös und haben uns auf der Trainerbank auf die falschen Plätze gesetzt.“ Als dann der damalige Mainz-Coach Kasper Hjulmand, ebenfalls noch frisch im Geschäft, kam, um den Kollegen zu begrüßen, schüttelte er Physiotherapeut Holger Berger die Hand. Der saß schließlich auf dem Trainerplatz. „Wir haben das dann“, grinste Skripnik, „nach der Pause korrigiert“.

csa/kni

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