Vierjahresvertrag und Hunts Nummer 14 für den Tempo-Dribbler

Neuzugang Hajrovic – „ein bisschen wie Robben“

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Normalerweise hätte sich Werder den Bosnier Izet Hajrovic (r.) nicht leisten können – sagt jedenfalls Geschäftsführer Thomas Eichin. Doch weil Werder fix und hartnäckig war, hielten beide gestern gemeinsam die neue Arbeitskleidung des 22 Jahre alten WM-Teilnehmers hoch.

Bremen - Das Trikot mit der Nummer 14 wollte er unbedingt haben. „Das ist meine Lieblingszahl“, sagt Izet Hajrovic. Also trug er die 14 beim Grasshopper Club Zürich auf dem Rücken, danach auch bei Galatasaray Istanbul. Und nun bei Werder. Gewarnt hat man den 22-Jährigen nicht vor der Nummer, die in der vergangenen Saison noch Aaron Hunt gehörte. Dass Hajrovic siefortan tragen wird, verstärkt den Verdacht, dass Werder Bremen den bosnischen Nationalspieler als Nachfolger für den zum VfL Wolfsburg entschwundenen Mittelfeldspieler verpflichtet hat. Doch das ist falsch, meint Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin.

Die Zahl ist in diesem Fall nur eine Zahl – ganz ohne Symbolik und Aussagekraft. „Aaron spielt einen ganz anderen Fußball, als Izet ihn spielen kann“, erklärte Eichin gestern Mittag bei der Vorstellung des bosnischen Nationalspielers, der kurz zuvor einen Vierjahresvertrag beim SV Werder unterschrieben hatte. Mission erfüllt für Eichin. „Wir haben gesagt, dass wir noch einen richtig Guten brauchen – und den haben wir jetzt“, sagte der 47-Jährige.

Was aber macht diesen Izet Hajrovic angeblich so gut? Rouven Schröder, der neue Chefscout bei Werder und laut Eichin der entscheidende Tippgeber beim Hajrovic-Transfer, sagt über den Offensivmann, dass er schnell sei. Dribbelstark dazu. Dass er stark ist, wenn er „mit Tempo“ über die rechte Seite kommt und dann nach innen zieht, um mit seinem starken linken Fuß abzuziehen. „Ein bisschen wie Robben“, meint Schröder.

Eichins Vergleiche bewegen sich ein, zwei Etagen tiefer. „Eine Mischung aus Kevin De Bruyne und Aaron Hunt“ sei der Neue, der aufgrund besonderer Umstände (siehe unten) ablösefrei von Galatasaray Istanbul an die Weser kommt. Normalerweise würde ein Spieler mit vergleichbarer Qualität vier Millionen Euro Ablöse kosten – oder mehr. Werder hätte das nie bezahlen können, bekommt den Spieler nun aber zum Nulltarif. „Weil wir schnell waren und die Umstände genutzt haben“, sagt Eichin nicht ohne Stolz: „Wir haben gesagt, dass wir Nischen finden und kreativ sein müssen – das sind wir gewesen.“ Hartnäckig noch dazu. Hajrovic: „Werder hat sich wirklich gekümmert. Ich war mit Thomas Eichin ständig in SMS-Kontakt.“ Das hat den Auisschlag gegeben gegenüber anderen interessierten Clubs – und die persönliche Perspektive in Bremen. „Ich will dahin, wo ich mich gut entwickeln kann. Da ist Werder die optimale Lösung“, sagte der in der Schweiz geborene und aufgewachsene Sohn bosnischer Eltern.

Seine Familiengeschichte ist die typische Geschichte von Flüchtlingen des Balkan-Krieges. Izet Hajrovic spricht nicht gerne darüber weist Nachfragen bestimmt ab. Der Mann, der ein bisschen so aussieht wie Miroslav Klose oder auch Lionel Messi macht nicht den Eindruck eines scheuen Jung-Profis. Zwar ein wenig nervös, aber auch konsequent und humorvoll beantwortet er die Fragen. Ob er mal über seine Stärken sprechen könne, wird Hajrovic gefragt. Antwort: „Wer das wissen will, kann auf Youtube meinen Namen eingeben. Dort kann man meine Stärken und Schwächen sehen – gut, mehr meine Stärken.“ Und seinen Torjubel, die seltsam abgespreizten und durch die Luft wischenden Finger? „Ich finde das cool. Aber ich lasse es mittlerweile sein. Die Fans verstehen das nicht, denken: Hey, ist der in einer Gang, oder was?“

Ja, ist er. Die Gang heißt Werder Bremen und setzt auf Hajrovics Fähigkeiten. „In der Offensive“, sagt er, „kann ich eigentlich alles spielen“. So hat er er in der Schweizer Super League in 91 Partien 20 Tore geschossen. In der türkischen Süper Lig lief er acht Mal auf, blieb aber wie bei seinen Champions-League- und Europa-League-Auftritten (je zwei) ohne Tor. Für die bosnische Nationalmannschaft hat er bislang zwei Mal getroffen, bei nur neun Einsätzen. Zwei davon bei der WM – gegen Argentinien (1:2) und Nigeria (0:1). Dann kam das Aus, der Heimflug, der Urlaub. Den darf Izet Hajrovic noch ein paar Tage genießen, erst am Samstag kommender Woche startet er mit dem Trainingslager im Zillertal so richtig in seine Werder-Zeit – bereit, der Nummer 14 Ehre zu machen. Harjovic hat jedenfalls keine Angst, als Hunt-Nachfolger gesehen zu werden: „Ich habe sicher die Qualität, für Werder so wichtig zu werden wie er – oder noch besser.“

csa

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