„Vielleicht sieben Monate gespart“

Immer ein Lächeln auf den Lippen – fast immer: Denn Naldo blickt im Interview durchaus ernst auf seine Leidenszeit als verletzter Werder-Profi zurück. ·

Bremen - Naldo kommt mit einem Lächeln zum Interview-Termin – und mit Dolmetscher Roland Martinez. Der Brasilianer in Diensten des SV Werder spricht zwar nach sechs Jahren in Bremen sehr gut Deutsch, antwortet bei intensiveren Gesprächen aber lieber in seiner Muttersprache.

Und der 29-Jährige hat einiges zu sagen, spricht erstmals über den Ärztestreit im Winter. Naldo hatte sich damals gegen den Werder-Willen durch- und nach Brasilien abgesetzt, um dort sein Knochenödem im Knie operieren zu lassen. Nach 16-monatiger Verletzungspause feierte der Innenverteidiger im September sein Comeback, längst ist er wieder Leistungsträger – mit großen Zielen.

Naldo, fassen Sie sich eigentlich jeden Morgen nach dem Aufwachen ans Knie, um sich zu vergewissern, ob damit noch alles in Ordnung ist?

Naldo:Das habe ich wirklich lange gemacht, aber jetzt muss ich das nicht mehr. Denn dank Gott ist alles in Ordnung, ich muss mir keine Sorgen machen.

War es nur göttliche Fügung, dass Sie wieder spielen können?

Naldo:Ich habe Gott nach der richtigen Entscheidung gefragt, und er hat mir den Weg gezeigt, hat mich zu Klaus Allofs geschickt. Ihn sollte ich überzeugen, dass ich in Brasilien operiert werden muss. Das hat geklappt, jetzt ist alles gut.

War es also der falsche Weg, vorher den deutschen Ärzten zu vertrauen?

Naldo:Ich möchte die Ärzte nicht kritisieren, Dr. Boenisch und Dr. Müller-Wohlfahrt sind sehr gute Ärzte, sie hatten aber eben eine andere Auffassung, wollten mich nicht operieren. Wenn die OP früher gemacht worden wäre, hätte ich vielleicht sieben Monate Ausfallzeit gespart.

Verspüren Sie nun so etwas wie Genugtuung, dass Sie mit Ihrem brasilianischen Weg richtig lagen?

Naldo:Nein. Die deutschen Ärzte wollten doch auch, dass ich wieder spiele. Aber nach sieben Monaten ohne Besserung musste ich etwas unternehmen.

In Deutschland hieß es, die Operation wäre kontraproduktiv, würde sogar Ihre Karriere gefährden.

Naldo:In Brasilien ist man da anderer Auffassung, man operiert solche Dinge am Knie schneller, das ist Routine. Der Operateur hat mir gesagt: Naldo, du bist Nationalspieler, du wirst wieder spielen – ich übernehme die Verantwortung für diese Operation, alles wird gut.

Naldo ist zurück

Das Comeback des Jahres: Naldo ist zurück

Lassen Sie sich noch von deutschen Ärzten behandeln oder fliegen Sie gleich nach Brasilien?

Naldo:Nach den vielen Behandlungen im vergangenen Jahr hoffe ich, dass ich erst mal keine weiteren mehr brauche und einfach nur noch Fußball spiele.

Eine sehr diplomatische Antwort.

Naldo:Nein, so denke ich wirklich. Aber gut: Wenn mir wirklich was Schlimmeres passieren sollte, dann werde ich wohl zu meinen brasilianischen Ärzten fliegen, weil sie mir so geholfen haben.

Sie haben seit vier Jahren nicht mehr für die brasilianische Nationalmannschaft gespielt. Trauen Sie sich ein Comeback zu?

Naldo:Ich habe in den letzten Spielen gezeigt, dass ich meine alte Form wieder habe. Mein Bruder Reginaldo sagt sogar, ich wäre der beste Naldo aller Zeiten. Wenn ich weiter bei Werder meine Leistung bringe, dann bekomme ich auch meine Chance. Da setze ich auch auf unseren Nationaltrainer Mano Menezes.

Gab es schon Kontakt?

Naldo:Nein. Aber er hat ganz allgemein gesagt, dass er alle Ligen verfolgt, in denen Brasilianer spielen.

Und alle wollen zur Heim-WM 2014 – Sie auch?

Naldo:Natürlich ist das ein großer Traum von mir. Aber ich bleibe mit beiden Füßen auf dem Boden, mache meine Arbeit hier – alles andere ergibt sich.

Sind Sie 2014 noch bei Werder?

Naldo:Gute Frage, mein Vertrag läuft ein Jahr vorher aus. Ich kann nicht in die Zukunft blicken. Ich weiß nur, dass meine Familie und ich uns hier sehr wohl fühlen und die Werder-Fans in meinem Herzen sind.

Hat das Hickhack mit dem Club um Ihre Verletzung und Ihren Wunsch, in Brasilien operiert zu werden, Einfluss auf mögliche Vertragsverhandlungen?

Naldo:Die Verantwortlichen hatten zwar eine andere Auffassung, sind aber der Meinung der deutschen Ärzte gefolgt, die ja wollten, dass ich gesund werde und wieder spiele. Jeder irrt sich mal oder macht einen Fehler. Aber das ist erledigt und hat keine Auswirkungen auf unser Verhältnis oder einen neuen Vertrag.

Wollen Sie also bleiben?

Naldo:Ich denke nur an den Moment – ganz speziell nach meiner schweren Verletzung. Ich bin Thomas Schaaf sehr dankbar dafür, dass er mir im richtigen Moment wieder das Vertrauen geschenkt hat.

Reizt Sie ein Wechsel in ein anderes Land?

Naldo:Das wünscht sich meine Frau mehr als ich. Sie mag Italien sehr – das Essen, das Land. Ich fand früher mal England sehr interessant. Aber ich bin auch schon 29 Jahre alt, da muss man schauen, was noch so kommt und natürlich, was Werder mit mir vorhat.

Apropos England: Vermissen Sie Per Mertesacker?

Naldo:Ja, denn das war eine tolle Zeit mit ihm hier – nicht nur auf dem Platz. Per ist ein toller Mensch, ein guter Freund. Aber jetzt hat er einen sehr guten Vertrag und mit dem FC Arsenal einen klasse Club.

Was ist in dieser Saison mit Werder möglich, was wollen Sie erreichen?

Naldo:Wir gehen Schritt für Schritt und haben am Samstag gegen Köln ein sehr wichtiges Spiel. Da dürfen wir an nichts anderes denken als an einen Sieg, selbst ein Unentschieden kommt nicht in Frage. Wir müssen vor der Länderspielpause unbedingt Platz vier halten oder uns sogar noch verbessern.

Also ist die Champions-League-Qualifikation das Ziel?

Naldo:Ja – und wenn es eine Chance auf Platz eins gibt, dann wollen wir die auch nutzen. · kni

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