Schaafs Personalentscheidungen erweisen sich als falsch / Özil in ungewohnter Rolle hilflos

Viele Schüsse in den Ofen

Nach der Ehrung der Verlierer verließ Thomas Schaaf bedient das Podium. Auch die Medaille trug er weder mit Stolz noch sonderlich lange um den Hals.

Berlin · Falsche Taktik? Falsches System? Falsches Personal? Thomas Schaaf musste sich nach einer denkwürdigen Niederlage diese Fragen gefallen lassen. Der Werder-Trainer hatte für das Finale gegen Bayern München einen Plan ausgeheckt, den der Gegner als absolut untauglich entlarvte. 0:4 verloren – hat man da noch Argumente?

Keine. Schaaf gestand ein, was jeder gesehen hatte: „Die Bayern haben verdient gewonnen. Sie treten im Moment überzeugend auf und setzen sich souverän durch.“ Alles richtig. Aber trotzdem ist das noch lange nicht die ganze Geschichte dieses Endspiels. Denn da gab es eben auch noch das Bremer Team, das sich ziemlich seltsam präsentiert hatte – sowohl auf dem Aufstellungsbogen als auch auf dem Platz.

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Schaaf hatte entschieden, dass Hugo Almeida und Marko Marin beide auf der Bank bleiben. Desweiteren brachte er Tim Borowski und Aaron Hunt auf den Außenpositionen des Mittelfeldes. Und Mesut Özil, dessen Fähigkeiten nachweislich dann am besten zum Tragen kommen, wenn er das Spiel vor sich hat, ging offenbar mit dem Auftrag ins Spiel, sich immer wieder weit vorne zu zeigen. Irgendwie spielte er den zweiten Angreifer neben Claudio Pizarrom, irgendwie aber auch nicht. Denn Özil war mit der Interpretation der neuen, ungewohnten Rolle völlig überfordert.

Später sagte Schaaf, dass seinem Team in der Offensive „die Überzeugung gefehlt“ hätte: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir da präsenter sind.“ Man darf das wohl als Zugeständnis werten, dass seine Entscheidungen falsch waren.

Nach dem Rückstand durch den Handelfmeter von Arjen Robben revidierte Schaaf sie zum ersten Mal, brachte nach der Pause Almeida als echten Stürmer. Als Reaktion auf das 0:2 durch Ivica Olic kam dann auch noch Marin – und Werder spielte plötzlich wieder mit der Raute. Musste aber ob des Rückstandes soviel Risiko gehen, dass die Bayern mühelos zum 3:0 und 4:0 kamen. Fazit der Personalrochaden: Es ging gewaltig schief.

Aber warum hatte Schaaf überhaupt so ängstlich spielen lassen? Warum die Doppel-6, warum Borowski, warum Hunt, die beide zuletzt nicht überzeugt hatten? Warum zog sich Werder so unglaublich weit zurück? Der Coach erklärte: „Uns war klar, dass die Bayern über außen kommen würden. Da wollten wir die Räume eng machen. Und ich glaube, dass uns das auch ganz gut gelungen ist.“ Einspruch! Denn speziell Arjen Robben und Philipp Lahm kamen auf der rechten Münchner Flanke immer wieder durch.

Letztlich war es nur Zufall, dass es bis zum Elfmeter dauerte, dass  die Bremer in Rückstand gerieten. Dennoch verteidigte Schaaf tapfer seine Vorgaben („Es war keine Frage der Taktik, sondern der einzelnen Situationen“), und Clubchef Klaus Allofs sprang ihm dabei sogar zur Seite. Er verwies auf den 2:0-Sieg gegen Schalke, als Werder defensiv ähnlich agiert hatte. „Da haben wir erfolgreich mit einer ausgewogenen Balance aus Defensive und Offensive gespielt“, sagte er. Die Balance war Werder in Berlin allerdings genommen. Die „Özil-Lösung“ brachte keine Entlastung, nur zwei aussichtsreiche Angriffe in den ersten 45 Minuten – das war eindeutig zu wenig für ein Team, das in der abgelaufenen Saison 71 Tore erzielt hatte.

Obwohl es sich bei den Chancen von Pizarro (8.) und Hunt um Ereignisse aus der Raritätenkiste handelte, klammerte sich Klaus Allofs in der Nachbetrachtung an eben diese Aktionen. „Wer weiß“, meinte er, „was passiert wäre, wenn wir getroffen hätten?“

Aber das Leben im Konjunktiv bringt niemanden weiter. Also wendete sich auch Allofs wieder den Fakten zu. Und die kennen kein Wenn und kein Aber. Ein 0:4 bleibt ein 0:4. „Vielleicht ein bisschen zu hoch“, sei das Resultat ausgefallen, meinte Allofs, aber unterm Stich „waren wir nicht mutig genug. Ein Endspiel kann man mal verlieren, ärgerlich ist es nur, wenn man unter den eigenen Möglichkeiten geblieben ist.“

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