Viele gute Worte, wenig gute Ergebnisse:

Zu viel Zucker auf dem Magerquark

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Ein knappes halbes Jahr ist Robin Dutt Werder-Trainer. Verbesserungen lassen sich in der Tabelle nicht ablesen.

Bremen - 0:7 gegen Bayern München – Werder Bremen ist am Boden. Und es wird einer gewaltigen Anstrengung bedürfen, dass sich der Bundesliga-14. noch vor der Winterpause wieder aufrichtet.

Die Situation ist quasi ein Zwilling der Vorsaison: Wieder steuert Werder auf den Abstiegskampf zu, wieder kassieren die Bremer Gegentore in Hülle und Fülle und wieder steht ein Trainer vor der Mannschaft, der das Problem nicht in den Griff bekommt.

Dabei wähnte sich Werder schon auf einem guten Weg. „Anfangs“, erinnert sich Sportchef Thomas Eichin, „haben wir das schon ganz gut gemacht.“ Das war, als Werder 1:0 gegen Braunschweig und Augsburg gewann, als in Hamburg ein 2:0 gelang. „Dann haben wir gedacht, wir können schon die Offensive forcieren. Wir haben gedacht, wir wären schon weiter. Sind wir aber nicht“, so Eichin. Was sich an mittlerweile 34 Gegentoren problemlos ablesen lässt. Und Tabellenplatz 14 dokumentiert, dass die Bremer nach einem halben Jahr unter Dutt immer noch im gleichen Morast herumkriechen wie vor seinem Amts-antritt. Die Vorsaison hatte Werder schon als 14. beendet.

Dann kam Dutt und startete ein Projekt, das er großzügig auf zwei Jahre anlegte. Bis dahin sollte die Mannschaft ein neues Gesicht, ein neues System, eine neue Qualität haben. Und wieder um das europäische Geschäft kämpfen. Man kann nicht ausschließen, dass noch was daraus wird. Augenblicklich sieht es aber so aus, als müsse das Team im „Übergangsjahr“ (Dutt) ums Überleben fighten. Doch der Trainer will sich öffentlich nicht mit der Abstiegsgefahr befassen, denkt auch nach einem 0:7 und einem kontinuierlichen Absacken im Tableau noch in größeren Dimensionen. „Ich kann die Entwicklung nicht am Tabellenplatz ablesen, weil ich die Entwicklung jedes einzelnen Spielers beurteilen muss“, sagt Dutt: „Nach diesen Beurteilungen setze ich das Puzzle zusammen.“

Mit den Fortschritten seiner Spieler sei er „in Teilen zufrieden“, meinte der 48-Jährige. Wen er meinen kann? Eigentlich nur Felix Kroos und Eljero Elia. Diesen beiden kann bis dato eine positive Entwicklung attestiert werden, dem großen Rest nicht. So sitzt beispielsweise Keeper Sebastian Mielitz längst auf der Bank. Ihm hatte Dutt eine Leistungsexplosion prophezeit. Und Innenverteidiger Sebastian Prödl, zunächst als Säule eingeplant, ist – wenn gesund – ein steter Wackelkandidat.

Ohnehin hatte der Coach dermaßen viel gelobt, dass Außenstehende glauben mussten, bei Werder wäre mindestens jeder Zweite ein Wunderknabe. Doch die Praxis hat Dutts Worte längst als Übertreibung entlarvt, hat gezeigt, dass  er reichlich Zucker über den fußballerischen Magerquark seines Kaders gestreut hat.

Dabei ist er selbst oft genug unzufrieden mit manchem Akteur– was sich sich an den ständigen Veränderungen in der Startelf ablesen lässt. Längst nicht immer waren Verletzungen der Grund, weshalb Spieler hin und her geschoben, die Mannschaft verändert wurden. Dutt experimentiert eben viel, richtet sich nach dem Gegner aus, sucht immer die ganz besondere, die überraschende taktische Finesse. Mit dem Ergebnis, dass Werder Konstanz und Balance vermissen lässt. Klare Linie? Nicht zu erkennen.

Was Robin Dutt fraglos geschafft hat, ist, den Teamgedanken zu stärken. Ganz ohne Rödelbahn und Radtouren zum Frühstück beim Griechen. Auch wenn sportlich einiges im Argen liegt: Der Kitt zwischen den Spielern hält. Für Dutt ist der Teamgeist der große Rettungsanker im Abstiegskampf. Für das Spiel bei Aufsteiger Hertha BSC am Freitag setzt er nicht auf eine spielerische Wiederauferstehung seiner Mannschaft, sondern „auf eine ganz klare Wir-Mentalität, die wir auf den Platz bringen müssen. Alle Energie müssen wir auf dieses Spiel kanalisieren und Berlin zeigen, was in uns steckt. Die Devise ist, ein absolutes Top-Spiel abzuliefern.“

Auf die absolute Katastrophe des 0:7 wäre ein Sieg in der Hauptstadt die beste aller Reaktionen. Doch dass Werder dazu in der Lage ist, muss in Zweifel gezogen werden. Vielleicht funktioniert es, indem Dutt wieder Beton anrührt – wie einst im August gegen Braunschweig und Augsburg. Doch der Coach will sich nicht wieder an den Anfang seiner Arbeit beamen lassen, plant keine radikale Abkehr vom offensiven Pfad: „Es muss sich irgendwo einpendeln. Wir wollen den Mittelweg gehen. Aber das ist aktuell schwierig, weil wir jetzt noch zwei Spiele haben, in denen wir unbedingt punkten müssen.“ Gelingt dies nicht, bleibt Werder dort, wo der FC Bayern München den Club mit sieben Schlägen hingeschickt hat: am Boden. · csa

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