Werders erschreckende Auswärtsbilanz in der Bundesliga: nur ein Sieg / Allofs: „Das ist viel zu wenig“

Viel Prügel auf fremden Feldern

Die Ausnahme: Marko Arnautovic, Aaron Hunt und Wesley (oben) feiern Werders einzigen Bundesliga-Auswärtssieg in Mönchengladbach.

Bremen - Von Malte Rehnert· Diese Zahlen sind erschreckend: In 15 Auswärtsspielen schoss Werder Bremen in dieser Saison nur 16 Tore, gewann lediglich in Ahlen (DFB-Pokal) und Gladbach – und kassierte häufig mächtig Prügel.

Die miese Bilanz in der Bundesliga nach dem letzten Auswärtsspiel des Jahres in Dortmund (0:2): neun Spiele, sechs Punkte, 8:23 Tore. Vergangene Serie waren die Bremer in der Fremde noch die Besten (31 Punkte) und Treffsichersten (37:19), vor Meister Bayern und Vizemeister Schalke (beide 30). Jetzt sind sie Drittletzter in der Auswärtstabelle und insgesamt Zwölfter. „Darüber brauchen wir uns nicht zu unterhalten, das ist viel zu wenig“, weiß Werder-Boss Klaus Allofs und fügt an: „Wir stehen nicht umsonst da, wo wir momentan stehen. Und dazu trägt natürlich die Auswärtsbilanz bei.“

Ein Rückblick auf Werders Auswärts-Hinrunde:

1899 Hoffenheim 1:4

So titelte die Kreiszeitung: Horrorstart für Werder.

Das Spiel: Schon nach drei Minuten schießt Kapitän Torsten Frings per Handelfmeter das erste Bremer Saisontor. Ein traumhafter Start, doch dann geht plötzlich gar nichts mehr. Hoffenheim demütigt Werder mit vier Treffern in Halbzeit eins. Schon wieder setzen die Bremer ein Auftaktspiel in den Sand.

Die Reaktionen: „In kurzer Zeit haben wir uns alles selbst kaputtgemacht“, schimpft Torwart Tim Wiese. Sportchef Klaus Allofs bemängelt ein „sehr schlechtes Spiel.“

Die Folgen: Werder ist Letzter – und beklagt zwei Ausfälle: Aaron Hunt, dessen fiebrige Erkältung sich durch den Einsatz verschlimmert hat, und Hugo Almeida (Oberschenkelverletzung).

FC Bayern München 0:0

So titelte die Kreiszeitung: Eine feierliche Nullnummer.

Das Spiel: Die Serie hält – auch im fünften Jahr hintereinander bleibt Werder in München unbesiegt. Beide Teams haben in einem munteren Spiel einige Chancen, treffen jedoch nicht. Innenverteidiger Sebastian Prödl glänzt mit 93 Prozent gewonnenen Zweikämpfen. Die Bremer Neuzugänge Mikael Silvestre und Wesley geben ein unauffälliges Startelf-Debüt.

Die Reaktionen: „Wir haben gut mitgespielt, aber es hätte mehr drin sein können“, urteilt Trainer Thomas Schaaf. Und Silvestre meint: „Ein tolles Spiel, dem nur die Tore fehlten.“

Die Folgen: Werder holt den ersten Auswärtspunkt, rutscht aber trotzdem vom neunten auf den zehnten Platz ab.

Hannover 96 1:4

So titelte die Kreiszeitung: Es geht wirklich noch schlechter.

Das Spiel: Nach dem 0:2 gegen Mainz ist von Wiedergutmachung nichts zu sehen. Nach dem Eigentor von Clemens Fritz gleicht Frings per Elfmeter zwar aus, doch das pusht nur den Gegner. Hannover trifft nach Belieben, Werder wehrt sich nicht.

Die Reaktionen: „Wir schaffen es nicht, als Mannschaft aufzutreten. Einige nehmen sich zu wichtig“, äußert Frings erst- und nicht letztmals Kritik an der Einstellung. „Wir waren teilweise von allen guten Geistern verlassen“, stöhnt Allofs.

Die Folgen: Der Sturz vom elften auf den 14. Platz. Zudem gibt’s eine 80-minütige Krisensitzung, in der es auch um den mangelnden Teamgeist geht. Allofs droht angeblich, das Grundgehalt der Profis um 50 Prozent zu kürzen. Eine Maßnahme, die später – nach Informationen dieser Zeitung – auch durchgezogen wird. Werder will die unglaubliche Geschichte weder bestätigen noch dementieren.

Bayer Leverkusen 2:2

So titelte die Kreiszeitung: Werders Notelf am Limit.

Das Spiel: In Claudio Pizarro, Clemens Fritz, Torsten Frings und Naldo fehlen vier verletzte Leistungsträger. Doch die Bremer halten dagegen. Hugo Almeida und Marko Marin drehen den Spieß nach einem 0:1-Rückstand um. Derdiyok profitiert schließlich von einem Patzer des sonst guten Per Mertesacker und schießt das 2:2.

Die Reaktionen: „Wir haben das Maximum aus dieser Mannschaft herausgeholt“, findet Schaaf. Auch Mertesacker ist positiv eingestellt: „Wenn man bedenkt, wer heute gefehlt hat, kann man schon ein wenig stolz sein.“

Die Folgen: Es geht runter von Rang zwölf auf 13. Aber die Bremer bewerten den zweiten Auswärtspunkt als kleinen Schritt nach vorne.

Bor. M‘gladbach 4:1

So titelte die Kreiszeitung: Mielitz besiegt den Gladbach-Fluch.

Das Spiel: Claudio Pizarro schießt sein 134. Bundesliga-Tor – und ist jetzt der beste ausländische Schütze. Zudem treffen Marko Marin, Wesley und Aaron Hunt. Bester Bremer ist aber Keeper Sebastian Mielitz, der den verletzten Tim Wiese glänzend vertritt und einige Male retten muss.

Die Reaktionen: „Das Spiel hätte auch 10:6 ausgehen können. Zum Glück hat Sebastian überragend gehalten“, lobt Frings Keeper Mielitz – und der meint: „Solche Tage wünscht man sich öfter.“ Schaafs Fazit: „Wir sind auf einem guten Weg.“

Die Folgen: Der erste Auswärtssieg spült Werder von Platz elf auf acht. Die Bremer spüren einen Aufwärtstrend.

VfB Stuttgart 0:6

So titelte die Kreiszeitung: Der absolute Tiefpunkt.

Das Spiel: Eine einzige Katastrophe! Werder bleibt alles schuldig, Frings verschießt einen Elfmeter. Die flotten Stuttgarter überrennen die lethargischen Bremer mit Tempogegenstößen.

Die Reaktionen: Tim Wiese ätzt: „Es ist beschämend, wir haben versagt.“ Schaaf bezeichnet sein Team als „guten Sparringspartner. Mehr waren wir nicht.“ Findet auch Allofs: „Es war traurig anzusehen – eine Ohrfeige für Verantwortliche und Fans.“

Die Folgen: Eisige Atmosphäre am Osterdeich. Die Verantwortlichen setzen zwei Teamsitzungen an, zeigen unter anderem das „Horror-Video“ aus Stuttgart. Ab jetzt gibt’s erst mal Sechs-Stunden-Tage. Aufsichtsrats-Chef Willi Lemke spricht Trainer Schaaf und Manager Allofs in der schweren Krise sein „vollstes Vertrauen“ aus. Immerhin: Werder bleibt Elfter.

FC Schalke 04 0:4

So titelte die Kreiszeitung: Der Tag der Dilettanten.

Das Spiel: Schalke glänzt keinesfalls, dennoch geht Werder wieder unter. Besonders das Defensivverhalten war katastrophal. Die Fans wenden sich ab und skandieren: „Bis auf Wiese könnt ihr alle geh’n.“

Die Reaktionen: „Jeder freut sich, gegen uns spielen zu dürfen“, sagt Schaaf. „Wir müssen uns endlich als Mannschaft zusammenraufen“, fordert Aaron Hunt. Und Allofs sieht mittlerweile die Abstiegsgefahr: „Wir sind ziemlich dicht dran, da unten wird es eng.“

Die Folgen: Von Platz elf geht’s runter auf zwölf. Werder hat nur noch vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Bitter auch: Wesley fällt mit einer Oberschenkelverletzung

lange aus. Allofs stärkt Schaaf erneut den Rücken.

VfL Wolfsburg 0:0

So titelte die Kreiszeitung: Elfer-Wahnsinn in Wolfsburg.

Das Spiel: Binnen vier Minuten verschießen Frings und Wolfsburgs Edin Dzeko ihre Elfmeter – viel mehr Spektakel gibt es in einem mauen Spiel nicht. Werder hat aber die besseren Chancen und bleibt, wie zuvor gegen St. Pauli, ohne Gegentor.

Die Reaktionen: „Wir haben viele kleine Schritte in die richtige Richtung gemacht“, resümiert Schaaf. „Der Schritt hätte auch größer sein können“, sagt Allofs.

Die Folgen: Nach dem zweiten vergebenen Strafstoß in Folge wird über Frings als Schützen diskutiert. Der Kapitän sagt: „Wenn kein anderer möchte, gehe ich wieder hin.“ Sechster Auswärtspunkt, weiterhin Platz elf.

Borussia Dortmund 0:2

So titelte die Kreiszeitung: Pleite mit Diskussionsstoff.

Das Spiel: Werder kassiert durch Sahin das frühe 0:1 und verschläft die erste Halbzeit. Im zweiten Durchgang dann Aufregung: Claudio Pizarro reklamiert nach einem Foul von BVB-Keeper Weidenfeller vergeblich einen Elfmeter. Und: Beim 2:0 für Dortmund steht Lewandowski im Abseits. Werder sauer – und wieder ohne Tor.

Die Reaktionen: „Wir treten ein bisschen auf der Stelle“, gesteht Trainer Schaaf. Claudio Pizarro ärgert sich besonders über die „Schwalben“-Vorwürfe von Weidenfeller: „Das ist unglaublich. Es war ein klarer Elfmeter.“

Die Folgen: Werder ist nach dem 16. Spieltag nur noch Zwölfter, hat lediglich vier Punkte Abstand zum 1. FC Köln auf dem Relegationsplatz. An Klaus Allofs’ Zielsetzung Europa League „hat sich aber nichts geändert. Der Blick bleibt nach oben gerichtet.“

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