Lücken geschlossen, Löhne verringert

Transferbilanz: Viel bewegt mit wenig Geld

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Während der Wechsel von Franco Di Santo (l.) an die Weser recht unkompliziert vonstatten ging, kostete Werders Sportchef Thomas Eichin die Verpflichtung von Santiago Garcia (r.) einige Nerven.

Bremen - Seine erste Transferperiode als Manager von Werder Bremen war turbulent. Speziell im Endspurt. Elf Wechsel hat Thomas Eichin zwischen Ende Mai und Anfang September abgewickelt und dabei kräftig aufgeräumt im Kader.

Ladenhüter Joseph Akpala war der Letzte, den er noch unterbrachte. Und die Unterschriften unter dem Leihvertrag waren gestern noch nicht ganz trocken, da kam Eichin schon auf Sylt an – sein erster Urlaub seit mehr als einem Jahr.

Ob er ihn dringend nötig hat? „Es war schon eine hektische Zeit“, gesteht der 46 Jährige, „aber ich habe vorher im Eishockey gearbeitet, das war teils noch anstrengender.“ Er selbst wertet die Transferperiode insgesamt als Erfolg: „Was wir machen wollten, haben wir gemacht.“ Stimmt aber nicht ganz: Mateo Pavlovic und Aleksandar Stevanovic sind geblieben. Ansonsten war es ein reges Kommen und Gehen – ein Überblick:

Verkäufe

Sokratis: Ihn zu verkaufen war ein Kinderspiel. Dortmund und Leverkusen stritten um den Griechen, Eichin konnte den Preis hochtreiben. Am Ende zahlte der BVB neun Millionen Euro – eine Summe, die die Basis für alle weiteren Transferaktivitäten der zum Sparen gezwungenen Bremer darstellte.

Marko Arnautovic: Problematisch, problematisch. Nach Arnautovics Suspendierung im Frühjahr wegen unprofessionellen Verhaltens war sein Marktwert niedriger als die aktuellen Umfragewerte der „Violetten“, der Partei für die Spiritualität in der Politik. Also irgendwo Nähe null. Dennoch verkaufte Eichin den Österreicher am Ende für 2,35 Millionen Euro. Wie? Er hatte einfach mantraartig davon geredet, dass Arnautovic eigentlich ein Pfundskerl ist und sich tadellos verhält. Bis es die Briten glaubten. West Ham United und Celtic Glasgow blitzten noch bei Arnautovic ab, Stoke City blieb als letzte Option.

Joseph Akpala: Auch nicht leicht. Beim FC Reading war der Nigerianer getestet, aber für nicht gut genug befunden worden. Der englische Zweitligist griff nicht zu, erst der türkische Erstligist Karabükspor nahm Eichin eine weitere Last ab. Für 250 000 Euro wird Akpala für ein Jahr verliehen, kostet in dieser Zeit kein Gehalt mehr. Das ist der eigentliche Erfolg dieses Transfers.

Niclas Füllkrug: Für viele überraschend, dass Eichin und Trainer Robin Dutt den 20 Jahre alten Angreifer an Greuther Fürth verliehen. Vielleicht ein Fehler.

Johannes Wurtz: Ein junger Stürmer geht zur Fortbildung und auf Leihbasis in die zweite Liga – Alltag im Bundesliga-Business. Wurtz (21) soll beim SC Paderborn dazulernen, kann nach einem Jahr zurückkehren.

Florian Hartherz: Keine Chance mehr bei Werder. Linksverteidiger Hartherz (20) wurde für 300 000 Euro verkauft – ebenfalls an den SC Paderborn.

Neuverpflichtungen

Nils Petersen: Der erste Neuzugang war gar keiner. Ein Jahr auf Probe hatte Petersen schon in Bremen verbracht und elf Tore geschossen. Also machte Werder drei Millionen Euro für den Stürmer locker, kaufte ihn aus seinem Vertrag bei Bayern München frei. Doch mittlerweile hat Petersen seit 1 300 Minuten nicht mehr getroffen – ist er das Geld etwa doch nicht wert?

Luca Caldirola: Der Sokratis-Ersatz. Eichin holte den 22-Jährigen aus der zweiten italienischen Liga nach Bremen, überwies 2,25 Millionen Euro an Inter Mailand. Ob das billig oder teuer ist, muss sich noch zeigen.

Cedric Makiadi: Ihn zu verpflichten, war kein Kunststück. Man musste sich nur in den Spielerverträgen des SC Freiburg auskennen. Das tat Eichin. Er wusste von der auf drei Millionen Euro fixierten Ablösesumme und zahlte. Makiadi ist die (nicht erwartete) Antwort auf die Rufe der Fans nach einem erfahrenen Sechser.

Franco Di Santo: Ein Glücksgriff? Oder einer von der Resterampe? Di Santo wartete in England vertragslos auf einen neuen Job. Die großen Clubs kamen nicht, also griff Werder zu. In zwei Einsätzen machte der ablösefrei geholte Angreifer einen guten Eindruck: Tendenz: Glücksgriff.

Santiago Garcia: Dieser Transfer hat Thomas Eichin Nerven gekostet. Der Manager kämpfte sich durch das Wirrwarr aus einem gekündigten Vertrag bei US Palermo und einem geschlossenen bei Chile-Club Rangers de Talca, holte beide Clubs an den Tisch und bekam alle Unterschriften für ein Leihgeschäft mit Kaufoption. Kosten: erstmal 500 000 Euro. Dutt lobte diese „Königslösung“ und dankte seinem Sportdirektor: „Ich habe meinen Wunschverteidiger für die linke Seite. Das hat Thomas gut gemacht.“

Bilanz/Fazit

Eichin hat mit einem kleinen Budget auf den großen europäischen Märkten eingekauft und die Positionen besetzt, die zu besetzen waren. Außerdem hat er den Kader deutlich verschlankt, dank der Verkäufe von Sokratis, Arnautovic und Akpala auch das Gehaltsniveau gedrückt. Vorgaben umgesetzt – soviel kann Eichin attestiert werden. Die Transferbilanz ist zudem bei 12,1 Millionen Euro Einnahmen und 8,75 Millionen Ausgaben positiv. csa

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