Das Phänomen „Sheva“

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Victor Skripnik

Bremen / Kiew - Von Victor Skripnik - Natürlich, wir haben alle gefeiert – ich auch. Voller Begeisterung über den gelungenen EM-Start der Ukraine. Das Spiel war zwar nicht so toll, das Ergebnis ist es dafür umso mehr.

Das 2:1 gegen Schweden ist enorm wichtig für alle Ukrainer – nach der langen Zeit des Wartens, wenn die EM schon läuft und du als letztes Team an der Reihe bist. Dann fühlst du dich wie ein Pferd, das rennen will, aber nicht darf. Dazu kommt der verdammt große Druck, als Co-Gastgeber nicht versagen zu dürfen. Die Mannschaft hat es bewältigt und ein Ergebnis erzielt, das lebenswichtig war für die Stimmung im Land. Gott sei Dank haben wir die drei Punkte geholt, und jetzt wissen alle, dass die Ukraine etwas erreichen kann. Wenn wir nun gegen Frankreich und England jeweils ein Unentschieden holen, sieht es sehr gut aus mit dem Viertelfinale.

Das wäre eine Riesensache für unser Land, das sich wirklich alle Mühe gibt, ein guter Gastgeber zu sein. Klar, nicht alles funktioniert, nicht alles ist so perfekt wie in Deutschland bei WM 2006. Da geht es rund ums Stadion vielleicht ein bisschen ungeordneter, chaotischer zu. Aber bitte: Solche Probleme sind Kleinigkeiten und nur die Folge mangelnder Erfahrung mit Großereignissen wie einer EM.

Ich meine, ein Punkt ist sogar noch besser als damals in Deutschland: die Atmosphäre, wenn das Heimteam spielt. Im Olympiastadion von Kiew war es am Montag gewaltig. Noch einen Tick lauter, noch einen Tick prickelnder. Alles dank „Sheva“. Ich kann vor Andrej Schewtschenko, meinem ehemaligen Mitspieler in der Nationalmannschaft, einfach nur den Hut ziehen. Wie oft musste er vor dem Turnier lesen, dass er nicht mehr die Power der Vergangenheit besitzt. Mag ja auch sein, aber den Killerinstinkt, den hat er noch. Ich fand es sensationell, wie er die beiden Tore gemacht hat. Er wartet, lauert, ist zwei, drei Schritte weg und schlägt dann urplötzlich zu. Als ehemaliger Abwehrspieler kann ich sagen, dass du gegen ihn kaum eine Chance hast. In manchen Situationen ist „Sheva“ immer noch zu gut für alle.

Klar, er war sicher nicht der beste Spieler auf dem Platz, allerdings der effektivste. Die Tore hat er sich absolut verdient, und ich freue mich riesig für ihn. Er ist wieder da! Die Tore machen ihm Mut und lassen ihn mit breiter Brust und freiem Kopf in die Partie gegen Frankreich gehen. Ich hoffe, er legt dann nach.

Der Ukrainer Victor Skripnik (42) spielte in seinen acht Jahren (1996 bis 2004) bei Werder Bremen 138 Mal in der Bundesliga (sieben Tore). Nach seiner Karriere blieb er in Bremen und betreut seither Werder-Juniorenteams, aktuell die U 17. Für sein Heimatland war er 24 Mal im Einsatz. Bei der EM arbeitet Skripnik auch als Experte für das ukrainische Fernsehen.

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