Ex-Werder-Profi heuert beim FC Dodsal an / Das Rum-Geschäft läuft gut

Vertrag in Indien: Silvestre wagt das finale „Abenteuer“

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Silvestre wagt das finale „Abenteuer“.

Bremen - Die Kommandos sind freundlich, aber auch bestimmend. „Upstairs, please“ oder „No, no – over there in the bedroom“. Mikael Silvestre hat alle Hände voll zu tun. Der 35-Jährige, bis Sommer noch bei Werder unter Vertrag, muss das Telefonat mehrfach kurz unterbrechen und den Mitarbeitern der Spedition sagen, wohin sie die Kisten und Möbel tragen sollen.

Endlich sind die ganzen Sachen aus Bremen da und können im Haus in Manchester verteilt werden. Wobei: Eigentlich lohnt es sich gar nicht, alles auszupacken, denn Ende Dezember ziehen die Silvestres schon wieder um. Mit seiner Frau und den inzwischen vier Kindern verlässt er England und geht nach Indien. Dort wird er für den erst seit Mai existierenden FC Dodsal in der riesigen Hafenstadt Mumbai (ehemals Bombay/12,5 Millionen Einwohner) spielen.

„Das Angebot habe ich seit Sommer – und mich jetzt entschieden, es anzunehmen. Ende Oktober unterschreibe ich den Vertrag. Bis Weihnachten sind wir dann noch hier in unserem alten Haus, danach verkaufen wir es. Und los geht’s. Im Januar beginnt in Indien die neue Saison“, sagt Silvestre und fügt mir hörbarer Vorfreude an: „Ich bin noch nie dagewesen, das wird sehr aufregend – ein großes Abenteuer.“

Seit seinem Abschied von Werder im Mai hat der frühere französische Nationalspieler einiges erlebt: „Erst war ich kurz in Frankkreich, danach vier Wochen mit der Familie im Urlaub in Florida – und dann in London.“ Dort kam am 20. August Sohn Zack zur Welt, der erste Junge nach zuvor drei Mädchen. Und dort trainierte der arbeitslose Profi drei Wochen bei seinem ehemaligen Club FC Arsenal mit. Chancen, dort wieder unterzukommen, habe er sich nicht ausgerechnet. „Die haben so viele Verteidiger. Ich wollte nur meinen Fitnessstand halten“, sagt Silvestre. Größer war die Hoffnung auf einen neuen Job da schon während des Probetrainings beim Londoner Club West Ham – aber sie erfüllte sich nicht: „Sie haben mich nicht genommen. Schade, es wäre gut gewesen und hätte gepasst.“

Ende September ging’s weg aus London und zurück nach Manchester, wo der 35-Jährige von 1999 bis 2008 seine beste und erfolgreichste Zeit als Profi gehabt hatte. Er fragte seinen Ex-Coach Alex Ferguson, ob er mittrainieren dürfe – und der „Sir“ nickte. In englischen Medien wurde wenig später wegen der großen Personalnot in der Defensive spekuliert, dass Silvestre sein Comeback für „ManU“ geben könnte. Doch daraus wurde nichts. „Die angeschlagenen Spieler kommen nach und nach zurück. Ich habe aber auch nicht wirklich darauf spekuliert, hier wieder einen Vertrag zu bekommen“, sagt Silvestre: „Für mich ist wichtig, dass ich im Training bleibe.“

Bis Ende des Jahres macht er noch bei den „Red Devils“ mit, dann schlägt er das wohl letzte Kapitel seiner Karriere auf. „In Indien ist Cricket der Volkssport Nummer eins“, weiß Silvestre bereits: „Der Fußball beginnt sich gerade erst zu entwickeln. Da kann man viel bewegen.“

Und viel verdienen. Ähnlich wie in Katar versuchen inzwischen auch die Inder, mit dicken Brieftaschen alternde Stars anzulocken. Die sollen mit ihren großen Namen eine Euphorie entfachen und helfen, den Fußball im zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde (über 1,2 Milliarden Einwohner) peu a peu zu etablieren. Etwa Fabio Cannavaro, Kapitän des italienischen Weltmeister-Teams von 2006. Oder Robert Pires (38/früher unter anderem Arsenal), Robbie Fowler (37/Liverpool) und Hernan Crespo (37/Chelsea), die in Indien waren oder sind – und die Silvestre aus der Premier League kennt.

Er selbst weiß noch nicht, wie lange er bleibt: „Ich denke, mindestens zwei Jahre, vielleicht mehr. Mal sehen, wie ich mich dann fühle.“ Ein bisschen vorgesorgt für die Zeit nach der Karriere hat Silvestre bereits. Seine eigene Rum-Marke („R.St.Barth“) gebe es mittlerweile auch in den USA, Frankreich, Schweden und England. „Am Wochenende sind wir bei einem großen Rum-Festival in London dabei“, sagt Silvestre und fügt zufrieden an: „Das Geschäft läuft zwar langsam, aber es läuft.“ · mr

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