Verrücktes 1:1 – Werder ist Spitze

Nass und umkämpft – damit ist das Duell zwischen Werder Bremen (hier mit Alexander Ignjovski) und dem 1. FC Nürnberg (mit Robert Mak) schon treffend beschrieben.

Aus Nürnberg berichtet Björn Knips - Clemens Fritz schnaufte tief durch, schüttelte den Kopf und meinte dann nur noch: „Total verrückt, das war total verrückt.“

Nicht nur der Kapitän des SV Werder Bremen wird dieses Bundesliga-Spiel beim 1. FC Nürnberg nie mehr vergessen, dieses 1:1 (0:1) im Frankenstadion war einzigartig – und bescherte den Gästen als Krönung auch noch die Tabellenführung.

Weder die frühe Verletzung von Sokratis (5.) noch die Rote Karte für Tim Wiese (17.) – und schon gar nicht der kleine Weltuntergang im Frankenland mit sintflutartigen Regenfällen und einem fiesen Hagelschauer hatte die Bremer bezwingen können. Mit großer Moral – und ausgerechnet dank eines Tores des Ex-Nürnbergers Mehmet Ekici – erkämpfte sich Werder einen bemerkenswerten Punkt.

Werder - Nürnberg 1:1

Werder - Nürnberg 1:1

„So lange wir so wie heute als Mannschaft auftreten, wo jeder für den anderen kämpft, wird alles gut“, prophezeite Andreas Wolf. Der Neu-Bremer hatte schon vor der Partie im Mittelpunkt gestanden. Nach 14 Jahren beim „Club“ gab‘s eine freundliche Verabschiedung vom Ex-Arbeitgeber und Sprechchöre von den Rängen. Derweil lief sich schon Lukas Schmitz hinter dem Tor warm. Denn Sokratis hatte sich beim Aufwärmen an den Adduktoren verletzt. „Er hat es trotzdem probiert, das nehme ich auf meine Kappe“, gestand später Werder-Coach Thomas Schaaf. Schon nach Sokratis‘ erstem langen Pass und gerade einmal fünf Minuten musste Werder wechseln. Schmitz, der etwas überraschend für Aleksandar Ignjovski auf der Bank gesessen hatte, kam rein, verteidigte nun links, während der Serbe auf die rechte Seite von Sokratis wanderte.

Werder wirkte verwirrt, es lief nichts zusammen. Und es war Tim Wiese zu verdanken, dass die Gäste nicht in Rückstand gerieten: Einen Freistoß von Markus Mendler lenkte er gerade noch um den Pfosten (14.). Doch nur drei Minuten später zeigte der Nationalkeeper das krasse Gegenteil dieser Weltklasseparade. Völlig unnötig stürmte er bei einem langen Ball aus dem Tor, irritierte den klärungsbereiten Sebastian Prödl, verdaddelte den Ball an Christian Eigler und riss den aufs leere Tor zueilenden Nürnberger einfach um. Eine klare Notbremse. Schiedsrichter Dr. Jochen Drees zeigte auch sofort Rot. Zum Unmut der Gastgeber, denn Mendler hatte noch zum 1:0 eingeschossen. „Das Spiel war da schon unterbrochen“, rechtfertigte sich Drees, der mit ein bisschen Wartezeit Wiese Rot erspart und dem Spiel ein Elf gegen Elf beschert hätte. Doch das wollte ihm später niemand mehr ankreiden. So gestand Wiese: „Dumm gelaufen. Das war Rot.“

Verrückt, Werder tat der Platzverweis zunächst richtig gut. Nach der verschlafenen Startphase blühten die zehn verbliebenen Bremer auf. Claudio Pizarro bediente Ekici, und der Ersatz des verletzten Marko Marin vollendete eiskalt zum 1:0 (24.). Aus Respekt vor seinen Ex-Kollegen blieben Ekicis Arme allerdings unten: „Ich habe innerlich gejubelt.“

Nürnberg war geschockt – und wenige Minuten später auch die Bremer sowie die 43 121 Zuschauer. Denn aus dem harmlos einsetzenden Regen wurde erst ein Wasserfall, dann eine Hagelattacke. Der Schiri ließ trotzdem sechs Minuten unter Wasser spielen, pfiff die Partie erst pünktlich zur Pause ab. Verrückt: Vor drei Jahren hatte Drees an selber Stelle gegen Wolfsburg nach gut einer Stunde wegen Dauerregens Schluss gemacht und das Spiel abgebrochen. Diesmal war er vorsichtiger, verlängerte die Pause um zwanzig Minuten – und bei plötzlichem Sonnenschein ging‘s auf tiefem, aber bespielbarem Boden weiter.

Doch nichts war mehr wie vorher. Werder stand nur noch hinten drin. Allerdings so gut, dass Nürnberg lediglich der Ausgleich durch Philipp Wollscheid gelang (63.). Per Kopf nach einer Ecke, was die Sache etwas ärgerlich für die Gäste machte, weil das mit der Unterzahl „nichts zu tun hatte“, wie Klaus Allofs anmerkte. Der Werder-Boss war dennoch zufrieden, sprach von einem „Sieg der Moral“. Und Naldo, der als dritter Innenverteidiger kam und aus der Vierer- eine Fünferkette machte, schwärmte: „Es ist schön, mindestens eine Nacht ganz oben in der Tabelle zu stehen.“

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