Thomas Schaaf blickt auf eine Saison zurück, in der Werder die ganze Bandbreite des Fußballs ausschöpfte

Verrückt, spektakulär, fehlerhaft

Höhenflug in der Hinrunde, Aufholjagd am Ende – frühes Aus in Europa, Finale im DFB-Pokal: „Es war eine hervorragende Saison“, bilanziert Thomas Schaaf.

Bremen - Von Carsten Sander · 52 Pflichtspiele liegen hinter Werder Bremen – es war wieder eine Marathon-Saison. Ähnlich wie die vorangegangene, in der Werder 55 Partien absolvierte, dabei zwei Finals erreichte und den DFB-Pokal gewann. Die Champions League wurde damals aber klar verpasst.

Diesmal steht nach dem klar verlorenen DFB-Pokalfinale zwar keine neue Trophäe im Schrank, die Tür zur Königsklasse aber offen. Zufrieden bilanziert Trainer Thomas Schaaf deshalb die abgelaufene Spielzeit: „Es ist uns wieder gelungen, in mindestens einem Rennen bis zum Ende dabei zu sein. Es war eine hervorragende Saison, in der wir unsere Fans wieder begeistert haben.“ Aber auch der Verzweiflung nahe gebracht – wie während der Krise im Winter oder beim Europa-League-Aus gegen den FC Valencia. Bei seinem Blick zurück spricht Schaaf über…

…Rang drei in der Liga

„Platz drei ist eine sehr gute Platzierung und das Maß dessen, was die Mannschaft leisten kann. Wenn alles optimal gelaufen wäre, wäre vielleicht noch mehr möglich gewesen. Es gab aber auch die Gefahr, noch ganz da oben rauszufallen.

Werder-Training ohne Nationalspieler

In der Hinrunde (Werder war über Wochen Zweiter, d. Red.) haben wir Leistungen erzielt, die wir so gar nicht erwartet hatten. Es lief unheimlich rund. Auch ohne Diego hatten wir wieder eine spielerisch starke Mannschaft. Dann kam das 6:0 in Freiburg. Wir hatten gar nicht so gut gespielt, wurden aber bis-zum-geht-nicht-mehr gelobt. Das hat mir nicht gefallen, aber ich konnte nach einem 6:0 auch nicht mit negativer Kritik daherkommen. Die Niederlagen gegen Schalke und den HSV haben dann vieles wieder relativiert.“

…die Winter-Krise

„Wir waren körperlich in einem Tief, die Spieler konnten ihre individuellen Fähigkeiten nicht so einbringen wie sonst. Und ich habe mich in meiner Meinung bestätigt gefühlt, dass die Winterpause mittlerweile viel zu kurz ist. Der Körper muss sich die Substanz irgendwann wieder holen. Das hat aber gedauert, wir brauchten Geduld. Das Spiel gegen die Bayern kam deshalb für uns zum falschen Zeitpunkt (Werder verlor 2:3 und jahrübergreifend fünf Partien in Folge, d. Red.). Es war verrückt: Die Bayern hatten so viele Chancen wie wohl noch nie im Weserstadion. Trotzdem hätte die Partie noch kippen können.“

…den Schlussspurt

„Wie weit waren wir zwischenzeitlich weg? 16 Punkte hinter Leverkusen? Acht hinter dem HSV? Trotzdem haben wir es am Ende geschafft, Dritter zu werden. Das war eine tolle Leistung der Mannschaft, die eindrucksvoll gezeigt hat, dass sie etwas erreichen will.

Ein Ergebnis der Saison ist, dass man nie denken darf, an einem Punkt schon etwas sicher oder etwas verloren zu haben.“

…die Europa League

„Wir sind gegen Valencia ausgeschieden, ohne ein Spiel verloren zu haben. Das 4:4 (Hinspiel in Spanien 1:1, d. Red.) war richtig verrückt und ein Spiegelbild unserer Mannschaft. Sie hat Fehler gemacht, aber nicht aufgesteckt. Es waren außergewöhnliche, spektakuläre Dinge dabei, aber wir haben auch zu viel freigegeben.

Ich sage, das Finale wäre für uns wieder möglich gewesen. Aber gegen Valencia haben wir den entscheidenden Punkt nicht gesetzt.“

…den DFB-Pokal

„Aus meiner Sicht ist es unglaublich, dass wir wieder im Finale gestanden haben. Man läuft schnell Gefahr, das als selbstverständlich hinzunehmen. Im Moment wirkt natürlich noch das 0:4 gegen Bayern München nach. Das Endspiel-Ereignis hat uns zwar erneut begeistert, aber wir sind auch enttäuscht, dass wir das Spiel nicht enger gestaltet haben. Das hängt mir noch in den Kleidern, das geht auch so schnell nicht raus.“

…die neuen Stars

„Über Marko Marin gab es am Anfang geteilte Meinungen, wie er einzuschätzen ist. Aber wir haben ihm gleich das Vertrauen geschenkt, und er hat sich unserem Spiel angepasst – mal gut, mal ist er in ein altes Schema zurückgefallen. Aber er hat seine Qualitäten aufgezeigt. Ich glaube, es war eine hervorragende Saison für ihn.

Philipp Bargfrede kannten vor der Saison noch nicht viele. Ich wollte ihn eigentlich schon ein Jahr früher zu den Profis holen, aber das klappte wegen einer Verletzung nicht. Er ist kein Lautsprecher, spuckt keine großen Töne, sondern widmet sich total seiner Arbeit. Als er im Winter verletzt war, hat man gesehen, dass uns seine Qualität im Mittelfeld gefehlt hat. Ich hoffe, dass er sich noch weiter verbessert.“

…Saison-Erkenntnisse

„Zwei Spielzeiten mit unheimlich vielen Partien haben ein Ergebnis gebracht: Wir können mit unserem Kader nicht so auf drei Hochzeiten tanzen, wie wir es gerne möchten. Wir müssen begreifen, dass wir nicht alles erreichen können. Wir werden aber immer wieder das Maximum anstreben. Ab und zu kriegen wir dabei zwar einen auf die Mütze, aber das spornt uns nur noch mehr an.“

…Verstärkungen

„Wir haben die Qualifikationsrunde zur Champions League erreicht. Das heißt aber nicht, dass da jetzt ein Goldesel steht, an dessen Schwanz wir nur noch ziehen müssen. Wir müssen die Quali abwarten und dann schauen, ob wir noch einen besonderen Transfer tätigen können. Im Moment stecken wir noch in der Analyse, auf welchen Positionen der größte Handlungsbedarf besteht.“

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