Boenisch über Polens Aus, seinen Wechsel nach Stuttgart und Gebre Selassie

„Es ist verrückt, was in dieser Gruppe passiert ist“

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Sebastian Boenisch weint um die EM – und ein bisschen auch um seine Zeit bei Werder.

Werder-Bremen - Von Björn Knips · Zwischenstopp in Frankfurt: Sebastian Boenisch kommt gerade aus Warschau und wartet auf seinen Flieger nach Bremen. Die EM endete für den polnischen Nationalspieler früher als erwartet.

Die Enttäuschung darüber ist dem 25-Jährigen noch deutlich anzuhören – die Begeisterung, dabei gewesen zu sein, allerdings auch. Der Außenverteidiger, der Werder wohl nach fünf Jahren Richtung VfB Stuttgart verlassen wird, zieht ein persönliches EM-Fazit.

Herr Boenisch, wie geht es Ihnen nach dem bitteren EM-Aus?

Sebastian Boenisch:Das ist schwierig zu sagen. Ich bin immer noch dabei, das alles zu verarbeiten. Das war schon richtig bitter.

Nach dem Spiel gegen Tschechien waren Tränen in Ihren Augen zu sehen.

Boenisch:Das ist doch normal, wenn man so etwas erlebt. Wir waren sieben Wochen zusammen, da war eine unglaubliche Atmosphäre im Team, obwohl wir aus unterschiedlichen Vereinen und Ländern kommen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Da tut es richtig weh, wenn es plötzlich vorbei ist.

Warum ist Polen schon in der Vorrunde gescheitert?

Boenisch:Ich weiß es nicht. Es ist verrückt, was in dieser Gruppe passiert ist. Ich denke, dass wir ein gutes Turnier gespielt haben. Aber im letzten Spiel haben wir in der zweiten Hälfte zu wenig gemacht. Das müssen wir uns vorwerfen.

Pfiffe von den Rängen gab es trotzdem nicht, und einen Tag später wurde die Mannschaft in Warschau gefeiert.

Boenisch:Unsere Fans sind unglaublich. Sie hätten es verdient gehabt, Europameister zu werden. 50 000 haben uns auf der Fanmeile gefeiert. Da haben wir gespürt, was wir mit unserer Spielweise in Polen erreicht haben. Wir wollen nun unbedingt die Qualifikation für die WM 2014 schaffen, das haben wir unseren Fans versprochen.

Wird Franciszek Smuda dann noch Trainer sein? Es gibt einige Verwirrung um seine Zukunft.

Boenisch:Uns hat er gesagt, dass sein Vertrag durch das Vorrunden-Aus zu Ende ist, er aber noch mit dem Verband sprechen möchte.

Geht es weiter?

Boenisch:Ich denke nicht, dass er bleibt. Er hat uns super auf dieses Turnier vorbereitet, doch die Enttäuschung ist jetzt einfach zu groß.

Sie haben sich vor zwei Jahren entschieden, nicht für Deutschland, sondern für Polen zu spielen. War das richtig?

Boenisch:Absolut. Welcher Fußballer darf schon bei einer Heim-EM dabei sein? Es war fantastisch. Diese Fahrten im Bus zum Spiel werde ich nie vergessen. Die Leute haben gejubelt, sind fast vor Freude unter den Bus gestürzt, die waren einfach nur glücklich. In Deutschland hätte ich keine Chance bekommen.

Wie bewerten Sie Ihre Leistung?

Boenisch:Ich habe alle Spiele gemacht, mich dabei sehr gut verkauft – ich bin zufrieden. Es soll ja Menschen geben, die mir und meinem Knie das nicht zugetraut haben. Aber mein Knie hält, auch das hat die EM gezeigt.

Wann wird Ihr Wechsel zum VfB Stuttgart bekanntgegeben?

Boenisch:Da ist noch nichts unterschrieben. Ich habe mich mit Fredi Bobic (VfB-Manager, Anm. d. Red.) getroffen, das waren sehr gute Gespräche.

Es fehlt also nur noch der Medizincheck?

Boenisch:(lacht) Der Medizincheck fehlt noch bei allen Interessenten. Ich bin ablösefrei und habe keine Eile.

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Das Kapitel Werder ist aber beendet, oder?

Boenisch:Davon gehe ich aus. Mein Berater Dieter Burdenski hat noch einmal mit Klaus Allofs (Werder-Boss, Anm. d. Red.) gesprochen, aber der wollte sich finanziell nicht mehr bewegen. Deshalb ist das Thema erledigt, auch wenn mir das nicht leicht fällt. Bremen ist mir ans Herz gewachsen. Ich weiß, dass so etwas viele Profis sagen, aber ich versichere: Bei mir stimmt es.

Werder hätte sich von Ihnen in den vergangenen fünf Jahren eine bessere Entwicklung gewünscht.

Boenisch:Klaus Allofs hat Recht, wenn er sagt, ich hätte mein Potenzial nicht annähernd ausgeschöpft. Das tut mir auch leid. Aber trotzdem denke ich, dass ich in den letzten fünf Jahren Werders bester Linksverteidiger war. Für die Verletzungen konnte ich nichts. Ich bin Werder dankbar, dass vor einem Jahr mein Vertrag verlängert wurde, als ich verletzt war. Ich habe versucht, mich dafür auf dem Platz zu revanchieren. Schade, dass es jetzt vorbei ist.

Wie geht es mit Werder weiter?

Boenisch:Bei den vielen Abgängen wird es nicht leicht. Der Tscheche, den sie holen wollen (Theodor Gebr Selassie, Anm. d. Red.), ist auf jeden Fall ein sehr guter Spieler. Ich habe gegen ihn gespielt. Der macht Dampf und ist sympathisch. Ein guter Junge.

Sorry, aber die Frage muss zum Abschluss noch sein: Wer wird Europameister?

Boenisch:Das ist mir gerade sowas von egal. Aber gut, das Leben geht ja weiter. Ich tippe auf Deutschland, obwohl bei dieser verrückten EM alles möglich ist.

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