Als Werder 6:0 in Freiburg gewann, Tabellenführer wurde – und danach auf Platz sechs abstürzte

Das verfluchte Zauberspiel

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Sechs Mal jubelten Hugo Almeida und die Bremer in Freiburg.

Bremen - Von Arne Flügge · Es war an einem Samstag im November. Werder Bremen hatte gerade die Breisgauer Festspiele gefeiert, den SC Freiburg mit 6:0 filetiert und für eine Nacht die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga übernommen

. Es war der Höhepunkt turbulenter Wochen gewesen, in denen das magische Dreieck mit Mesut Özil, Aaron Hunt und Marko Marin eine Zauberkraft versprühte, die einem Schauer über den Rücken jagte. Titelträume reiften an der Weser. Alles war gut.

Doch der grandiose Auftritt war, wie sich einige Wochen später herausstellte, mehr Fluch denn Segen. Nach diesem Spiel rutschte Werder in die Krise und auf Platz sechs ab. Sieben sieglose Spiele in Folge, davon sogar fünf Pleiten in Serie. Alles, was sich die Hanseaten in einer über lange Zeit starken Hinrunde aufgebaut hatten, war wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Auch für Mesut Özil war diese Partie am 21. November 2009 ein Wendepunkt gewesen. Nach einer bis dato grandiosen Hinrunde, die er mit vier Torvorlagen und einem Treffer in Freiburg krönte, rutschte der Mittelfeldspieler in eine Krise, aus der er sich bis heute nicht richtig befreit hat. Nur ein (!) Tor in den 21 Pflichtspielen nach seiner Gala – das spricht eine deutliche Sprache.

Warum dieser Einbruch Werder traf, das weiß bis heute niemand so recht. Auch Linksverteidiger Sebastian Boenisch grübelt noch immer: „Es war auf jeden Fall nicht so, dass wir überheblich geworden wären. Wir haben nicht gesagt: Wir schlagen jetzt jeden.“

Gesagt vielleicht nicht, aber tief im Unterbewusstsein vielleicht doch gedacht. „Wir wussten, dass wir in der Offensive stark sind“, erinnert sich Rechtsverteidiger Clemens Fritz, „wir haben dann aber die Defensivarbeit zu sehr vernachlässigt.“ Und das, so Sportchef Klaus Allofs, sei der Casus Knacktus gewesen. „Nur wenn wir alle unsere Qualitäten Woche für Woche abrufen, können wir ganz oben mit dabei sein. Doch das muss man erstmal schaffen. Wir haben eine sehr talentierte Truppe, die aber auch noch sehr viel lernen muss.“

Nach der Gala in Freiburg wurden zudem Begehrlichkeiten geweckt. Gerecht werden konnten die Bremer diesen nicht. „Jede Leistung, die so auffällig ist, schürt natürlich auch hohe Erwartungen“, weiß Trainer Thomas Schaaf, der aber irgendwie schont geahnt haben musste, dass ein Einbruch vor der Tür stand. „Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon eine Menge Spiele absolviert“, erinnert der 48-Jährige an die hohe Belastung, der sein Team ausgesetzt war. Das Ergebnis seien dann nur noch „gemischte Leistungen“ gewesen.

Die Vorzeichen heute sind andere. Wenn Werder um 15.30 Uhr den SC Freiburg zum ersten von fünf Endspielen um die Champions-League-Qualifikation empfängt, hat Schaaf ein ausgeruhtes Team zur Verfügung. In der Europa League ist Werder draußen, im DFB-Pokal im Finale. Der Fokus liegt also allein noch auf der Bundesliga. „Wir sind jetzt in einem normalen Rhythmus, haben jede Woche nur noch ein Spiel. Da kann es kein Thema mehr sein, dass man körperlich nicht so gut drauf ist“, sagt Schaaf. Und das gibt ihm die Hoffnung, „dass wir besser agieren und erfolgreicher sein werden, als wir es im Herbst waren.“

Denn auch Schaaf hat die Champions League nach fünf Teilnahmen in Folge lieb gewonnen. Und er sieht auch das Potenzial in seiner Mannschaft, Platz drei, dieses noch letzte große Ziel vor dem Pokalfinale am 15. Mai in Berlin, noch zu erreichen.

Doch dafür, fordert der Bremer Coach, muss jetzt einfach alles passen. Klar, die Konkurrenz muss bei fünf Punkten Rückstand mitspielen – und patzen. Vor allem aber muss erstmal wieder die eigene Leistung stimmen. Konstant und auf hohem Niveau. Einstellung, Engagement und der unbedingte Wille, von Beginn an Gas zu geben und konzentriert zu sein, sind die Tugenden, die Schaaf seinen Spielern jetzt ins Stammbuch geschrieben hat.

Denn er ist es leid, immer erst in Rückstand geraten zu müssen, hinterher zu hecheln, bevor es bei seinem Team klick macht. „Ich marschiere lieber vorneweg“, lautet sein Credo, das jetzt auch seine Mannschaft verinnerlichen soll. Denn viele Chancen, das weiß der Werder-Trainer natürlich, wird die Konkurrenz den Bremern nicht mehr geben.

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