Werder-Rückrunde lässt Böses erahnen / „Da geht dir der Hintern auf Grundeis“

Ins Verderben gerannt

Jahrelang Erfolgstrainer, jetzt in der Kritik: Für Thomas Schaaf hat sich der Wind gedreht. ·

Bremen - von Carsten Sander. Die Hände tief in den Taschen der Trainingsjacke vergraben, die Lippen zusammengekniffen stand er da und schaute seinem Personal beim Üben zu. Ob sich Thomas Schaafs Gedanken dabei auf der Suche nach den tieferen Gründen für die miserabelste Rückrunde der Werder-Geschichte befanden?

Ob er dabei vielleicht auch auf sich und seine Methoden als Ursache stieß? Es kann nur gemutmaßt werden. Eindeutig sicher war aber, dass er nicht daran dachte, wie er das Verpassen des Saisonziels europäischer Wettbewerb öffentlich erklären soll. Denn Schaaf erklärte gestern gar nichts. Er schwieg.

„Keine Aussagen von mir“, teilte er beim Verlassen des Trainingsplatzes mit. Es folgte noch der Zusatz „Fragen Sie die Spieler“, dann schloss sich das eiserne Marathontor hinter dem Trainer des SV Werder Bremen. Zurück in der schützenden Hülle des Weserstadions, wo ihm niemand etwas Böses will.

Werder-Training am Montag

Werder-Training am Montag

Anders als die stetig wachsende Zahl der Schaaf-raus-Rufer hält der Verein weiter zu seinem Coach. Und das, obwohl die Entwicklung in seinem zwölften Amtsjahr eindeutig negativ war und mit dem erreichten neunten Tabellenplatz völlig unzureichend dokumentiert ist. Tatsächlich hat Werder in der Rückrunde wie ein Absteiger gespielt und damit eine Hinrunde, die noch zu wilden Champions-League- oder gar Meister-Phantasien angeregt hatte, der Bedeutungslosigkeit zugeführt.

Und woran wird in Bremen jetzt gedacht? Nicht mehr an die Königsklasse, sondern an den Abstiegskampf – siehe Clemens Fritz, der sagt: „Nur 13 Punkte in der Rückrunde – wenn du das mal umdrehst und auf eine Hinrunde überträgst, geht dir der Hintern ganz schön auf Grund-eis.“

Es gehört nicht einmal besonders viel Vorstellungskraft dazu, sich Werder in der kommenden Saison tief im Tabellenkeller vorzustellen. Aktuell verlassen Stars und Leistungsträger den Club, Neuzugänge müssen billig sein. So geht vielleicht Umbruch. Aber geht so auch Aufschwung?

Claudio Pizarro hat Zweifel. Er selbst zögert seine Entscheidung über eine Vertragsverlängerung weiter hinaus – und wird dies dies trotz eines Ultimatums von Geschäftsführer Klaus Allofs noch bis zur Abreise nach Peru in zwei Wochen fortsetzen. „Wir brauchen noch einige erfahrene Spieler. Das hat man gemerkt, wenn bei uns welche ausgefallen sind“, fordert er. Clemens Fritz weiß ebenfalls nicht, „wie das Gesicht der Mannschaft aussehen wird“. Klar ist für ihn nur, dass „der Anspruch, oben mitzuspielen, weiter da ist“.

Schön und gut. Der gefühlte Trend ist aber gegenläufig. Fügt man beispielsweise die aktuelle Rückrunde und die Hinrunde der Vorsaison zusammen, wäre Werder mit 32 Punkten eindeutig ein Absteiger. Andersherum: Die Hinrunde dieser Serie und die Rückrunde 2010/11 hätten mit 51 Zählern für die Europa League reichen können. Zahlenspiele wie dieses sind der Grund, weshalb Fritz immer noch sagt: „Wir haben zwar nicht mehr die Qualität von vor drei, vier Jahren. Aber Potenzial ist noch da.“

In den vergangenen 17 Partien ist es aber nur zweimal aufgeblitzt – bei den Siegen über den Hamburger SV und Hannover 96. Der große Rest war großer Murks. Und mit jeder der acht Rückrunden-Niederlagen und sieben Unentschieden schwand bei den Fans der Kredit von Trainer Schaaf und Sportdirektor Allofs. Dass Letztgenannter die Protestplakate am Samstag im Weserstadion als Meinungen Einzelner abtat, zeigt, dass er Gefahr läuft, die Strömungen in der Öffentlichkeit zu verkennen.

Der Wind hat sich für das einstige Erfolgsduo längst gedreht. Beide brauchen in der kommenden Saison viele Transfer-Volltreffer, um Vertrauen zurückzugewinnen. Vor allem aber muss Thomas Schaaf seiner Mannschaft wieder die richtigen Wege aufzeigen, damit folgender Wert eine positive Aussagekraft erhält: Werder war in der Saison mit 119,3 zurückgelegten Kilometern pro Spiel das zweitlauffreudigste Team der Liga hinter Nürnberg (119,9). Dumm nur, dass insgesamt die Orientierung fehlte und Werder ins Verderben rannte. · csa

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