Thomas Schaaf hat sich verändert – schafft er so mit Werder Bremen noch die Wende?

Der verbitterte Arbeiter

Thomas Schaaf auf dem Weg zum Training: Ein „Guten Morgen“ sollte in diesen Momenten niemand erwarten.

Werder-Bremen - Von Björn KnipsBREMEN · Thomas Schaaf hat bald Geburtstag, am 30. April wird er 50. Ob er dann wieder einen Lachsack geschenkt bekommt? Vor 13 Jahren hatten sich die Werder-Amateure den Spaß erlaubt, ihren Trainer mit diesem Präsent zu überraschen. Weil Schaaf angeblich jemand war, der zum Lachen in den Keller geht. Der Beschenkte bewies in den folgenden Jahren das Gegenteil und erwarb sich einen Ruf als freundlicher, humorvoller und erfolgreicher Coach. Bremen liebt ihn, Deutschland mag ihn. Schaaf ist Werder – und Werder ist Schaaf. Doch dieser in Stein gemeißelte Satz bröckelt. Das liegt zum einen am ausbleibenden Erfolg, zum anderen aber auch an Schaafs persönlichem Wandel – intern und extern sind seine Beliebtheitswerte gesunken. Schaaf ist ein verbitterter Arbeiter geworden und bringt damit den Lachsack als Geschenk-Idee wieder ins Spiel. Von den Fans wird er im Internet schon „Grantel“ genannt.

Keine Spur mehr von Lockerheit bei dem 49-Jährigen. Nur noch ganz selten gönnt er sich auf dem Trainingsplatz einen Spaß mit den Spielern. Zumeist herrscht eine Atmosphäre wie in einer Kaserne: Die Mannschaft marschiert, und der etwas abseits stehende Befehlshaber schreitet lautstark ein, wenn einer aus der Reihe tanzt. Natürlich, es ist Abstiegskampf, da wird der Ton auch mal unfreundlicher. Aber die Politik der harten Hand war bislang erfolglos, die Mannschaft geht trotzdem regelmäßig unter und holte aus den vergangenen 14 Spielen nur zwei Siege und vier Remis. Schlechter war kein anderer Bundesligist, der Relegationsplatz ist nur einen Zähler entfernt und dank der miserablen Tordifferenz (28:48) schon bei Punktgleichheit mit der Konkurrenz garantiert.

Die Spieler finden Schaafs Verhalten normal – zumindest offiziell. Hinter vorgehaltener Hand wird schon ein wenig gemurrt, die gelegentlichen Acht-Stunden-Tage als unnötige Kasernierung kritisiert. Aber das Wehklagen hält sich in Grenzen, dem Coach wird lieber volle Rückendeckung gegeben. „Wir stehen zu 100 Prozent hinter ihm“, sagt Clemens Fritz und fügt noch an: „Es ist doch deutlich zu sehen, dass der Trainer noch intensiver arbeitet als sonst.“

Vielleicht will Schaaf aber auch zu viel. Jahrelang hat er seiner Mittelfeld-Raute vertraut, mittlerweile ändert er fast von Spiel zu Spiel seine taktische Formation. Beim 0:4-Debakel in Hamburg feierte sogar ein 4:1:4:1-System seine Premiere – und die Spieler schienen damit völlig überfordert zu sein. Schaafs Problem: Erstmals seit 2002 muss er ohne echten Spielmacher auskommen. Johan Micoud, Diego und Mesut Özil passten perfekt in Schaafs Konzept. Marko Marin und Aaron Hunt tun dies nicht. Sie waren als Nachfolger vorgesehen, enttäuschten aber. Werder lag mit seiner Transferpolitik daneben und hätte sich frühzeitig um einen Özil-Ersatz bemühen müssen. Doch das würde Schaaf nie zugeben. Es wäre Kritik an seiner, aber vor allem auch an der Arbeit seines Partners Klaus Allofs. Die beiden sind unzertrennlich. Ist eine Entscheidung getroffen, dann verteidigt sie Schaaf bis zur letzten Patrone. Wie im Fall Hugo Almeida. Kein anderer Bundesliga-Trainer hätte im Winter seinen besten Torjäger der Hinrunde ziehen lassen und sich dafür im Abstiegskampf mit einem unerfahrenen Schweden namens Denni Avdic abspeisen lassen. Zumal völlig ungewiss war, ob der Oberschenkel von Topstürmer Claudio Pizarro nach mehreren Streiks endlich Ruhe gibt. Prompt muckte der Muskel wieder auf.

Genauso wie regelmäßig Marko Arnautovic. Einer dieser Profis, die Werder angeblich nur bekommt, weil Schaaf so gut mit schwer erziehbaren Fußballern kann. Aber kann er das wirklich? Sicher, Ailton hat er hingekriegt. Carlos Alberto nicht. Bei Arnautovic ist eine Besserung zu erkennen – allerdings nur außerhalb des Platzes. Probleme gibt’s auch bei der Entwicklung anderer Spieler. Marko Marin und Aaron Hunt haben einen Schritt zurückgemacht, Per Mertesacker zurzeit sogar zwei. Daran ist natürlich nicht allein Schaaf Schuld, aber es gehört zu seinem Aufgabenbereich.

▪ Nur das TV-Lächeln

▪ ist geblieben

Das gilt eigentlich auch für die Öffentlichkeitsarbeit. Aber die hat der Coach quasi eingestellt, erledigt nur noch die Pflichttermine wie Pressekonferenzen und Fernseh-Interviews vor und nach Spielen. Sein TV-Lächeln funktioniert aber noch bestens, so dass die TV-Zuschauer weiterhin den lieben, netten Herrn Schaaf abspeichern. Die Journalisten machen fast täglich andere Erfahrungen. Ein Morgengruß darf als Erfolg gefeiert werden, eine kurze Info nach dem Training wie ein Sechser im Lotto. Längst vorbei sind die Zeiten, als sich Schaaf ausführlich erklärte und damit auch für Verständnis bei den Medienvertretern sorgte. Speziell in Krisen-Zeiten. Da sah er es immer als seine besondere Aufgabe an, gegenzusteuern und positiv aufzutreten.

Vergessen und vorbei. Das Positive vermissen auch Werder-Mitarbeiter, die nicht direkt mit den Profis zu tun haben. Schaaf würde fast immer schlecht gelaunt wirken, nur notdürftig Guten Tag wünschen, heißt es. Das ist natürlich nicht repräsentativ, vermittelt vom Trainer aber einen Eindruck, der vor Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

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