Die Trainer stehen im Fokus:

Unter Druck ins Nordderby

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Bremen/Hamburg · Augenscheinlich ist der Unterschied marginal. Robin Dutt und Thorsten Fink stecken mit ihren Clubs jeweils in der Krise, die sportlichen Probleme sind bei dem einen wie beim anderen überwältigend. In der Tabelle sind die beiden Fußballlehrer mit Werder Bremen (14.) und dem Hamburger SV (15.) sogar direkte Tabellennachbarn

. Und doch ist die Ausgangslage vor dem hochbrisanten Nordderby am Samstag, 15.30 Uhr, in der Imtech-Arena in einem ganz entscheidenden Aspekt unterschiedlich. Während Dutt seinen Neuaufbau in Bremen auch bei einer Niederlage und einem weiteren Alptraumspiel wie zuletzt gegen Frankfurt fortsetzen darf, könnte für Fink in Hamburg schon der Abpfiff kommen – wenn er das Derby verliert. Die Nordtrainer vor dem Nordderby – so heikel wird die Partie für sie.

Robin Dutt

Keine Frage: Nach drei Niederlagen in Folge steht der Werder-Coach unter Druck. Doch bei weitem nicht in dem Maß wie sein HSV-Kollege. Dutt hat Werder nach dem Fast-Abstieg übernommen, Dutt bekommt nun Zeit für den Neuaufbau eingeräumt. Allerdings ist die anfängliche Hätschel-Stimmung zwischen dem Coach und seiner Mannschaft mittlerweile von einer angespannteren Atmosphäre abgelöst worden. Nach dem 0:3 gegen Eintracht Frankfurt ging der Coach das erste Mal auf Distanz zu seinen von ihm lange über die Maßen gelobten Spielern. „Man darf nicht jede Leistung unter das Alibi der Entwicklung stellen“, grantelte der 48-Jährige nach der erschreckenden Vorstellung: „Als Heimmannschaft kann man anders in ein solches Spiel gehen.“

Zuletzt drei Niederlagen in Folge, aber Robin Dutt bekommt bei Werder Bremen alle Zeit der Welt, um sein Konzept durchzusetzen.

Es ist das erste Knistern zwischen ihm und dem Team, das sich bislang über maximalen Schutz durch den Coach freuen durfte. Doch die erhofften Fortschritte bleiben bislang aus. Werder spielte zuletzt schlechter denn je, kann Tore weder verhindern noch erzielen. Und das ist im Grunde das Schlimmste, was einer Fußball-Mannschaft attestiert werden kann. Lediglich ihr den Willen abzusprechen, wäre noch eine Steigerung. Doch das, sagt Dutt, wäre sachlich falsch: „Bei uns sind keine Jungs dabei, die keine Lust haben.“

Die Lust in Leistung zu verwandeln, ist ihm jedoch bisher nicht gelungen. Weder hat Dutt zu einer Stammformation noch zu einem erfolgversprechenden System gefunden. Im gewohnt unaufgeregten Bremen löst das aber (noch) keine Wellen der Kritik aus. Die Fans murren zwar, meutern aber nicht. Und die Geschäftsführung steht voll zu Robin Dutt, dem Coach ihrer Wahl. „Wir haben einen langfristigen Plan mit ihm. Er kriegt alle Zeit der Welt, umzusetzen, was er sich vorstellt“, erklärt Sportchef Thomas Eichin.

Thorsten Fink

Wird sein Rauswurf schon vorbereitet? Klar ist, dass HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer gestern die Türen für eine Trennung weit öffnete. „Das Thema Trainer stellt sich für mich Stand heute nicht“, sagte er zwar, schränkte zugleich aber ein: „Was weiß ich, was morgen ist?“ Ein Satz, der für Fink gefährlich ist.

Der Coach hat sich am Wochenende allerdings auch unnötig angreifbar gemacht. Beim Auslaufen nach dem 2:6-Debakel bei Borussia Dortmund fehlte er am Sonntagmorgen. Fink war zu seiner Familie nach München geflogen – und das, nachdem er Ex-Spieler Dennis Aogo nach dessen Mallorca-Abstecher noch suspendiert hatte. Als „ziemlich unglücklich“ bewertet Kreuzer folglich das Verhalten des Trainers.

Das Hauptproblem sind aber nicht irgendwelche Reisen und wer den sonntäglichen Waldlauf überwacht, sondern dass der HSV schon zweimal in dieser Saison gewaltig auf die Mütze bekommen hat. Erst das 1:5 gegen Hoffenheim, jetzt das 2:6 gegen den BVB. Mit 15 Gegentoren ist das Fink-Team das, was Werder in der Vorsaison war: die Schießbude der Liga. „Ich hoffe, dass Thorsten Antworten hat. Er ist ein Trainer, der offensiv spielen lässt, aber die Basis für Erfolg ist eine gute Defensive. Das müssen wir abstimmen“, forderte Kreuzer, der ehemalige Bayern-Verteidiger.

Auch Vorstandschef Carl Jarchow schaltete sich in die Diskussion ein und nahm Thorsten Fink ausdrücklich in die Verantwortung. „Ich habe grundsätzlich immer einen langen Atem. Im Vorstand erwarten wir aber schon, dass gewisse Dinge umgesetzt werden. In Dortmund hat sich das Debakel von Hoffenheim wiederholt – die Defensive ist unser Schwachpunkt, diese Fehler müssen wir umgehend abstellen“, sagte Jarchow und zielte in Richtung Fink, als er weiter ausführte: „Das ist sein Job.“

In der momentanen Verfassung drohe dem selbst ernannten Europacup-Anwärter sogar der Abstiegskampf, glaubt Jarchow: „Teams wie Werder Bremen oder Eintracht Braunschweig, die mit Sicherheit unsere Kragenweite sein müssten, haben es uns vorgemacht und in Dortmund weit weniger Gegentreffer bekommen.“ Aufsteiger Braunschweig kassierte beim Vizemeister zwei, Bremen lediglich einen Treffer.

Möglicherweise wird das Nordduell gegen Werder für Fink nun schon zum Schicksalsspiel – obwohl Kreuzer das so nie sagen würde: „Thorsten weiß, dass das Derby für uns alle ein brisantes Spiel ist. Schicksal ist aber etwas anderes.“

Das kursierende Gerücht, Coach Franco Foda habe den 1. FC Kaiserslautern unlängst nur verlassen, um für den Hamburger SV frei zu sein, wies Oliver Kreuzer scharf zurück: „Ich weiß nicht, woher der Name kommt, ich habe das auch gelesen. Das ist absoluter Schwachsinn.“ Solange Fink Trainer sei, beschäftige er sich nicht mit möglichen Nachfolgekandidaten, beteuerte der 47 Jahre alte Ex-Profi. · csa/dpa/sid

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