Im Nebel des Bürgerparks oder im Bauch des Weserstadions: Krisenbewältigung im Verborgenen

Der unsichtbare Schaaf

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Angeführt von Fitnesstrainer Reinhard Schnittker joggten die Werder-Profis gestern Morgen durch den Bürgerpark. ·

Bremen - Thomas Schaaf machte sich unsichtbar. Und das lag nicht nur am Nebel, der den Bremer Bürgerpark durchzog. Der Werder-Coach blieb bei der morgendlichen Laufeinheit seines Teams genauso im Hintergrund wie beim Training am Nachmittag.

Schaaf schickte seinen „Co“ Wolfgang Rolff mit einem Teil der Mannschaft auf den Platz, während er selbst im Stadioninneren die Defensivspieler um sich versammelte. Er tüftelte vermutlich an Maßnahmen, wie die Gegentorflut zu stoppen ist. Parallel warfen sich prominente Namen in die Wellen der Kritik, die derzeit über Schaaf zusammenschlagen.

Ausgerechnet Willi Lemke und Jürgen L. Born, so etwas wie Intimfeinde seit Borns Demission im Jahr 2009, finden bei der Causa Schaaf wieder zu trauter Einigkeit. „Jetzt wäre es das Falscheste, den Trainer infrage zu stellen“, bestätigte der Aufsichtsratsvorsitzende Lemke im „Weser-Kurier“ seine Verbundenheit mit Schaaf. Und Born, zehn Jahre lang der Werder-Boss, nannte die sportliche Situation mit Tabellenplatz 14 zwar „mehr als ernst“, doch an Schaaf rüttelt auch er nicht. „Ich würde nicht beim Trainer ansetzen“, erklärte der 73-Jährige auf „sport1.de“: „Es fehlen einfach die Stars in der Mannschaft, die früher das eine oder andere Pünktchen mehr ausgemacht haben. Außerdem: Er kann ja nach 14 Jahren in Bremen nicht plötzlich ein schlechter Trainer geworden sein.“

Plötzlich? Werder war in der vergangenen Saison Neunter geworden (nach der schlechtesten Rückrunde der Club-Geschichte), die Spielzeit davor wurde als 13. abgeschlossen. Aktuell ist der Abstiegskampf ausgerufen. Das alles passiert nicht plötzlich. Und ist jetzt nicht plötzlich wieder in heile Welt zu verwandeln. Das ist auch Born klar: „Kurzfristig sehe ich keine sprunghaften Veränderungen nach oben.“

Erstmal würde es schon reichen, wenn Werder so schnell wie möglich den Klassenerhalt perfekt macht. Der Club vertraut dabei weiter auf Schaaf – und der kehrte gestern in gewisser Weise zu seinen Anfängen als Bremer Coach zurück: Er schickte die Mannschaft am Morgen zum Laufen in den Bürgerpark. Das war früher unter ihm Usus gewesen, so begann jede Trainingswoche. In den Champions-League-Jahren verlor sich die Gewohnheit – jetzt wird sie neu belebt.

Was es bringt? Es ist erstmal nur ein Signal an die Mannschaft, die sich an den Montag als freien Tag gewöhnt hatte. Schaaf ließ gestern noch ein zweites Mal trainieren – die Offensiv-Abteilung mit Rolff auf dem Platz, er mit den Defensiven irgendwo im Bauch des Weserstadions. Die Bitte um ein kurzes Gespräch hatte er zuvor via Mediendirektor Tino Polster abgelehnt. Es sei alles gesagt, ließ der 51-Jährige nur mitteilen. Jetzt soll gearbeitet werden.

Daran orientierten sich auch die meisten Spieler. Marko Arnautovic, Zlatko Junuzovic, Assani Lukimya – sie alle schüttelten nur mit dem Kopf: keine Aussagen in dieser Woche. Werder verstummt – aber nicht ganz. Nils Petersen sprach und sagte, was sich die Mannschaft zum Ziel gesetzt hat: „Arschbacken zusammenkneifen, endlich wieder punkten.“ Und die Wut über die blamablen Leistung in den vergangenen Partie, die sich in allen Spielern aufgestaut habe, in Energie verwandeln. Mit einer „positiven Entladung“ am Samstag in Mönchengladbach, so Petersen.

Es sind Sätze aus dem Bremer Fortsetzungsroman „Beim nächsten Mal machen wir alles besser“. Damit dieses Buch zeitnah ein letztes Kapitel bekommt, schaltet sich nun auch der neue Sportchef Thomas Eichin in die Krisenbewältigung ein. Der 46-Jährige will den Profis, die aktuell nur eine Gruppe, aber keine Mannschaft bilden, ins Gewissen reden: „Ich werde Gespräche führen. Mit wem, sage ich nicht.“

Jürgen Born wünscht ihm Glück und äußert Mitgefühl für den Allofs-Nachfolger: „Er hat für seinen Dienstantritt einen grausamen Moment erwischt und steht vor schwierigen Aufgaben.“ · csa

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