Eine besondere Dolmetscherin

Ein Vertrag für Kleinheisler, aber kein Rucksack

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Laszlo Kleinheisler (rechts) trägt nun die Werder-Raute: Zur Vertragsunterzeichnung kam der Ungar im feinen Anzug und stand dann mit Sportdirektor Rouven Schröder für das offizielle Bild zur Verpflichtung vor der Kamera.

Bremen - Als Hugo Almeida kürzlich seinen Vertrag bei Hannover 96 unterschrieb, da trug der Ex-Bremer ganz lässig einen Mickey-Mouse-Pullover. Für den Wandervogel sind solche Momente eben nichts Besonderes mehr. Für Laszlo Kleinheisler schon. Der 21-jährige Ungar kam gestern im Anzug ins Weserstadion, um sich bis 2019 an den SV Werder Bremen zu binden. Und auch seine Worte passten zum festlichen Outfit: „Das ist ein Traum, der für mich wahr geworden ist.“

Auch Werder träumt von einem Hauptgewinn. „Er ist ein Spieler, der eine gewisse Phantasie hat“, sagt Sportchef Thomas Eichin. Ein möglicher Mehrwertspieler, der für kleines Geld (Ablöse 300.000 Euro) kommt und irgendwann für großes Geld wieder geht. Dazwischen soll Kleinheisler Werder möglichst viel helfen – am besten sofort. Eichin hätte nichts dagegen und sagt auch ganz locker: „Lassen Sie sich überraschen.“ Aber der Ex-Profi betont zugleich: „Laszlo kriegt jetzt keinen Rucksack von uns.“ Will heißen: Der 21-Jährige soll nicht als der neue Hoffnungsträger unter Druck gesetzt werden.

Es sei auch eine perspektivische Verpflichtung. Der Mittelfeldspieler müsse noch reifen und erst einmal den Sprung in die Bundesliga schaffen. Der ist groß genug. Vor allem für einen, der zuletzt nur in der zweiten Mannschaft des ungarischen Erstligisten Videoton FC trainieren durfte. Pflichtspiele waren ihm untersagt, weil er seinen Vertrag nicht verlängern wollte. „Er ist in eine Situation gerutscht, in der wir zuschlagen konnten“, sagt Eichin und lobt seine Mitarbeiter Rouven Schröder und Tim Steidten für ihre guten Kontakte. Irgendwann gab es den entscheidenden Tipp, dann lud Werder Kleinheisler zum Trainingslager nach Belek ein – nun trägt er die Raute.

László Kleinheisler: Das ist Werders Neuer

Das ist Werders Neuer: László Kleinheisler, ungarischer Nationalspieler.  (Alle Fotos aus Bremens Trainingslager in Belek, Januar 2016) © nordphoto
Kleinheisler holt beim Vorspielen im Werder-Trainingslager das Letzte aus sich heraus. © nordphoto
Felix Kroos (r.) kommt zu spät, um Kleinheieslers Abspiel abzufangen. © nordphoto
Hat Kleinheisler Bremens Abwehrchef Jannik Vestergaard etwa schon müde gespielt? © nordphoto
Macht der Ungar Kleinheisler hier nur gute Miene zum unverständlichen Spiel, oder funktioniert die Kommunikation mit den Werder-Fans bereits? © nordphoto
Man scheint sich einig geworden zu sein. Kleinheisler posiert mit einer Werder-Anhängerin für ein Foto. © nordphoto
Während sich Co-Trainer Torsten Frings (r.) mit Kapitän Clemens Fritz unterhält, hört Kleinheisler aufmerksam zu. © nordphoto
Kleinheisler geht mit vollem Körpereinsatz gegen Fin Bartels zur Sache. © nordphoto
Sinn für Ästhetik: Die pinken Treter wollen regelmäßig gepflegt werden. © nordphoto
Ein Bild, an das sich Werder-Fans sicher gewöhnen könnten: Kleinheisler jubelt mit Claudio Pizarro über dessen Tor. © nordphoto
"Das ist ein richtig guter Junge", sagt Werders Sportchef Thomas Eichin über den 21-Jährigen. © nordphoto

„Er hat uns in Belek wirklich überzeugt“, sagt Eichin über den quirligen und giftigen Mittelfeldspieler. Gestern durfte Kleinheisler sofort beim internen Testspiel mitmischen. Es ist gut möglich, dass er schon am Sonntag beim Rückrunden-Start auf Schalke im 18er-Kader steht.

„Mein Ziel ist es, so viele Spiele wie möglich zu machen“, sagt Kleinheisler, „dafür muss ich aber noch hart an mir arbeiten.“ Dass er das kann, hat er in den letzten Wochen bewiesen. In Eigenregie hat er sich während seiner Verbannung in Form gehalten. So gut, dass ihm Nationaltrainer Bernd Storck zur Überraschung von Fußball-Ungarn in den EM-Playoff-Spielen gegen Norwegen vertraute. Mit Erfolg. Kleinheisler traf – und Ungarn ist zum ersten Mal seit 44 Jahren bei einer EM dabei.

Aber das Turnier in Frankreich im Sommer ist noch weit weg. Nun zählt für Kleinheisler erst einmal Deutschland. „Es ist vor allem wichtig, dass ich jetzt schnell die Sprache lerne, damit ich mich noch besser zurechtfinde“, sagt er. Erste Hilfe bekommt er dabei von Gabriell Toth, Mittelfeldspielerin von Werders Bundesliga-Frauen. Die Ungarin ist gestern als Dolmetscherin eingesprungen. Auf dem Platz muss sich Kleinheisler mit ein paar Brocken Englisch selbst helfen. Aber bei seinem bisher gezeigten Ehrgeiz dürfte das für den Ungarn eigentlich kein Problem sein.

kni

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