Das 1:0 gegen Köln war das Vorspiel, am Samstag wartet für Werder auf Schalke die totale Dramatik

Der ultimative Nervenkitzel

Torsten Frings (li.) schreit seine Freude heraus. Er hatte das „Geschenk“ von Kölns Geromel angenommen und Werder nervenstark auf Kurs Richtung Champions League gehalten.

Bremen - Von Carsten Sander · Für das, was jetzt kommt, liefert der gängige Fußball-Wortschatz nicht die richtigen Begriffe. Wenn Werder Bremen am Samstag bei Schalke 04 antritt, dann ist das nicht nur ein Spitzenspiel, nicht nur ein Gipfeltreffen, nicht nur ein 1a-Thriller – nein, dann ist das so etwas wie ein „Finale hoch zwei“.

Mit der doppelten Ladung Spannung. Denn für den einen wie den anderen würde eine Niederlage höchstwahrscheinlich das Ende der individuellen Träume bedeuten. Schalke fiebert dem Titel entgegen, Bremen giert nach der Champions League. „Es wird“, da war sich Werder-Coach Thomas Schaaf nach dem mit Dusel erkämpften 1:0 im „Vorspiel“ gegen den 1. FC Köln sicher, „eine phantastische Partie.“

Selten genug gibt es eine solche Konstellation am vorletzten Spieltag einer Saison. Selten genug geht es im jeweiligen Kampfgebiet der Kontrahenten so eng zu. Der Tabellenzweite Schalke ist punktgleich mit Spitzenreiter Bayern München. Der Dritte aus Bremen folgt zwar mit gehörigem Abstand, liegt seinerseits aber nur zwei Tore vor Verfolger Bayer Leverkusen und ein Pünktchen vor der lauernden Borussia aus Dortmund. Herzschlagfinale nennt man das wohl. Und Torsten Frings, der für die Entstehung des selbigen hauptverantwortlich zeichnete, formulierte für die Partie auf Schalke eine Prognose, die die ganze Dramatik beschreibt. „Am Ende wird ein Team tief enttäuscht vom Platz gehen“, sagte er – und fügte an: „Ich hoffe, dass wir es dann nicht sind.“

Die Einzelkritik

Die Einzelkritik: Frings der zentrale Mann

Am Samstag war Werder an dem großen Frust-Erlebnis nur haarscharf vorbeigeschrammt. Gegen den FC Köln zitterten die Bremer bis zur 90. Minute, ehe ein von Pedro Geromel verursachter und von Frings verwandelter Elfmeter die Erlösung brachte. „Das Handspiel war ein Geschenk für uns, das ich nutzen musste – und zum Glück für uns genutzt habe“, meinte Frings anschließend und gab an, beim auf den Punkt gebrachten Nervenkitzel null Versagensängste gehabt zu haben: „Natürlich gibt es leichtere Elfmeter. Aber ich weiß auch, dass ich es einigermaßen kann.“

Die Statistik sagt gar, dass der 33-Jährige aus elf Metern ein extrem sicherer Vollstrecker ist. In dieser Saison hatte er bei acht Versuchen (in drei Wettbewerben) keinen Fehlschuss, in seiner gesamten Karriere kommt er auf 24 Erfolgsfälle bei nur zwei missglückten Versuchen.

Frings lässt Bremen jubeln

Frings lässt Bremen jubeln

Frings der Matchwinner – das wiederholt sich. Schon beim 4:2 in Wolfsburg eine Woche zuvor war er mit zwei Treffern (einer per Elfmeter) der Mann des Spiels gewesen. Nun der mögliche Millionen-Schuss gegen Köln, der Werder die Chance auf die Königsklasse erhält. Es scheint, als sei Frings im schönen zweiten Fußballer-Frühling – und das knapp sechs Wochen vor WM-Beginn. Eine WM, die er jedoch nicht spielen wird. Im Streit mit Bundestrainer Joachim Löw sieht Frings keine Chance mehr zur Versöhnung. „Meine Meinung zu dem Thema habe ich gesagt, und dazu stehe ich hundertprozentig“, erklärte er und würgte die wöchentlich wiederkehrenden Nachfragen ab: „Ich mache da nicht jedes Mal ein Fass auf…“

Nimmermüde sind dagegen die Bremer Verantwortlichen, die Qualitäten des Spielführers zu loben. Generell und vor allem am Samstag. Was er gedacht habe, als Frings zum Elfmeter antrat, wurde Coach Schaaf nach dem Abpfiff gefragt. Die Antwort war so trocken wie die Sahara: „Dass er ihn reinmacht.“ Geschäftsführer Klaus Allofs nannte die Nervenstärke des Schützen „außertgewöhnlich“.

Gleichwohl: Ohne den zuckenden Arm von Geromel, der einen Kopfball von Per Mertesacker regelwidrig von der Linie wischte, wäre Werder im Rennen um Platz drei weit zurückgefallen. „Natürlich“, sagte Allofs, „gehört auch Glück dazu.“ Der Bremer Glücksbringer war freilich unglücklich. „Das Handspiel war ein Reflex, ich kann es nicht erklären“, seufzte Geromel, der selbstredend Rot sah: „Wir haben das ganze Spiel über gekämpft, dann passiert so ’was.“

Der zu diesem Zeitpunkt bereits ausgewechselte Aaron Hunt hatte die Szene in der Kabine am Fernseher verfolgt – und war genauso elektrisiert wie die 37 900 Zuschauer im Weserstadion. „Ich war allein in der Kabine und habe laut ,Hand, Hand‘ geschrien – da bin ich mir schon blöd vorgekommen.“

Bilder der Relegation: Knapper Wolfsburg-Sieg über Braunschweig

Bilder der Relegation: Knapper Wolfsburg-Sieg über Braunschweig

„Hoya ist mobil“ 2017

„Hoya ist mobil“ 2017

Treckertreffen in Dreeke

Treckertreffen in Dreeke

Ginsengfest und Mittelalter-Spektakel in Walsrode

Ginsengfest und Mittelalter-Spektakel in Walsrode

Meistgelesene Artikel

Augustinsson kommt als Double-Sieger

Augustinsson kommt als Double-Sieger

Furioses Finale ohne Freudentaumel

Furioses Finale ohne Freudentaumel

Luca Caldirola plus Mr. X

Luca Caldirola plus Mr. X

Wiedwald: „Können stolz auf die Rückrunde sein“

Wiedwald: „Können stolz auf die Rückrunde sein“

Kommentare