Werder will Antworten

Übersteht Schaaf die große Analyse?

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Thomas Schaaf blickt in eine ungewisse Zukunft. ·

Bremen - Eine Stunde nach dem Klassenerhalt durch das 1:1 gegen Frankfurt platzte Werder-Sportchef Thomas Eichin bei der x-ten Trainerfrage der Kragen. „Das ist unerträglich“, fauchte er die Journalisten an und gab Thomas Schaaf überraschend eine Jobgarantie für die nächste Saison. Um Ruhe zu haben, wie sich jetzt herausstellte.

Denn es ist alles andere als sicher, dass Schaaf auch in der Spielzeit 2013/14 auf der Werder-Bank sitzt. Nach dem letzten Saisonspiel am Samstag in Nürnberg gibt es die große Analyse, die schnell zur Abrechnung werden kann. Die Clubverantwortlichen gehen ergebnisoffen in das Gespräch mit dem Coach. Will heißen: Alles ist möglich.

„Ich werde zum Thema Trainer nichts mehr sagen“, stellte Eichin gestern klar. Auch von anderer Stelle gab es keinen offiziellen Kommentar zum Trainerdenkmal, dessen Vertrag noch ein Jahr läuft. Doch es ist längst ein offenes Geheimnis, dass Schaaf das grenzenlose Vertrauen der Geschäftsführung und des Aufsichtsrats verloren hat. So springt ihm nun niemand zur Seite und verkündet überzeugend, mit Schaaf im Sommer den nächsten Neuanfang zu starten. Daran konnte auch die große Freude über den Klassenerhalt nichts ändern. Eichin lobte am Samstagabend zwar die „gute Arbeit des Trainers in dieser schwierigen Phase“ und fühlte sich darin bestätigt, „dass wir an ihm festgehalten haben“, er betonte aber zugleich: „Wir haben drei durchwachsene Spielzeiten erlebt. Die müssen wir analysieren.“

Dabei wird sich Schaaf einige kritische Fragen gefallen lassen müssen. Schließlich hat er gemeinsam mit dem nach Wolfsburg abgewanderten Sportchef Klaus Allofs den Kader zusammengestellt. Mal wieder unglücklich. Eichin hat schon mehrfach bemängelt, dass der Mannschaft erfahrene Spieler und Teamplayer fehlen. Und der Allofs-Nachfolger hat auch die zu hohe Zahl von Individualisten beklagt. Das ist deutliche Kritik an Schaaf. Der sich auch Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer in der „Bild“-Zeitung anschloss: „Wir sind nicht glücklich mit den Einkäufen der letzten Zeit. Und nicht mit der Zuführung junger Spieler in den Profi-Kader.“ Und Aufsichtsratschef Willi Lemke hatte angemerkt: „Wie konnte es passieren, dass wir sehr gute Spieler gekauft haben, die dann als Mannschaft die Leistung nicht zurückgeben konnten?“

Unzufrieden sind die Führungskräfte zudem mit Schaafs Medienarbeit. Das Verhältnis zur heimischen Journaille ist schon länger angespannt. Schaaf antwortet kaum noch aussagekräftig auf Fragen. Da war es eine Überraschung, als er in der Sommervorbereitung plötzlich den offenen, auskunftsfreudigen Trainer mimte. Gezwungenermaßen. Denn Allofs hatte ihn vor der Saison ins Gebet genommen. Mit begrenzter Nachhaltigkeit, wie sich bald herausstellte. Schaaf macht wieder sein Ding.

Bei Werder wird das immer kritischer gesehen und sich die Frage gestellt: Kann dieser Trainer noch eine Aufbruchstimmung erzeugen? Seine fachliche Kompetenz wird dabei nicht in Frage gestellt. Auch nicht seine Fähigkeit, die Mannschaft zu erreichen. Die letzten drei guten Auftritte gelten als Beweis, weil sich die Spieler zerrissen haben. Aber reicht das für eine weitere Saison mit Schaaf? Schließlich hat der 52-Jährige gerade mit dem zwölften sieglosen Spiel in Folge den Vereinsnegativrekord eingestellt und mit Dixie Dörner und Aad de Mos in der Spielzeit 1995/96 gleichgezogen. Trainernamen, die Werder-Fans immer noch gruseln lassen.

Bei Schaaf gehen die Meinungen dagegen weit auseinander. Beide Lager verzichteten am Wochenende darauf, ihre Sympathien oder Antipathien kundzutun. Zu sehr stand der Kampf um den Klassenerhalt im Mittelpunkt. Anschließend wurde einfach ganz Werder gefeiert – und nicht allein der Trainer. Der gab den Fans allerdings auch kaum eine Möglichkeit, ihm besonders zu huldigen. Früher als alle anderen Werderaner verabschiedete er sich in die Katakomben des Weserstadions und beließ es bei einem ziemlich unscheinbaren Applaus Richtung Ostkurve. Dazu setzte er eine Miene auf, als hätte es immer noch nicht zum Klassenerhalt gereicht. „Es gibt keinen Grund, dass ich hier wie das Rumpelstilzchen rumlaufen und feiern sollte“, sagte Schaaf. Natürlich ehrt es ihn, dass er sich nicht für das Erreichen des Minimalziels beklatschen ließ, aber mit seinem Schlechte-Laune-Auftritt machte er sich zum Außenseiter unter all’ den glücklichen Bremern.

Vielleicht mag er nach 14 Jahren und der harschen Kritik in dieser Saison auch nicht mehr dazugehören. Vielleicht ist doch etwas an dem Dauergerücht dran, dass es ihn als Österreich-Fan schon bald zu Red Bull Salzburg zieht. Auch darauf wollen Eichin und Co. bei der Analyse mit Schaaf Antworten. Wenn Schaaf noch eine Zukunft bei Werder haben will, muss er die Verantwortlichen neu von sich überzeugen. Ansonsten gibt es die Trennung.

Erste Weichen für eine Zukunft ohne Schaaf sind gestellt, das Profil für den neuen Coach ist längst entworfen: Ein junger Wilder soll es sein. Dabei gilt Thorsten Lieberknecht als Blaupause. Ein Kandidat ist er nach dem Bundesliga-Aufstieg mit Eintracht Braunschweig nicht. · kni

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