Lob an die Bremer Vereinsphilosophie

U21-Nationaltrainer Kuntz: „Werder liegt mit seinem Weg richtig“

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U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz.

Bremen - Der Bezahlsender Sky gebrauchte eine hübsche neudeutsche Formulierung. Werder, so die Fernsehschaffenden aus München, sei das „hippe Startup der Bundesliga“.

Stefan Kuntz findet andere Worte für das, was sich momentan an der Weser abspielt. Der Trainer der U21-Nationalelf spricht von „Werder 2.0“ und zielt damit auf die Wiederentdeckung der Leitkultur ab, wie sie bei dem Bremer Club seit jeher gelebt und praktiziert wird. Bei einer Diskussionsveranstaltung im Edelrestaurant „Traube Tonbach“, zu der am Sonntag der fußballafine Hotelier Heiner Finkenbeiner auch den früheren Bundestrainer Berti Vogts sowie die Ex-Nationalspieler Jürgen Kohler und Thomas Helmer eingeladen hatte, nahm sich der DFB-Coach Kuntz für die DeichStube Zeit, um über die jüngste Entwicklung bei Werder zu sprechen.

Viele Berührungspunkte mit Werder

Kuntz lobte die Arbeit, die sein früherer Mitspieler Marco Bode sowie Frank Baumann leisten und rühmte dies als „Werder-Renaissance“: „Es wird häufig in der heutigen Zeit unterschätzt, was Konstanz und Kontinuität wert sind. Werder geht diesen Weg und liegt damit richtig.“ In seinem Job hat der 55-Jährige viele Berührungspunkte mit dem Verein aus dem Norden. „Gerade durch die Eggesteins“, erwähnt Kuntz die beiden Brüder und Nachwuchsnationalspieler, die zum Kreis der von ihm betreuten Akteure gehören. „Ob früher mit Nouri oder heute mit Kohfeldt“, so der im Saarland lebende Europameister von 1996, „es waren und sind immer fruchtbare Gespräche. Die Bremer kommen insgesamt sehr geerdet rüber, was ich positiv meine.“

Maximilian (re.) und Johannes Eggestein.

An dem Bundesligisten schätzt der Fußballlehrer die erkennbare Linie in der Vereinspolitik. „Sie haben Mut zu Entscheidungen. Wenn es mal nicht geklappt hat, stehen sie dazu und verfolgen dennoch ihren Weg. Und sie halten zusammen, wenn es mal eng wird.“ Als vielversprechend bezeichnet der Coach, der bei der WM in Russland gemeinsam mit anderen Nachwuchstrainern für den DFB tätig ist und die Spiele analysiert, das Comeback von Thomas Schaaf. „Von außen betrachtet, sieht es nach einer sinnvollen Lösung aus“, sagt er über die Reaktivierung des Double-Machers von 2004, der sich als Technischer Direktor vordringlich der konzeptionellen Arbeit gerade im Nachwuchsbereich, also der ureigenen Kuntzschen Disziplin, widmen soll.

Auf dem Markt gut aufgestellt

Kuntz sieht dabei keine Probleme und fürchtet kein Kompetenzgerangel in der Führungsriege: „Werder wird es wie immer schaffen, dass die handelnden Personen miteinander auf einer Wellenlänge liegen.“ Als Beispiel führt er die glorreiche Geschichte an, die Ära mit Trainer Schaaf und Manager Klaus Allofs, „als es auch kein Gegeneinander gegeben hat“.

Was Werder in der nächsten Saison erreichen kann, darüber will Kuntz nicht spekulieren, „erst mal gilt es, die Transferphase abzuwarten“. Auf dem Markt sieht er die Grün-Weißen gut aufgestellt. „Es ist schon ein Pfund in den Vertragsgesprächen mit potenziellen Einkäufen, das Werder in den Händen hält. Frank Baumann hat beste Argumente. Die Spieler registrieren das gute Klima und wissen die Pluspunkte zu schätzen – ein gutes Umfeld, ein tolles Stadion und eine angenehme Stadt.“ Dass der Manager eine Transferoffensive zu starten beabsichtigt und viel Geld in die Hand nehmen möchte, um einen gestandenen Sechser aus dem Ausland zu verpflichten, verfolgt Kuntz mit Interesse, sagt aber: „Es steht mir nicht zu, einen Kommentar zu Einkäufen abzugeben.“

Auch die Tätigkeit des Kollegen Florian Kohfeldt beobachtet er aus der Ferne. Seine Wertschätzung drückt Kuntz so aus: „Ich weiß, wie fit und einsatzbereit ich die beiden Eggestein-Brüder bekomme.“

Johannes Eggestein um Duell mit Mats Hummels beim Test der U20 gegen die A-Elf in Südtirol.

Zuletzt hat er den jungen Johannes bei den Tests der U20 gegen die A-Elf in Südtirol beobachtet. Sein Eindruck habe sich verfestigt: „Johannes braucht viel Spielzeit auf hohem Niveau.“ Maximilian, der Ältere, sei naturgemäß weiter in der Entwicklung, wie die letzte Spielzeit gezeigt habe. Ein Aufschwung, der den Nationaltrainer erfreut: „Maxi hat sich toll entwickelt, vom ersten Kennenlernen bis zum letzten Länderspiel.“ Werders kommender A-Nationalspieler? Kuntz wird vorsichtig. Mit solchen Ankündigungen tue er sich schwer, sagt er. „Ich halte mich da raus, das muss letztlich Jogi Löw entscheiden.“

Doch einen Hinweis will er geben, um das Leistungsvermögen der Junioren-Nationalspieler zu relativieren: „Aus der Startelf, die im Finale der U21-Europameisterschaft 2017 Spanien geschlagen, steht keiner im Kader für Russland.“

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Quelle: DeichStube

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