An der Bundesliga-Spitze geht es enorm eng zu / Allofs: „Der eine oder andere bröckelt noch weg“

Tummelplatz der Hoffnungsvollen

Von Carsten Sander · Leverkusen, Werder, Schalke, Bayern – an der Spitze der Fußball-Bundesliga geht es drei Spieltage vor Ende der Hinrunde so eng zu wie in der Bremer Innenstadt beim Kaufrausch an Adventssamstagen. Zwischen Platz eins (Bayer Leverkusen) und Rang fünf (Hamburger SV) liegen nur sechs Punkte, weitere vier Ränge tiefer bildet Borussia Dortmund mit 21 Zählern das Schlusslicht einer Nachhut, die auch noch auf eine erfolgreiche Saison hoffen darf.

Nicht nur auf einen Platz im internationalen Wettbewerb, nein, sogar auf den Titel. So sieht’s jedenfalls Bremens Clubchef Klaus Allofs. Seine Einschätzung: „Im Moment sind es neun Teams, die für die Meisterschaft infrage kommen – auch Dortmund.“

Nun mag der eine oder andere denken, dass Allofs wirres Zeug redet. Denn dass ein Team nach fast der Hälfte der Saison von Rang neun an die Spitze stürmt – noch dazu bei einem schon beachtlichen Punktedefizit – , erscheint doch sehr unwahrscheinlich. Doch all denen sei gesagt: Denkt an Wolfsburg! Dem VfL gelang in der Vorsaison eben dieses Kunststück: Neunter nach der Hinrunde mit neun Punkten Rückstand, am Ende Erster. Mit zwei Zählern Vorsprung. Es geht also alles.

Auch für Werder? Klar, auch für Werder, betont Allofs erneut. Auf dem Tummelplatz der Hoffnungsvollen ist er einer, der am deutlichsten die eigenen Ansprüche kund tut: „Unsere Chancen sind gut, denn wir haben eine gute Mannschaft.“ Die mittlerweile seit 21 Spielen – wettbewerbsübergreifend natürlich – nicht mehr verloren hat. Allerdings versteckt sich in der prachtvollen Bilanz bei näherem Hinsehen auch ein kleiner Makel: Werder spielt zu oft unentschieden. Von den vergangenen vier Bundesliga-Partien haben die Bremer nur eine gewonnen. Das zwar eindrucksvoll mit 6:0 beim SC Freiburg, aber das 2:2 in Nürnberg sowie vor allem die Heimspiele gegen Borussia Dortmund (1:1) und jüngst gegen den Vfl Wolfsburg (2:2) fallen in eine Kategorie, die Trainer Thomas Schaaf so benennt: „Es war noch mehr möglich.“ Aber nicht soviel mehr, dass man sich aktuell grämen müsse. „Insgesamt ist es beachtlich, was die Mannschaft abliefert“, meint der Coach mit Blick auf die lange Liste der Gegner, die nicht gegen Werder gewinnen konnten.

In der Tabelle hat es dennoch nur zu zwei Kurzstopps auf Platz eins gereicht, die jeweils nur einen Tag dauerten und dann von Bayer Leverkusen wieder beendet wurden. Apropos Leverkusen: Dass die Werkself in dieser Saison einen ähnlichen Absturz erleben wird wie im Vorjahr – von Halbzeit-Platz fünf mit Tuchfühlung zur Spitze ging’s runter auf Rang neun –, glaubt in Bremen niemand. „Nein, diesmal nicht“, sagt Schaaf: „Die Erfahrung, die die Mannschaft in der vergangenen Saison gesammelt hat, hilft ihr jetzt. Leverkusen zeigt sich sehr stark.“ Klaus Allofs findet es gar „eindrucksvoll“, was Bayer bislang gezeigt hat, und prophezeit: „Die bleiben bis zum Schluss oben dabei. Es spricht nichts für einen erneuten Absturz.“

Aber halten sich auch Mainz, Hoffenheim, der HSV dauerhaft im Kreis der „G 9“? Schaaf rechnet mit Veränderungen noch bis Weihnachten. „Es wird spannend sein, zu sehen, was im Dezember passiert. Da werden schon noch Lücken kommen.“ Allofs erwartet ebenfalls, „dass da noch der eine oder andere wegbröckelt“.

Hauptsache nicht Werder. Ganz gewiss nicht Bayern München. „Die“, sagt Allofs, „kommen jetzt erst“.

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