Der selbst ernannte Karnevalsverein Mainz 05 steht besser da als Werder, will aber von Frohsinn nichts wissen

Tuchel übersieht einfach die Kult-Tabelle

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Thomas Tuchel

Mainz - Von Manfred Bock. In der neuen Arena am Europakreisel erinnert beim FSV Mainz 05 wenig an die alte Heimstätte einige hundert Meter entfernt am Bruchweg.

Doch aus der Ex-Heimat, die Präsident Harald Strutz mal als „Blechbüchse“ bezeichnet hatte, haben sie immerhin ein Utensil in das nach englischem Vorbild erbaute neue Stadion hinübergerettet: eine mannshohe Stecktabelle.

Die großen Kunststoffkarten besitzen fast schon Kultcharakter, und im Presseraum kann auch Thomas Tuchel die Rangfolge eigentlich nicht übersehen. Dennoch insistiert der Trainer fast gebetsmühlenartig: „Die Tabelle interessiert uns nicht. Es wäre doch bescheuert, sich was auf den Tabellenplatz einzubilden.“ In seiner mittlerweile vierten Saison hat der 39-Jährige eben auch schon zu viel erlebt, als sich vor dem Auswärtsspiel beim SV Werder Bremen der Schwarz-Weiß-Malerei hinzugeben.

Nach einer Heimniederlage gegen Fürth war nach zwei Spieltagen nicht alles schlecht, nun ist nach zehn Punkten aus den letzten vier Liga-Spielen auch nicht alles gut. Selbst das 2:0 am Dienstag im DFB-Pokal gegen Erzgebirge Aue taugt nicht dafür, um beim selbst ernannten Karnevalsverein den totalen Frohsinn auszurufen. „Wir haben unsere Pflichtaufgabe erfüllt. Jetzt wollen wir auch in der Bundesliga dran bleiben und am Sonntag etwas bei Werder Bremen holen“, sagt Toptorjäger Adam Szalai.

Gerade der wuchtige Ungar taugt als gutes Beispiel, wie schmal der Grat zwischen Held oder Versager ist. Den 24-Jährigen entdeckte Manager Christian Heidel einst in der zweiten Mannschaft von Real Madrid – und im Gegensatz zu den längst abgewanderten Lewis Holtby und Andre

Nur „Schlagzeuger“ Szalai ist noch da

Schürrle ist wenigstens dieses Mitglied aus der „Bruchweg-Boygroup“ geblieben. Der „Schlagzeuger“ Szalai sagt, er habe sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft – und dasselbe wird gerne von einem stetig wachsenden Verein behauptet, der sich heimlich, still und leise daran macht, Arrivierte wie den SV Werder zu überholen. Mit einer klugen Einkaufspolitik, mit strategischem Weitblick.

Zuletzt wuchs der Umsatz auf 68 Millionen Euro an, der Gewinn betrug 7,5 Millionen – von letzterer Zahl können die Hanseaten gerade nur träumen. Doch wer Heidel darauf anspricht, dass der nächste Schritt vielleicht bevorstehe, erntet heftigen Widerspruch: „68 Millionen geben andere Clubs allein für die Mannschaft aus. Davon sind wir kilometerweit entfernt.“ Der Lizenzspieleretat beträgt in Mainz auch diese Saison nur bescheidene 22 Millionen Euro.

Die Triebfeder des Aufschwungs stellt unbestritten Trainer Tuchel dar. In der Spielanalyse macht dem gebürtigen Schwaben kaum einer etwas vor; oft lässt er sein Team in 90 Minuten drei verschiedene Systeme spielen. Auswärts vertraut der FSV-Coach zumeist dem in Bremen gut bekannten 4-4-2-System mit Mittelfeldraute. Die Königsposition direkt hinter den Spitzen – Nicolai Müller und Nikita Rukavytsya balgen sich um den Angriffspart neben Szalai – bekleidet mutmaßlich der Österreicher Andreas Ivanschitz, der zuletzt gegen Hoffenheim wegen eines Infekts fehlte und gegen Aue einen Muskelkrampf hatte. „Kein Problem, ich kann spielen“, erklärt der schussstarke Linksfuß, dem an den Seiten Landsmann Julian Baumgartlinger und Elkin Soto assistieren. Den defensiven Mittelfeldpart spielt der U 21-Nationalspieler Jan Kirchhoff, an dem mehrere Top-Clubs Interesse zeigen. Der Name Bremen fiel in diesem Zusammenhang übrigens auch schon einmal.

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