Per Mertesacker räumt in Bremen seinen Spind und ist traurig, dass die Kollegen nicht dabei sind

„Tschüss, ihr Lieben!“

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Von Zeugwart Fritz Munder gab's eine herzliche Umarmung.

Bremen - Per Mertesacker gab gerade sein Abschiedsinterview vor dem Weserstadion, da weinte ein Baby einige Meter entfernt wie auf Bestellung. Bremen ist traurig, dass der Innenverteidiger künftig nicht mehr für den SV Werder spielt, sondern in London für den FC Arsenal Tore verhindert.

Immerhin 30 Fans hatten sich schlau gemacht, wann ihr „Per“ gestern Nachmittag vom Länderspiel in Danzig noch mal nach Bremen kommt, um dann gleich am Abend weiter auf die Insel zu fliegen. „Vergiss Bremen nicht“, rief ein Fan dem Nationalspieler zu, und Mertesacker erwiderte gerührt: „Tschüss, ihr Lieben!“ Dann fuhr er fort.

Es war ein rasanter Abschied gestern Nachmittag, ein unbefriedigender für Mertesacker zugleich. Der 26-Jährige musste quasi allein seinen Spind räumen – ohne die Teamkollegen. „Ich hätte sie gerne getroffen. Der ganze Wechsel ging ja so schnell, es gab gar keine Möglichkeit, sich zu verabschieden. Einige sind mir wirklich ans Herz gewachsen“, seufzte Mertesacker und wunderte sich, dass es ausgerechnet diesmal nach einem Länderspiel eine Vormittags- und nicht wie sonst eine Nachmittagseinheit in Bremen gegeben hatte. Deshalb waren alle Profis schon längst weg, auch Thomas Schaaf. Der Trainer hatte immerhin noch bis zum geplanten Ankunftstermin der Nationalspieler ausgeharrt, doch Mertesacker und Tim Wiese kamen erst mit über einer Stunde Verspätung um 16.10 Uhr am Weserstadion an.

Merte packt zusammen

Mertesacker packt zusammen

Deshalb hatte es Mertesacker auch richtig eilig. Denn noch am Abend wurde er in London erwartet. So dauerte sein Kabinenbesuch keine 20 Minuten. „Es war gut vorbereitet. Ich musste alles nur noch in die Mülltüten packen“, lobte Mertesacker Zeugwart Fritz Munder, der ihm die Tüten sogar in den Kofferraum getragen hatte. „Ich habe hier viele Leute schätzen gelernt, ob Spieler, Trainer, die Leute hinter der Mannschaft oder auch die Fans. Ich habe hier viele schöne Geschichten erlebt“, sagte Mertesacker. Er wirkte bei aller Eile durchaus gerührt und antwortete auf die Frage, was er am meisten vermissen werde: „Das Grundpaket. Ein Profi-Leben dauert etwa 15 Jahre, ein Drittel davon habe ich hier verbracht, das werde ich sicher nie vergessen.“

Jetzt beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt. „Ich verspüre große Vorfreude, aber auch Nervosität. Es ist wie vor dem ersten Schultag“, hatte er schon nach dem Länderspiel in Polen gesagt. Die Erwartungshaltung in England ist groß. Elf Millionen Euro Ablöse zahlt Arsenal für Mertesacker. Der soll heute zum ersten Mal mit den „Gunners“ trainieren und möglicherweise schon am Samstag im Heimspiel gegen Aufsteiger Swansea City sein Debüt feiern. „Ich weiß nicht, ob ich da schon spielen werde“, gab sich Mertesacker gestern noch etwas zurückhaltend. Ein bisschen Eingewöhnungszeit wünscht er sich nach dem späten Transfer schon, das gilt auch für die Verständigung: „Ich gebe zu, ich bin kein Sprachentalent. Aber das Grundgerüst aus der Schule ist noch da. In zwei, drei Monaten sollte das kein Problem mehr sein.“ Dann könnte auch schon die Familie vor Ort sein. Zunächst bleiben Lebensgefährtin Ulrike und der erst vier Monate alte Paul in Bremen. „Das ließ sich auf die Schnelle alles nicht mehr regeln“, erklärte der Familienvater.

So kann sich der Deutsche in England ganz ohne Babygeschrei auf eine schwierige Aufgabe konzentrieren. Arsenal hinkt als Tabellen-17. den Ansprüchen meilenweit hinterher. Doch Mertesacker nimmt‘s mit Humor: „Das kenne ich aus Bremen, seit letzter Saison bin ich abstiegskampferprobt.“ · kni

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