Traumtor zum 1:0 in Freiburg, Wolf stark zurück

Di Santo macht den Unterschied

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SO SEHEN SIEGER AUS! Die Werder-Profis feierten nach der Partie ausgelassen mit ihren Fans den so wichtigen 1:0-Sieg in Freiburg – und ein bisschen auch ihre drei freien Tage.

Werder-Bremen - Von Carsten Sander. Theodor Gebre Selassie hing wie eine Klette an dem Mann im violetten Trikot. Auch Santiago Garcia schmiss sich ihm an den Hals. Und Raphael Wolf, der beide zu tragen hatte, ächzte: „Ganz schön schwer.“ Aber auch ganz schön angenehm. Denn dass sich die Spieler von Werder bei ihrem Torhüter für einen Sieg bedanken, ist in letzter Zeit nicht gerade häufig vorgekommen. Gestern aber durfte sich Wolf als ein Eckpfeiler eines Dreiers fühlen, der für Werder von enormer Bedeutung ist. Mit 1:0 (1:0) gewannen die Bremer dank eines Traumtores von Franco Di Santo (36.) beim SC Freiburg und fanden damit nach zuvor zwei Pflichtspielpleiten in Folge wieder in die Erfolgsspur.

„Vor dem Spiel war die Frage, ob wir den Abstand nach unten halten, vergrößern oder ob wir wieder in den Matsch zurückfallen. Deshalb war dieser Sieg extrem wichtig für uns“, atmete Geschäftsführer Thomas Eichin erleichtert auf. Und auch Trainer Viktor Skripnik strahlte das Glück aus dem Gesicht: „Ích bin froh, dass wir in der Mannschaft echte Männer haben, die diese Reaktion zeigen können.“

Nur drei Tage nach dem Pokal-Aus bei Drittligist Arminia Bielefeld und sechs Tage nach der 3:5-Heimpleite gegen den VfL Wolfsburg in der Liga stoppte Werder den Abwärtstrend, bevor er begonnen hatte. Mit nunmehr 33 Punkten beträgt der Vorsprung auf den SC Freiburg auf dem ersten direkten Abstiegsplatz elf Zähler. Komfortabel? Ja, aber noch nicht genug, meinte Skripnik: „Es sieht gut aus, aber wir sind noch nicht durch. 33 Punkte reichen nicht zum Überleben.“ Zumal am Samstag der FC Bayern ins Weserstadion kommt – dann wird es, bei allem, was man über die Qualität des Spitzenreiters weiß, nichts zu holen geben.

Umso wichtiger war das Ergebnis gestern. Die Grün-Weißen haben sogar gleichgezogen mit der TSG 1899 Hoffenheim auf Rang sieben – ein Standort, der bei einer günstigen Konstellation im DFB-Pokal schon für das Ticket nach Europa reichen könnte.

Doch darum ging es gestern nicht im mit 24500 Zuschauern ausverkauften Schwarzwald-Stadion. Für beide Teams war es Abstiegskampf – entsprechend war die Qualität der Partie. Skripnik hatte sein Team, in dem Philipp Bargfrede nach dreiwöchiger Verletzungspause sein Comeback feierte, entsprechend eingestellt. Er habe „fast mit jedem“ Spieler Einzelgespräche geführt. „Und alle haben gesagt, dass sie alles geben werden.“ Die Spieler hielten Wort. Spielerisch war es keine Glanzleistung, aber in punkto Einsatz die richtige Antwort auf den mauen Auftritt in Bielefeld.

Gegen den Tabellenvorletzten entwickelte sich ein offenes Spiel, in dem ausgerechnet der zuletzt stark in die Kritik geratene Raphael Wolf für die erste Großtat sorgte. Nachdem sich Jannik Vestergaard von Jonathan Schmid hatte überlaufen lassen, parierte Wolf den nicht einfachen Ball. Ein Mutmacher für den Keeper, der in Bielefeld noch zuschauen musste. Später zeichnete er sich auch noch bei einem Distanzschuss von Oliver Sorg (39.), einem Freistoß von Schmid (75.) und einem Knaller von Admir Mehmedi (88.) aus. Vier Paraden in einem Spiel – diese Quote „wird ihn beruhigen“, sagte Kapitän Clemens Fritz: „Für Rapha ist es toll, dass er zu null gespielt hat.“ Wolf konnte sich allerdings auch auf eine Abwehr verlassen, die nur wenig zuließ. Und wenn es doch passierte, konnte der SC Freiburg, bei dem Werder-Leihgabe Nils Petersen verletzt auf der Tribüne saß, nichts damit anfangen. Wie bei Wolfs einzigem Patzer, als er durch den Strafraum irrte und Marc-Oliver Kempf frei zum Kopfball kam (65.). Der Ball ging drüber, und Streich haderte: „Uns fehlt einfach die allerletzte Durchschlagskraft.“

Er hat eben keinen Franco Di Santo im Team. Der Argentinier machte gestern den Unterschied aus. Und zwar mit einer Aktion, der Skripnik das Prädikat „Weltklasse“ verlieh. Nach präzisem Pass von Levin Öztunali (bekam den Vorzug vor Davie Selke) wurde Di Santo am linken Strafraumeck nicht angegriffen und machte, was gute Stürmer in solchen Situationen zu tun pflegen: Er hielt einfach mal drauf. Diagonal zischte der Ball in den Torwinkel. Ein großartiger Treffer, den Skripnik („Ein Tor aus dem Nichts“) ebenso bestaunte wie sein Freiburger Kollege Christian Streich: „Das war kein Glücksschuss, das war Qualität.“

Werder siegt in Freiburg

Die Werder in anderen Situationen vor dem Freiburger Tor jedoch fehlte. Fin Bartels (38.), Öztunali (56.) und der eingewechselte Cedrick Makiadi (70./87.) hätten für ein deutlicheres Ergebnis sorgen können. Doch den Bremern reichte das 1:0 voll und ganz, um glücklich zu sein. Und nach dem Schlusspfiff bekam die Mannschaft, was der Trainer ihr vor dem Anpfiff im Falle eines Sieges versprochen hatte: drei Tage frei. Erst am Mittwoch wird in Bremen wieder trainiert – das wird eine ziemlich kurze Vorbereitung auf das Match gegen die Bayern.

Ein weiteres Traumtor von Franco Di Santo wird es dann nicht geben. Der Torschütze des Tages hatte früh seine fünfte Gelbe Karte gesehen, ist am Samstag gesperrt.

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