Werder vermeidet Euphorie nach 2:1 in Hoffenheim / Wiese: „Weiter Gas geben“

Ein Traumstart – aber dann der Tritt auf die Bremse

Bremen · Verhalten und Aussagen passten am Wochenende irgendwie nicht so recht zusammen bei den Profis von Werder Bremen. Nach dem 2:1 (1:1)-Auswärtssieg bei der TSG 1899 Hoffenheim hatten sie noch so ausgelassen gejubelt, als hätten sie gerade einen Titel gewonnen.

Doch in der Analyse waren sie am Samstagabend und auch gestern ziemlich zurückhaltend und total sachlich – trotz des dritten Siegs im vierten Spiel, trotz Platz drei in der Fußball-Bundesliga.

„Die Mannschaft hat das Potenzial, um oben mitzuspielen. Es kommt jetzt aber darauf an, konzentriert weiterzumachen“, mahnte Sportchef Klaus Allofs.

„Solche Erfolge geben zusätzlich Stärke, die Mannschaft geht einen guten Weg“, urteilte Trainer Thomas Schaaf gewohnt nüchtern. „Wir stehen ganz gut da und sind natürlich sehr glücklich darüber. Jetzt können wir beruhigt weiterarbeiten und noch sicherer werden“, ergänzte Kapitän Per Mertesacker. Und sogar Keeper Tim Wiese und Stürmer Marko Arnautovic, gerne mal für eine flotte Kampfansage zu haben, bremsten: „Im letzten Jahr ist so viel Scheiße passiert. Auch wenn wir jetzt drei Spiele gewonnen haben, müssen wir auf dem Boden bleiben und weiter Gas geben“, empfahl Wiese. „Wir brauchen nicht davon zu reden, ein Bayern-Verfolger zu sein – es sind doch erst vier Spiele gespielt“, meinte Arnautovic.

Werder in der Einzelkritik

Die Einzelkritik: Formkurve geht nach oben

Der Österreicher war in Hoffenheim einer der besten Bremer gewesen und hatte sein Team nach dem Führungstor der anfangs extrem starken Gastgeber durch Roberto Firmino (37.) mit seinem 1:1 (38.) schnell wieder ins Spiel gebracht. Für Arnautovic war’s nach dem Treffer gegen Freiburg eine Woche zuvor das zweite Saisontor. „Das erwartet man doch von mir. Aber es muss noch mehr kommen, da ist noch Luft nach oben“, versprach der 22-Jährige, der erstmals von Beginn an neben Claudio Pizarro stürmen durfte: „Das war eine Belohnung vom Trainer – und ich denke, ich habe ihn nicht enttäuscht.“

Markus Rosenberg musste für Arnautovic auf die Bank – und fand das gar nicht lustig: „Ja, ich bin sauer. Ich hatte eine gute Vorbereitung und habe gute Spiele gemacht. Und wenn man dann raus muss, weil man zwei Mal nicht trifft, ist man verärgert.“

Der Schwede wandelte seine Wut allerdings in Energie um. Knapp zehn Minuten, nachdem er für Arnautovic („Ich war kaputt“) eingewechselt worden war, gelang ihm mit einem von Isaac Vorsah noch abgefälschten Volleyschuss das Bremer Siegtor (83.). Pizarro hatte sich gegen zwei Hoffenheimer behauptet und per Rechtsflanke die sehenswerte Vorarbeit geleistet. „Da hat man gesehen, dass ,Piza‘ auch wühlen kann“, grinste Mittelfeldmann Clemens Fritz und fügte mit Blick auf Matchwinner Rosenberg lobend an: „Dass er eine hervorragende Technik hat, hat er schon oft bewiesen – den hat er richtig gut getroffen.“

Dank des dritten Jokertors in dieser Saison hat sich Werder oben festgebissen, geht „mit einem guten Gefühl“ (Fritz) in die Länderspielpause und erwartet dann am 10. September (18.30 Uhr) mit richtig breiter Brust den Hamburger SV zum Nordderby. Mertesacker: „Da wollen wir wieder zeigen, dass wir schwer zu schlagen sind – das soll der HSV spüren.“ · mr

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