Traumpaar in Gefahr

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Sie sind die führenden Köpfe bei Werder Bremen: Trainer Thomas Schaaf und Klaus Allofs stecken derzeit in Vertragsverhandlungen fest. n

Bremen - von Carsten Sander. Sie sind DAS Traumpaar der Bundesliga: Thomas Schaaf und Klaus Allofs, seit mehr als zwölf Jahren die Architekten des Werder-Erfolges. Double-Gewinner 2004, UEFA-Pokal-Finalist und DFB-Pokalsieger 2009, Champions-League-Dauergäste bis 2010. Und Ex-Bremer ab 2012? Seit Wochen laufen bei beiden die Verhandlungen um neue Verträge – bislang ergebnislos.

Mit dem Schwebezustand gehen die beiden Bremer Protagonisten aber ganz unterschiedlich um. Geschäftsführer Allofs heizt die Spekulationen um seine mögliche Demission an, Trainer Schaaf begegnet der Situation wie immer mit der ihm eigenen Ruhe.

Was auch daran liegen kann, dass die Ausgangslagen durchaus unterschiedlich sind. Cheftrainer Schaaf hat im Grunde jeden im Verein hinter sich. Die Geschäftsführung hat sich einstimmig für seine Weiterbeschäftigung ausgesprochen, der Aufsichtsrat ebenso. Im Fall Allofs ist unklar, auf welchem Kurs sich sein Verhandlungspartner Willi Lemke befindet. Als Vorsitzender des Aufsichtsrates setzt er den Auftrag des Gremiums um, die Gespräche mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung zu führen. Dabei rollt er für Allofs offenbar aber nicht den roten Teppich aus. Lemke, so heißt es, habe dem Sportchef einen Dreijahresvertrag mit leistungsbezogenen Bezügen angeboten. Das wäre eine Rückstufung der aktuell geltenden Konditionen und für Allofs gewiss nicht das Richtige, sondern ein Affront. Vergrätzt sagte er am Sonntag: „Die Chemie muss stimmen. Man muss sehen, ob es für beide Seiten noch das Richtige ist.“

Lemke äußert sich nicht dazu. Ein Anruf bei ihm bleibt zwar nicht unbeantwortet, aber ergebnislos. Kein Kommentar. Der 65-Jährige verweist auf die interne Vereinbarung des Stillschweigens. Den Lärm, den das Schweigen mit sich bringt, hält er aus.

Das Warten auf Thomas Schaafs Unterschrift bleibt bisher ohne Nebengeräusche. Gründe: Zum einen macht der 50-Jährige öffentlich keinen Druck, zum anderen lässt er, wenn er denn mal über die Verhandlungen spricht, keine Abwanderungsgedanken erkennen. Dass im Abstiegskampf der vergangenen Saison von Teilen der Medien und Fans sein Rücktritt beziehungsweise Rauswurf gefordert worden war? Abgearbeitet, sagt Schaaf: „Es hat mir zwar erhebliche Erkenntnisse gebracht, hat aber keine Narben hinterlassen.“ Seine Entscheidung für oder gegen einen neuen Vertrag werde davon nicht beeinflusst, beteuert er.

Und das Sommer-Theater um den Sokratis-Transfer? War lehrreich, meint Schaaf. Das leidige Gezänk mit dem Aufsichtsrat um die benötigte Abwehrverstärkung hat er sich längst aus den Kleidern geschüttelt. „Das kann man künftig sicherlich umgehen, darum sind auch alle bemüht.“

Er speziell. Schaaf zeigt sich linientreu – auch in Themen, die für ihn unbequeme Konsequenzen haben könnten. Beispiel: Umbau der Mannschaft. Ende der Saison laufen insgesamt 13 (!) Profi-Verträge aus – was, wenn wirklich kein Geld vorhanden sein sollte, um personelle Verluste qualitativ auszugleichen? Wenn der Sparkurs wichtiger ist als die Wünsche des Trainers? Würde Schaaf diesen Job überhaupt noch wollen? „Ungelegte Eier“ nennt der Coach das Konstrukt der Eventualitäten und lässt sich vom Horror-Szenario mit den Elementen „Kein internationaler Wettbewerb“, „Abgänge von Leistungsträgern“ und „Rigidem Sparzwang“ nicht abschrecken. „Auch dann“, sagt Schaaf, „ist immer noch viel möglich. Auch dann können wir ein Team formen, das interessant ist.“

Typische Schaaf-Aussagen. Unverbindlich, unkrawallig. Eine versteckte Forderung an Geschäftsführung und Aufsichtsrat formuliert er dann aber doch. Mit einer reinen Rasselbande wäre er nicht zufrieden, lässt er erkennen und fordert den Erhalt von Leistungsträgern. „Die Frage ist doch immer, wie viel Wissen und Erfahrung in der Mannschaft verbleibt.“ Soll heißen: Routiniers wie Claudio Pizarro, Clemens Fritz und Tim Wiese, die zum Kreis der „13“ gehören, müssen gehalten werden. Als Säulen der Mannschaft. Zuvor müssen aber noch die Säulen des Vereins ihr Ja-Wort geben. · csa

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