Trainer Skripnik: „Wir dürfen nicht immer nur lieb sein“ / Viel Lob für Paderborn

„Drecksack“-Auftrag an die zu braven Bremer

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Werder-Trainer Viktor Skripnik (weißes Leibchen) will gegen Paderborn keine lieben Bremer sehen und fordert von seinem Team: „Wir müssen unangenehm und auch mal hart sein.“

Bremen - Morgen Nachmittag wird’s schmutzig im Weserstadion – das jedenfalls hofft Werder-Trainer Viktor Skripnik. Der Ukrainer will im Heimspiel gegen Aufsteiger SC Paderborn (15.30 Uhr) eine Bremer Mannschaft sehen, die zeigt, wer der Herr im Hause ist. Und die in den entscheidenden Momenten auch mal eine „Drecksack“-Mentalität auspackt – vor allem letzteres hatte beim 0:2 im Nordderby gegen den Hamburger SV am Sonntag gefehlt.

Das 0:1 durch HSV-Stürmer Artjoms Rudnevs, eingeleitet durch einen langen Einwurf von Ashton Götz, hat Skripnik „unglaublich geärgert“ – und es hat gezeigt, wo eine große Bremer Schwachstelle ist. Der Tabellen-Vorletzte der Bundesliga schafft es nicht, zu jeder Zeit eines Spiels hellwach und clever zu sein.

Nach 82 Minuten ordentlicher Defensivarbeit hatte eine Unachtsamkeit zum Gegentor geführt. Assani Lukimya rutschte der Ball über den Scheitel, Keeper Raphael Wolf und Theodor Gebre Selassie griffen gegen Rudnevs nicht energisch ein. Skripnik, der im Nordderby seine erste Niederlage als Werder-Chefcoach nach zuvor drei Pflichtspiel-Siegen kassierte, will solche Szenen künftig nicht mehr sehen und gibt seiner Mannschaft für die Paderborn-Partie eine klare Botschaft mit auf den Weg: „Der Gegner muss Angst haben, wenn er in unseren Strafraum kommt. Da müssen wir auch mal Drecksack sein. Das war zum Schluss beim HSV nicht mehr so zu sehen.“

Furcht soll Werder den Kontrahenten aber künftig nicht nur im eigenen Sechzehner einflößen, sondern generell. „Wir dürfen nicht immer nur lieb sein“, verlangte Skripnik: „Der Gegner will uns schlagen, das müssen wir auch wollen. Wir müssen unangenehm und auch mal hart sein.“ Stürmer Davie Selke hat die Worte seines Trainers schnell verinnerlicht und sagte gestern: „Man muss auch mal das letzte Quäntchen Dreckigkeit reinwerfen.“

Vorbilder als clevere und ausgebuffte Kämpfer gibt es in Werders Geschichte einige, findet Skripnik. Er nannte gestern Dieter Eilts, Mirko Votava und Thomas Wolter – und schwärmte: „Was die hatten, kannst du nicht kaufen. Wenn solche Typen bei dir im Team sind, hast du es ein bisschen leichter.“ Einen aus dieser Kategorie hat Skripnik sogar Tag für Tag an seiner Seite – Co-Trainer Torsten Frings.

Im aktuellen Kader scheinen so genannte Aggressiv-Leader dagegen zu fehlen. Und deswegen hilft Skripnik in puncto Biss nach. Am Mittwoch ließ der Bremer Coach Zweikämpfe bis zum Abwinken üben. 45 Minuten lang, immer Eins-gegen-Eins, volles Rohr. „Das kostet viel Kraft, aber solche Übungen brauchst du. Wenn du im Fußball Spaß haben willst, musst du vorher hart arbeiten. Genau das ist das Mittel“, meinte Skripnik, der auch schon Fortschritte erkannt haben will: „Die Jungs waren mit vollem Ernst dabei. Das freut mich.“

Gestern Nachmittag begann Werder dann mit der Paderborn-spezifischen Vorbereitung. Kombinationsspiel und Torabschlüsse standen auf dem Trainingsplan. Denn die Bremer, das hat nicht zuletzt der Auftritt beim HSV gezeigt, müssen dringend wieder gefährlicher werden. Und deshalb werden sie morgen im bisher nicht ganz ausverkauften Weserstadion deutlich offensiver auftreten. „Bei dieser Kulisse musst du nach vorne spielen“, sagte Skripnik und kündigte einen leidenschaftlichen Auftritt an: „Mit vollem Herzen für den Verein – das kann ich versprechen.“

Ob das allerdings reicht gegen diesen frechen Aufsteiger aus Westfalen? Paderborn, von vielen vor der Saison als Absteiger Nummer eins abgestempelt, hat in zwölf Spielen schon 16 Punkte gesammelt – sechs mehr als Werder. „Wir können nicht sagen, dass wir der Favorit sind“, meinte Skripnik, den die starke erste Erstliga-Saison des Gegners beeindruckt, aber nicht überrascht: „Paderborn ist für mich kein Wunder. Sie haben sich schon in der vergangenen Saison in der zweiten Liga als Team gefunden, sind sehr kompakt und spielen mutig nach vorne“, urteilte der Bremer Trainer und fügte an: „Sie holen ihre Punkte nicht glücklich, sondern verdient – das gibt viel Selbstvertrauen. Und sie genießen alles Neue in der Bundesliga, machen sich keinen Druck.“ Den hat morgen nur Werder – und zwar gewaltigen.

mr/csa

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