Klemm-Brett vor dem 27. Spieltag

Mainz-Coach Schwarz lobt Werder im Interview: „Sehr seriöse Arbeit“

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Trainer Sandro Schwarz will mit Mainz 05 am Samstag beim SV Werder Bremen punkten.

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 27. Spieltag geht es um Mainz 05.

Interview mit Trainer Sandro Schwarz

Seit Juli 2017 ist Sandro Schwarz Cheftrainer bei Mainz 05, dem kommenden Gegner von Werder Bremen. Der 40-Jährige spricht über die Mainzer Rückrunde und die Bremer Erfolgsserie.

Warum läuft es in der Rückrunde nicht mehr so gut bei Mainz 05?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Genau genommen haben wir die identische Anzahl an Punkten geholt wie in der ersten Halbserie. Trotzdem sind wir mit der Punkteausbeute aus den letzten Spielen natürlich nicht zufrieden. Für uns ist es wichtig, die einzelnen Niederlagen differenziert zu betrachten. Wer das auch tut, erkennt, dass wir beispielsweise gegen Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC sehr ordentliche Spiele gemacht haben und viele unserer Spielprinzipien umsetzen konnten. Klar ist auch, dass wir das in München nicht geschafft haben. Aber das ist jetzt abgehakt. Wir wissen alle sehr genau, was wir besser machen müssen.

Glauben Sie, dass im Sommer alle wichtigen Spieler wie beispielsweise Gbamin gehalten werden können?

Ich beschäftige mich derzeit nicht eine Sekunde damit, was im Sommer ist. Unser Fokus liegt ausschließlich auf dem nächsten Spiel. In Bremen unser Spiel zu einhundert Prozent auf den Platz zu bekommen, darum geht es.

Sie haben Ihren Vertrag verlängert. Was ist mit Mainz in der Zukunft möglich?

Wir haben eine junge, hungrige Truppe. Unsere Ziele sind klar: Wir wollen Mainz-05-Fußball spielen und weiter etablieren, Elemente aus Ballbesitz und Umschaltfußball miteinander kombinieren. Geleitet von unseren Prinzipien soll unsere Idee von Fußball klar erkennbar sein. Wir wollen junge Spieler einbinden und fördern und sie an der Seite von etablierten Profis weiterentwickeln.

Überrascht Sie der Höhenflug von Werder Bremen?

Nein. In Bremen wird eine sehr seriöse Arbeit geleistet. Zusätzlich hat man die Mannschaft mit sehr guten Spielern verstärkt.

Trauen Sie Bremen zu, sich für die Europa League zu qualifizieren?

Das wird sich zeigen. Die Prognosen zum Abschneiden von Werder Bremen überlasse ich gerne meinem Kollegen Florian Kohfeldt.

Wissenswertes zum Werder-Spiel gegen Mainz 05: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Hinspiel: Mainz gewinnt gegen Werder

Der zweite Rückschlag nach dem 2:6 gegen Leverkusen zu Hause kam in Mainz: 1:2-Niederlage bei den Rheinhessen, denen der Befreiungsschlag glückte. Mit vier Wechseln reagierte Trainer Florian Kohfeldt, brachte Moisander, Bargfrede, Osako und Kruse für Friedl, Sahin, Johannes Eggestein und Pizarro. Es half nichts, Werder blieb ohne Ideen und Durchschlagskraft. Mateta und Gbamin trafen, ehe Joker Pizarro der Anschluss glückte. Es wurde eine verdiente Niederlage der Bremer. Die Daten: Laufleistung 123,78 Kilometer für Werder zu 122,36; Ballbesitz 36% Werder, 64% Mainz; Zweikampfquote 45% Werder, 55% Mainz.

Vertragsverlängerung mit Sandro Schwarz

Das Urgestein bleibt. Sandro Schwarz, ein gebürtiger Mainzer und von 1997 bis 2004 Profi im Verein, verlängerte im Februar vorzeitig seinen Vertrag. Das neue Arbeitspapier datiert bis 2022. Der 40-Jährige, zunächst Betreuer der U19 und danach Coach der Reserve, seit 2017 Cheftrainer, folgte damals auf Martin Schmidt. „Eine tolle Entwicklung der Mannschaft und des Clubs“, sieht Schwarz, der daher nicht lange zögerte mit seiner Unterschrift. „Diesen Weg wollen wir gemeinsam weitergehen.“

Zudem betonte er die gute Zusammenarbeit mit Sportchef Rouven Schröder, einem Ex-Bremer. Dieser würdigte den Cheftrainer mit diesen Worten: „Sandro lebt unseren Fußball. Er hat unser absolutes Vertrauen.“ Wie Schwarz verlängerten auch seine Assistenten die Kontrakte. Das Team mit den Co-Trainern Jan-Moritz Lichte (39) und Michael Falkenmayer (36) bleibt also beisammen.

Gbamin - „unverkäuflich“

Es war das Thema im Winter. Jean-Philippe Gbamin, der unübersehbare Mittelfeldspieler, der sich in der Hinserie bewährt hatte, stand im Fokus europäischer Spitzenklubs. An der Elfenbeinküste geboren, trat der 23-Jährige für diverse französische Nationalmannschaften in der Jugend an. Seit 2017 spielt der 1,83 Meter große Defensivmann indes für die A-Nationalelf der Elfenbeinküste.

In Mainz läuft sein Vertrag noch bis 2023. Als die Spekulationen über einen vorzeitigen Vereinswechsel immer größer wurden, sah sich Mainz-Manager Schröder zu einem klaren Statement veranlasst. Schröder hängte Gbamin dieses Etikett um: „Unverkäuflich!“ Wenn, so der Manager in den Tagen des Trainingslagers im spanischen Estepona, ein Angebot käme, „so werden wir es definitiv nicht annehmen“.

Schröders starke Quote bei der Personalpolitik

Eine solche Quote weisen nur wenige Manager in der höchsten deutschen Spielklasse auf. Der Mainzer Rouven Schröder kann aktuell darauf mit Stolz verweisen: Fünf der sieben Neueinkäufe aus dem Sommer haben auf Anhieb einen Stammplatz erobert und sind tragende Säulen in der Elf von Sandro Schwarz.

Konkret: Jean-Philippe Mateta, der Stürmer aus Frankreich, Kunde, der Mittelfeldspieler aus Kamerun, Aaron, der Außenverteidiger aus Spanien, Jean-Paul Boetius, der Offensivspieler aus Frankreich, sowie Moussa Niakhaté, der Abwehrmann, der ebenfalls aus der französischen Liga kam. Fünf aus sieben – eine traumhafte Quote, die für die Personalpolitik spricht, die Schröder verantwortet. Hinzu kommt, dass alle genannten Spieler noch recht jung und somit entwicklungsfähig sind, allesamt unter 24 Jahren. Und alle sind neu in der Bundesliga und haben den Sprung auf Anhieb geschafft.

Für dieses Quintett hat Mainz rund 30 Millionen Euro investiert. Im Gegensatz dazu stehen gut 56 Millionen Euro an Transfereinnahmen, wobei der zu Dortmund transferierte Abdou Diallo 28 Millionen sowie Suat Serdar (zu Schalke) und Yoshinori Muto (zu Newcastle) je elf Millionen Euro in die Kasse brachten. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht darf sich also Manager Schröder rühmen. Der Nebeneffekt: Da mit den Neuen alles bestens funktionierte, musste im Winter nicht nachgebessert werden. Erstmals seit Sommer 2016, seit Schröder die Transferpolitik gestaltet, konnte er im Januar auf Einkäufe verzichten.

Statistik: Letzter Heimsieg gegen Mainz lange her

Eine durchwachsene Bilanz weist Werder auf, was die Heimspiele gegen Mainz betrifft. In 13 Partien gelangen nur fünf Siege, vier Niederlagen und vier Remis stehen zu Buche. Der letzte Erfolg im Weserstadion liegt schon über sechs Jahre zurück: 2:1 am 4. November 2012. In den fünf Spielen danach kassierte Bremen drei Unentschieden und zwei Niederlagen.

Ex-Bremer Öztunali und Ujah

Zuletzt standen beide in der Startelf: Levin Öztunali und Anthony Ujah, die beiden Fußballer, die auch mal bei Werder spielten. Junioren-Nationalspieler Öztunali war von Januar 2015 bis Juli 2016 von Leverkusen an Werder ausgeliehen. Im August 2016 wechselte er nach Mainz, bestritt seither 67 Partien (5 Tore, 12 Vorlagen). Der Nigerianer Ujah, ein Jahr bis 2017 an der Weser, steht seit Januar 2018 nach seiner Rückkehr aus China bei dem Club unter Vertrag, hat bisher 28 Spiele absolviert (2 Tore).

Anthony Ujah und Levin Öztunali: Früher bei Werder Bremen, jetzt bei Mainz 05.

Mainzer Formkurve zeigt nach unten

Mit dem bisherigen Verlauf der Rückrunde sind die Mainzer nicht zufrieden. „Grundsätzlich nervt es, wenn du unnötig Spiele verlierst“, sagt Manager Rouven Schröder. „Das sprechen wir intern auch an.“ Neun Punkte aus den ersten acht Spielen im neuen Jahr – exakt die Bilanz aus der Vorrunde. Dann das desaströse 0:6 bei den Münchner Bayern. Alles in allem: Sechs Niederlagen aus den letzten sieben Spielen gab es in diesem Jahr. Zum Glück für Mainz punkten die Kellerkinder aus Nürnberg, Hannover und Stuttgart zu wenig, sonst hätte sich sogar akute Abstiegsgefahr ergeben können.

Daher sehen die Macher alles noch relativ entspannt. Schließlich ist der Abstand zum Relegationsplatz mehr als akzeptabel: zehn Punkte, keine allerhöchste Gefahr im zehnten Jahr der Liga-Zugehörigkeit. Seit dem Aufstieg 2009 gerieten die Mainzer zwischendurch schon mal in Gefahr, wenngleich sie sich immer retteten. Schlechteste Platzierung: 2017 der 15. Rang. Bestes Abschneiden: 2011 auf dem fünften Platz.

Schlappe: Mainz 0:6 gegen Bayern

Ohne reelle Chance waren die Mainzer beim Gastspiel in der Allianz-Arena am vorigen Spieltag. Am Ende stand ein glattes 0:6 bei den Bayern. Von Beginn an zeigte der Rekordmeister, wer Herr im Haus ist. Das Kennzeichen des einseitigen Spiels: der Dreierpack von James, dem Kolumbianer. Zudem trafen Robert Lewandowski, Kingsley Coman und der junge Alphonso Davies, dem sein erstes Tor in der höchsten deutschen Spielklasse gelang. 05-Coach Sandro Schwarz hatte umgestellt, dabei jedoch glücklos agiert. Jean-Philippe Mateta und Karim Onisiwo erhielten in der Offensive wieder den Vorzug vor Anthony Ujah und Robin Quaison. Und in der Abwehr spielte Alexander Hack für Aaron.

Quelle: DeichStube

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