Tränen lügen nicht

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Frontalangriff nach dem Trainer-Aus: Kapitän Clemens Fritz sollte den Journalisten nach dem Laktattest auf Platz elf erklären, wie Thomas Schaaf am Morgen seinen Abschied in der Kabine verkündet hatte. ·

Bremen - Bestens gelaunt waren die Werder-Profis gestern Morgen zur Arbeit gekommen. Der Klassenerhalt ist schließlich geschafft. Doch dann wurde Thomas Schaaf zum Stimmungskiller. Der Trainer betrat die Kabine und verkündete in einer knapp zehnminütigen Ansprache seinen sofortigen Abschied. Die Spieler waren geschockt, Tränen flossen. „Das ging schon unter die Haut“, berichtete Clemens Fritz: „Damit hatte wirklich niemand gerechnet.“

Nach der Schocknachricht ging es erst einmal raus – Laktattest. Knapp eine Stunde hatten die Profis auf der Tartanbahn von Platz elf Zeit, sich zu sammeln. Sebastian Prödl fiel es trotzdem schwer, der wartenden Medienmeute danach einen Einblick in seine Gefühlswelt zu geben: „Der erste Moment war ein Schock. Dafür braucht man länger, um das zu verarbeiten. Ich durfte fünf Jahre mit ihm zusammen arbeiten. Darauf bin ich stolz.“

Der Österreicher war wie Fritz und Nils Petersen als Sprecher des Teams auserkoren worden. Und dieses Trio machte immer wieder klar: Das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer war absolut intakt. „Der ein oder andere Spieler hat bei der Ansprache des Trainers eine Träne verdrückt“, verriet Petersen: „Wir haben doch alle gedacht, dass er bleibt.“

Es kam anders. Und dafür fühlen sich auch die Spieler mitverantwortlich. „Natürlich macht man sich in diese Richtung Gedanken“, gestand Prödl: „Wir haben es alle zusammen hinbekommen, dass die Situation so ist – und der Trainer ist der Leidtragende.“ Der Innenverteidiger fand es absolut nachvollziehbar, dass Schaaf nun vorzeitig – also vor dem letzten Spiel am Samstag in Nürnberg – einen Schlussstrich gezogen hat: „Was er hier in den letzten Wochen aushalten musste, das war immens. Er hat sich immer wieder vor die Mannschaft gestellt, hat ihr den Druck genommen – und deshalb ist alles nur auf ihn eingeprasselt.“

Auch Petersen hat durchaus ein schlechtes Gewissen: „Ich bin ausgerechnet in dem Jahr hier, in dem Thomas Schaaf nach 14 Jahren als Trainer geht. Ihm kann man doch den geringsten Vorwurf machen, dass wir nur 14. geworden sind. Wir haben als Mannschaft einfach viel zu viele Punkte verschenkt.“

14 Jahre Thomas Schaaf bei Werder Bremen

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Doch Petersen ist Profi genug, um zu wissen, „dass es hier auch ohne Thomas Schaaf weitergehen muss. Man will ja wieder an erfolgreiche Zeiten anknüpfen. Wenn der Verein es mit etwas Neuem probieren möchte, dann akzeptieren wir das natürlich. Man muss dem Neuen eine Chance geben.“

Teamkollege Prödl schaut nicht nur auf die Bremer Zukunft, er will auch im Blick halten, wie es mit Schaaf weitergeht. Und der Österreicher ist dabei ziemlich optimistisch: „Ich weiß, dass bei Thomas Schaaf nach seinen über 40 Jahren bei Werder eine große Enttäuschung da sein wird. Aber er wird sich eindrucksvoll zurückmelden. Wir werden alle unseren Spaß daran haben, wenn wir das aus der Ferne beobachten.“ · kni/csa

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