Werder setzt sich mit 1:0-Triumph vom HSV ab

Das totale Derby-Glück

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Werder-Jubel vor den Augen von HSV-Trainer Mirko Slomka.

Bremen - Es ist schwer, das, was sich gestern Nachmittag im Weserstadion ereignete, über das zu stellen, was sich 2009 zugetragen hatte. Längst ist legendär, dass sich Werder Bremen damals binnen 18 Tagen im Uefa-Pokal-Halbfinale, im DFB-Pokal-Halbfinale und in der Bundesliga gegen den Nordrivalen Hamburger SV durchgesetzt hatte.

Auch die Partie gestern im brodelnden Weserstadion hat das Potenzial, irgendwann in der Aufzählung der prickelndsten Derbys geführt zu werden. Nicht nur, weil es das 100. Nordderby der Bundesliga-Geschichte war, sondern weil Werder Bremen mit einem 1:0 (1:0)-Sieg die eigenen Abstiegssorgen milderte, gleichzeitig die des HSV dramatisch verschärfte. Die Hamburger verharren nach der Niederlage auf Rang 16, die Bremer machten dagegen einen kleinen Sprung auf Platz zwölf. Der Abstand auf die Abstiegsplätze beträgt nun wieder sechs Punkte.

„Dieser Sieg hat einen riesigen Stellenwert – für uns, für die Fans“, jubelte Aaron Hunt, der bei seinem Comeback nach Verletzungspause wieder die Kapitänsbinde trug und auf einmalige Art und Weise das Siegtor vorbereitete. Mit der Hacke hatte er den Ball aus der Luft auf Zlatko Junuzovic gelegt. Der Österreicher drückte den Ball aus kurzer Distanz unter HSV-Keeper Rene Adler hinweg ins Tor. Große Gefühle machten sich danach beim Österreicher breit, das Prädikat Weltklasse hatte sich aber vor allem Hunts Hackenpass verdient. „Da gehört auch Glück dazu. Das Zuspiel auf mich kam nicht so gut, ich wollte den Ball einfach in den Raum legen. Zlatko war dann einfach da.“

19 Minuten waren erst gespielt. Und die Derby-Stimmung im mit 42 100 Zuschauern ausverkauften Weserstadion kulminierte bereits. Vor dem Anpfiff hatte es vor dem Stadion kleinere Ausschreitungen gegeben, die große Randale blieb vermutlich dank der starken Polizei-Präsenz aber aus.

Im Inneren der Arena übernahm Werder schnell das Kommando. Die Bremer traten so auf, wie man eigentlich den HSV nach dem überraschenden 3:0-Sieg eine Woche zuvor über Borussia Dortmund erwartet hätte. Doch den Hamburgern, bei denen zwar Torjäger Pierre-Michel Lasogga von Anfang an spielte, Regisseur Rafael van der Vaart aber zunächst auf der Bank blieb, fehlte der Rückenwind. „Ich hatte den Eindruck“, sagte Werder-Verteidiger Sebastian Prödl später, „dass wir den Sieg mehr wollten als der HSV.“

Deshalb bekam Werder auch die drei Punkte, die natürlich von allen als enorm wichtig eingestuft wurden. „Das sind die Kracherspiele, die du brauchst“, meinte Bremens Sportchef Thomas Eichin, mahnte aber, die sechs Zähler Vorsprung auf den Erzrivalen als Ruhepolster zu sehen: „Dieser Vorsprung ist null beruhigend. Wir müssen diesen Vorsprung fortan mit Mann und Maus verteidigen.“

Das galt gestern auch für die 71 Minuten nach der Führung. Nils Petersen hätte fast auf 2:0 gestellt (23.), und auch Santiago Garcias missglückte Flanke war eine Gefahr für das HSV-Tor (29.), doch dann hätte es fast auf der anderen Seite eingeschlagen. Hakan Calhanoglu, gegen Dortmund noch gefeierter Freistoß-Schütze, schlenzte den Ball vom Sechzehner Richtung Winkel, traf aber nur die Latte (43.). Werder-Keeper Raphael Wolf war wohl noch mit den Fingerspitzen am Ball, ballte anschließend die Fäuste. „Ich hatte einen Ball, den habe ich gehalten“, sagte er.

Keine Mühe hatte Wolf mit Milan Badeljs Volleyschuss (53.), der schon die ganze Ausbeute der kurzen HSV-Offensive nach der Pause war. „Uns hat heute der entscheidende Punch gefehlt“, erklärte Angreifer Lasogga enttäuscht: „Im Zentrum ist einfach kein Ball angekommen.“ Was als dickes Lob für die Bremer Viererkette mit den Innenverteidigern Sebastian Prödl und dem zuletzt umstrittenen Assani Lukimya (gewann 78 Prozent seiner Zweikämpfe) gewertet werden darf.

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Nach der kurzen Sturm- und Drangphase des HSV (Prödl: „Eine Viertelstunde lang haben wir ein bisschen gewackelt“), häuften sich die guten Konterchancen für Werder. Junuzovic hätte nach einem Fehler des eingewechselten Lasse Sobiech (kam für den am Knie verletzten Zlobodan Rajkovic) alles klar machen können, traf aber nur den Außenpfosten (69.). Bei einer weiteren Möglichkeit übersah der Österreicher den mitgelaufenen Eljero Elia (89.). Und mittendrin hatte Petr Jiracek bei einem Kopfball von Santiago Garcia auf der Linie gerettet (75.). „Wir hätten“, monierte Prödl, „den Sack früher zumachen müssen. So mussten wir immer fürchten, dass der HSV noch irgendwie ein Tor macht.“ Der HSV machte aber nicht. Und die Bremer Fans feierten nach Monaten mit überwiegend unbefriegenden Ergebnissen endlich wieder einen großen Moment im Weserstadion. Und Thomas Eichin erklärte wenig überraschend: „Wir sind heute sehr glücklich.“

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