Torwarttrainer gelang als letztem Werder-Keeper ein Heim-zu-Null gegen Bayern

Das Münchner „Dauerfeuer“: Vander hat es überstanden

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Daumen hoch nach seinem besten Spiel: Christian Vander war am 1. März 2009 der gefeierte Mann im Weserstadion nach Werders hart erkämpftem 0:0 in Unterzahl gegen den FC Bayern München.

Bremen - Vier, sieben, zwei, zwei, drei, drei – wenn die Bayern ins Weserstadion kamen, dann klingelte es in den vergangenen Jahren ordentlich im Werder-Kasten. Nicht so bei Christian Vander. Der 34-Jährige war der letzte Bremer Keeper, der seinen Kasten in einem Heimspiel gegen den FC Bayern sauber hielt. Im März 2009 war das. Sogar in Unterzahl. Ein denkwürdiges Spiel. „Wahrscheinlich mein bestes“, erinnert sich Vander. Inzwischen ist er Torwarttrainer der Bremer – und da wünscht er sich am Samstag (15.30 Uhr) gegen die Bayern endlich einen Zu-Null-Nachfolger: „Ich würde mich freuen, wenn Felix Wiedwald das schafft.“

Aber geht das überhaupt gegen diese Bayern, die in der laufenden Saison alles und jeden in Grund und Boden schießen? „Warum nicht?“, erwidert Vander und erklärt: „Wir fangen ja bei 0:0 an, alles ist möglich. Natürlich sind die Bayern super drauf, aber damals hätte uns mit zehn Mann auch keiner einen Punkt zugetraut.“

Es geschah wenige Tage nach dem Wunder von Mailand. Claudio Pizarro hatte Werder zuvor beim AC Mailand nach einem 0:2-Rückstand noch zum 2:2 und damit ins Achtelfinale des Uefa-Cups geköpft (Hinspiel: 1:1). Im Tor stand ein gewisser Christian Vander, weil Stammkeeper Tim Wiese verletzt war. „Ein super Erlebnis“, erinnert sich Vander. Doch es kam noch besser für ihn. Auch gegen die Bayern war er die Nummer eins – und was für eine: Note eins in allen Zeitungen und Fachmagazinen. „Ich stand schon früh unter Dauerfeuer, weil wir einer weniger waren.“ Naldo hatte schon nach einer Viertelstunde wegen einer Notbremse an Bastian Schweinsteiger Rot gesehen. „Es ging, glaube ich, mit einem Eins-gegen-Eins gegen Ribery los – und dann lief es halt. Das war für einen Torwart ein richtig schönes Spiel“, berichtet Vander und lächelt zufrieden. Aber es ist nicht seine Art, allein im Rampenlicht zu stehen, damals wie heute darf die Erwähnung des Teams nicht fehlen: „Alle haben super gegen den Ball gearbeitet, jeder hat sich für den anderen reingeschmissen.“

Tugenden, die auch am Samstag gefragt sein werden. „Anders geht es nicht“, mahnt Vander. Aber er ist bei seinen Spielern guter Dinge – ganz besonders bei seinem speziellen Schützling Wiedwald. „Felix macht das bislang klasse. Er ist eine Persönlichkeit geworden, ist immer bei 100 Prozent, will jedes Trainingsspiel gewinnen“, lobt Vander und behauptet: „Felix wäre im ,kicker‘ notenmäßig bestimmt unter den ersten drei Bundesliga-Torhütern, wenn er nicht den rabenschwarzen Tag in Darmstadt gehabt hätte. Aber das müssen wir ihm auch mal zugestehen.“ Der 25-Jährige habe danach eine „gute Reaktion“ gezeigt, nicht gewackelt, sondern gleich wieder gut gehalten: „Das ist entscheidend.“

Wiedwald ist auch deshalb bei Werder die unumstrittene Nummer eins. Wie selbstverständlich auch Manuel Neuer bei den Bayern. Der Fast-Unbezwingbare hat erst vier Gegentreffer in den acht Bundesliga-Spielen kassiert. „Er ist einfach komplett, er ist das Nonplusultra im Torwartspiel“, findet Vander. Dabei habe es Neuer gar nicht so leicht, weil er durch die Stärke seiner Mannschaft nur selten gefordert werde: „Aber er ist da, wenn man ihn braucht, das zeichnet ihn einfach aus.“

Wiedwald wird sich dagegen am Samstag über Arbeit nicht beklagen können. „Das ist doch gut für einen Torwart“, findet Vander: „Du kriegst viel zu tun, stehst im Blickpunkt, das willst du doch haben.“ Genauso wie die Null auf der Anzeigetafel. Wiedwald hat das in dieser Saison noch nicht geschafft. „Aber das wird kommen“, prophezeit ihm sein Torwartrainer. Von der eigenen besten Nullnummer will Vander ihm übrigens nicht berichten. „Das sind doch olle Kamellen“, findet der 34-Jährige.

Vielleicht liegt es ja daran, weil die Geschichte auch einen traurigen Aspekt hatte. Vander zog sich im Spiel einen Muskelfaserriss zu. „Das habe ich durch das ganze Adrenalin erst später gemerkt.“ Damit war Vander wieder raus – und so ein bisschen wurmt ihn das noch heute: „Schade, ich war damals für jede Minute dankbar.“

kni

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