Torjäger, Spaßvogel, Entertainer: Anthony Ujah – einer wie einst „Toni“ Ailton?

Ein neuer „Tony“ für Werder

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Anthony Ujah hat sich in Köln den Ruf eines lockeren, aber auch sehr professionellen Spielers erworben.

Bremen - Mit diesem „Toni“ hat Bremen gelacht und geweint. Kein anderer Spieler hat vor oder nach ihm so sehr die Fans für sich gefangen genommen wie Ailton. Von 1998 bis 2004 spielte der Torjäger mit Spitznamen „Toni“ an der Weser, schoss in 169 Bundesliga-Spielen 88 Tore, gewann das Double, wurde Torschützenkönig. Wie sehr ihn die Bremer immer noch lieben, zeigte sich beim Abschiedsspiel im September. Es war ein hochemotionaler Tag im Weserstadion, es flossen viele Tränen – nicht nur bei Ailton, auch bei den Fans. Doch jetzt bekommen die Werder-Anhänger einen neuen „Tony“, einen mit „y“: Anthony Ujah kommt – und es könnte wieder lustig werden.

Der neue Werder-Stürmer soll das sein, was auch Ailton war: eine Stimmungskanone, ein Spaßvogel, ein Mann mit Fannähe und Entertainer-Qualitäten. Er unterhielt die Fans beim 1. FC Köln nicht nur mit seinen Toren (zehn in der laufenden Saison), sondern auch mit Aktionen aus der Klamaukkiste. Während Ailton mal als Sultan aus Tausend-und-einer-Nacht mit Turban posierte oder sich ein anderes Mal nackt mit Meisterschale fotografieren ließ, läuft Ujah an Karneval als „Schwarzer Papst“ durch Köln, gibt als Ratsbläser den Startschuss für die Rosenmontagsparty oder setzt sich im Trainingslager in Orlando/USA auf ein lebendes Krokodil. Dazu die mittlerweile berühmte Szene mit Geißbock Hennes – wenn Ujah im Spiel ist, klicken die Kameras. Für die Geißbock-Aktion musste sich Ujah allerdings auf Druck von Tierschützern entschuldigen und tat dies mit einem Ständchen für Hennes. Die Kölner Medien hatten ihren Spaß.

„Er ist einer, der sich für nichts zu schade ist, deshalb lieben die Leute ihn hier auch so“, sagte einst Toni (noch einer) Schumacher, Vize-Präsident des 1. FC Köln, über den Nigerianer. Allerdings meinte er damit in erster Linie Ujahs Lauf- und Einsatzfreude auf dem Spielfeld – Eigenschaften, die den Tony mit „y“ von dem Toni mit „i“ deutlich unterscheiden.

Aber der eine wie der andere ist/war ein Spieler mit Herz. Das des Brasilianers Ailton war abseits des Fußballs oft größer als der Verstand, weshalb er viele der verdienten Millionen (wenn nicht sogar alle) wieder verlor. Anthony Ujah hat noch nicht das ganz große Geld kassiert, der Vierjahresvertrag bei Werder macht aber auch ihn zu einem Sehrgutverdiener. Geschätzte 1,3 Millionen Euro soll er pro Saison in Bremen bekommen. Mit seinem Geld unterstützt er seine Familie in Ugbokolo, im Süden Nigerias. 20 Personen sind es – nicht gerade wenige. Ailton versorgte damals fast ein ganzes Dorf mit Geld und Jobs.

Ujah und Ailton – wenn sie sich nun auch noch in Sachen Torquote ähnlich werden, dann hätte der SV Werder einen guten Fang gemacht mit dem 4,5-Millionen-Euro-Einkauf. Die Messlatte müssen ja nicht Ailtons knapp 0,5 Tore pro Spiel sein, aber in die Richtung darf es gerne gehen.

Die künftigen Werder-Kollegen freuen sich jedenfalls schon auf „Tony“ Ujah. „Er ist ein Riesenkicker. Ich finde es super, dass der Verein mittlerweile wieder solche Transfers tätigen kann. Das ist ein Zeichen, dass es aufwärts geht“, sagt Verteidiger Assani Lukimya und hebt hervor, dass Ujah es schon zu fünf Einsätzen für Nigeria gebracht hat: „Das ist schon etwas Besonderes, ein echtes Qualitätsprädikat. Nigeria hat Stürmer wie Sand am Meer – da ist es schwierig, ins Nationalteam berufen zu werden. Dass Ujah dabei ist, zeigt nur, dass er eine gewisse Qualität hat“, urteilt der gebürtige Kongolese.

Stürmertalent Melvyn Lorenzen (20) sieht in Anthony Ujah eher einen Lehrmeister als einen Konkurrenten. „Ich hoffe, dass ich mir von ihm viel abgucken kann“, sagt er. Und Franco Di Santo? Ujahs vermutlicher Sturmpartner weiß noch nicht viel über den Nachfolger von Davie Selke. „Aber nach dem zu urteilen, was ich bisher von ihm gesehen habe, ist er ein starker Spieler. Einer, der den Ball gut abschirmen kann. Und er schießt viele Tore.“

Der Spaßfaktor im Werder-Sturm wird jedenfalls – den Verbleib des Argentiniers vorausgesetzt – weiter steigen. Und das ist gut so, meint Di Santo – selbst einer, der das Leben mit einem Lachen bewältigt: „Es ist viel leichter, deinen Job zu machen, wenn du Spaß dabei hast.“

Ujah hat ihn, Ailton hatte ihn auch. Doch beide können auch für das Gegenteil sorgen. So wie Ailton einst seinen Wechsel zu Schalke 04 im Geheimen durchzog und damit Werder schockte, so hat sich nun Ujah mit Hilfe der Ausstiegsklausel heimlich davongemacht. Bei den Kölnern ist deshalb Schluss mit lustig. „Tony“ droht für den Rest der Saison die Bank.

csa

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