Die Bremer dürfen von Europa träumen

Tiefenentspannt ohne Allofs: Schaaf hat Werder im Griff

+
Man kennt sich, man schätzt sich: Es war schon komisch anzusehen, wie Klaus Allofs in der VW-Arena in seiner neuen Funktion als Geschäftsführer Sport des VfL Wolfsburg mit Thomas Schaaf plaudert.

Bremen - Thomas Schaaf lehnte sich zurück, lächelte und stellte zufrieden fest: „Bei uns war die ganze Zeit Ruhe. Es musste niemand getröstet werden.“ Nach einer kurzen, fast schon künstlerischen Pause fügte der Coach des SV Werder im Presseraum der VW-Arena noch ein einziges Wort an: „Tiefenentspannt.“

Ausgerechnet gegen Klaus Allofs hatte Schaaf bewiesen, dass es auch ohne Klaus Allofs geht. Am Ende stand zwar eine Punkteteilung – ein 1:1 – auf der Wolfsburger Anzeigetafel, doch die Bremer durften sich als Gewinner fühlen. So lebt der Traum von Europa.

Die Noten der Werder-Spieler

Die Noten: Hunt führt Regie und Mielitz rettet

„Wir sind wieder sehr überzeugend aufgetreten. Die Mannschaft glaubt an das, was sie spielt“, sagte Schaaf – und die Genugtuung darüber war nicht zu überhören. Schaaf hat sein Team im Griff. Der ganze Wirbel um den Wechsel von Werder-Boss Allofs zum Ligarivalen Wolfsburg ist spurlos an der Mannschaft vorübergezogen. Erst gab es den 2:1-Heimsieg gegen Fortuna Düsseldorf, nun das 1:1 bei den „Wölfen“ – beides in Unterzahl. „Das zeigt doch, dass sich die Mannschaft nicht durcheinander bringen lässt. Wir haben uns mit einem Mann weniger nicht versteckt, wir sind unserem Spiel treu geblieben. Dafür ist die Mannschaft zu loben“, meinte Schaaf.

Wer hätte das am siebten Spieltag gedacht? Werder spielte in Augsburg Angsthasenfußball und wurde vom Tabellenletzten mit 3:1 gedemütigt. Inzwischen treten die Bremer auswärts ganz anders auf. „Wir haben Selbstvertrauen ausgestrahlt, wir haben das Spiel gelenkt“, freute sich Schaaf. Wolfsburg lief von der ersten Minute an nur hinterher. Dabei hatten die Gastgeber durch drei Siege in vier Spielen genug Selbstvertrauen getankt. Aber die Bremer waren einfach stärker – speziell Aaron Hunt und Kevin De Bruyne nur schwer zu stoppen.

Bilder zum Spiel

Unentschieden - Wolfsburg und Bremen trennen sich 1:1

Ein bisschen Glück kam auch noch dazu. Unmittelbar bevor Marco Arnautovic nach perfekter Vorlage von Eljero Elia das 1:0 erzielte, hatte Bas Dost in der 35. Minute nur den Pfosten getroffen. Es gab jedoch keinen Zweifel daran, dass die Bremer Führung verdient war. Immer wieder zeigten die Werder-Profis starke Kombinationen. Es fehlte nur die letzte Konsequenz. „Unser Offensivspiel ist gut, aber es kommt zu wenig dabei heraus“, monierte Schaaf.

Das war ein Grund für den verpassten Sieg, der andere trug den Namen Markus Schmidt. Der Schiedsrichter hatte Lukas Schmitz in der 62. Minute mit Gelb-Rot vom Platz geschickt. Bei diesem Thema war Schaaf später alles andere als tiefenentspannt. Er zürnte, sprach unmissverständlich von einer „Fehlentscheidung“. Dieser Aufreger rückte sogar die Personalie Allofs etwas in den Hintergrund. Zumal Wolfsburg die Überzahl durch Dost prompt zum 1:1 nutzte (64.). Die Partie drohte zu kippen, doch Werder lässt sich nicht mehr so schnell umwerfen. „Wir sind gefestigt“, behauptete Keeper Sebastian Mielitz, bat seine Teamkollegen aber zugleich: „Unterzahl sollte jetzt nicht der Normalfall werden.“

Aber was ist in dieser Saison schon normal? Die Allofs-Nummer war es jedenfalls nicht. Sein Auftritt nach der Partie, als er in seiner blauen VfL-Jacke mit den verschwitzten Werder-Profis plauderte, wirkte völlig bizarr. Denn vor zwei Wochen hatte der 56-Jährige noch als Chef zu ihnen gesprochen – so wie er es über 13 Jahre für Werder getan hatte.

Nun trennen sich endgültig die Wege. Das kurze Wiedersehen ist Geschichte, Allofs erleichtert und Schaaf entspannt. „In der Gesamtheit war die Rolle von Klaus im Verein sehr wichtig. Aber die tägliche Arbeit findet auf dem Platz statt“, meinte der Coach. Der Verein könne in Ruhe einen Nachfolger suchen. Schaaf mischt dabei zwar beratend mit, konzentriert sich aber vornehmlich auf seinen Job als Trainer. Schließlich naht schon die nächste Aufgabe. Am Mittwoch kommt Bayer Leverkusen, ein großer Rivale auf dem Weg zurück nach Europa. · kni

Schürrle und Piszczek stechen Bartels aus

Schürrle und Piszczek stechen Bartels aus

BVB zurück auf Königsklassen-Kurs

BVB zurück auf Königsklassen-Kurs

Weitere Überlebende aus verschüttetem Hotel gerettet

Weitere Überlebende aus verschüttetem Hotel gerettet

Promi-Auflauf in Kitzbühel: Die Bilder

Promi-Auflauf in Kitzbühel: Die Bilder

Meistgelesene Artikel

Das große Pizarro-Rätsel: Startet er noch mal durch?

Das große Pizarro-Rätsel: Startet er noch mal durch?

Gnabry und Eilers für "Tor des Jahres" nominiert

Gnabry und Eilers für "Tor des Jahres" nominiert

Kleinheisler wechselt nach Budapest

Kleinheisler wechselt nach Budapest

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

Kommentare