Vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen

Thomas Tuchel ächzt: „Es tut richtig weh“

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Ehrgeizig: Christoph Moritz (links) und Johannes Geis wollen mit Mainz ins internationale Geschäft. ·

Werder-Bremen - MAINZ · Für bildliche Vergleiche hat Thomas Tuchel ein gutes Gespür. Sich selbst vergleicht der Fußballlehrer gerne mit einem Handwerker, der seinen Spielern nur das Werkzeug bereitstellt.

„Entscheiden, ob sie den Hammer oder die Zange nehmen, müssen sie dann schon selbst“, sagte der 40-Jährige mal. Auch jetzt ist dem Cheftrainer des FSV Mainz 05 wieder ein hübscher Vergleich eingefallen, um die Ausgangslage im Endspurt zu beschreiben. Eine Spielzeit sei wie ein 400-Meter-Lauf, „und wir sind eine Mannschaft, die auf den ersten 300 Metern alles aus sich rausholt, sich voll verausgabt – denn nur so sind wir besonders.“ Tuchels Problem vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen: „Mittlerweile liegt eine ganze Strecke hinter uns – man merkt: Es tut richtig weh.“

Nicht nur drei Niederlagen in den vergangenen vier Spielen – in Braunschweig, gegen Bayern und in Frankfurt – schmerzen. Nun kommt eine längere Ausfallliste erschwerend hinzu. Innenverteidiger Stefan Bell ist gesperrt, Außenstürmer Nicolai Müller (Außenmeniskus) und Linksverteidiger Joo Ho Park (Zeh) sind verletzt. „Es ist fast unmöglich ihr Fehlen völlig zu kompensieren“, konstatiert Tuchel, „tragisch, dass es uns in der finalen Phase trifft.“ Platz sieben sei das Produkt, dass „wir die ganze Zeit überperformen.“

Und es ist der Lohn für eine kluge Personalpolitik, die so manchen Wettbewerbsnachteil ausgleicht. Ein gutes Beispiel findet sich auf einer Schlüsselposition. Neuzugang Johannes Geis (20), beim Bundesliga-Absteiger Greuther Fürth entdeckt, hat im zentralen defensiven Mittelfeld dafür gesorgt, „dass wir die ganze Saison so wenig über den Ausfall von Julian Baumgartlinger sprechen müssen“ (Tuchel). Der gebürtige Schweinfurter Geis gilt als der heimliche Stratege – seine Flachpässe und Spielverlagerungen sind eine Augenweide, seine Schusstechnik und seine Übersicht nicht minder sehenswert. „Mit seiner Energie, Wachheit und Überzeugung ist er extrem wichtig für uns“, lobt Tuchel, „er spielt wahnsinnig konstant.“

Zusammen mit dem Ex-Schalker Christoph Moritz ist U 21-Nationalspieler Geis das Herzstück einer Mainzer Mannschaft, die ihre Mission längst nicht beendet hat. Wegen der Konstellation im DFB-Pokal reicht in dieser Saison wohl Platz sieben für die Europa-League-Qualifikation – und es ist ein offenes Geheimnis, dass Spieler wie Geis und Moritz genau das erreichen wollen. „Vielleicht sollten wir auf die Europa-League-Plätze gucken, denn das Von-Spiel-zu-Spiel-Denken hat nicht so gut geklappt“, meint Moritz. Und Geis fügt an: „Jetzt stehen wir schon so lange da oben, eigentlich wollen wir uns da nicht verdrängen lassen.“ · mb

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